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Vor dreißig Jahren : Der erste Personalcomputer

Erstmals einen Standard gesetzt

Ein halbes Jahr später stand sie mit dem mausgrauen Plastikkasten samt Bildschirm und Tastatur auf dem IBM-Präsentiertisch des Ballsaals im Nobelhotel Waldorf-Astoria. Das Team um Estridge war zufrieden, der Vorstand hoffnungsvoll, die Presse gespannt. Am Ende des Tages sorgte IBM für dicke Schlagzeilen. In den folgenden Monaten sah sich die Verkaufsabteilung des Konzerns mit Vorbestellungen überflutet. So verkaufte IBM über seine bevorzugten Einzelhändler Sears, Roebuck und Computer Land bis Weihnachten 65.000 Computer, verzeichnete 100.000 Vorbestellungen und stieg mit einem Schlag zum Branchenprimus auf. Das setzte Standards. Zwar war die technische Ausstattung des „5150“ bestenfalls durchschnittlich. Da auf dem Computer Software wie die Tabellenkalkulation „Lotus 1-2-3“ lief, verbreitete sich das Modell schnell in Büros und Haushalten.

Richtungsweisend für die Massentauglichkeit war der modulare Aufbau des Rechners. Neue Funktionen oder leistungsfähigere Komponenten konnten durch Steckkarten nachgerüstet werden. Zur weiteren Verbreitung trug auch sein offener Bauplan bei. Andere Hersteller wie Compaq oder Dell, Toshiba und später auch HP und Sony durften die Architektur nachbauen, ohne Lizenzgebühren zahlen zu müssen. Dabei verkauften Intel die Prozessoren und Microsoft das Betriebssystem - das Duo bewährt sich bis heute. Kleincomputern, denen das Attribut „IBM-kompatibel“ fehlte, ließen sich nach der Markteinführung des PC nur noch schwer absetzen, auch wenn sie technisch besser waren. Hatte der Rechner doch erstmals einen Standard gesetzt. Das trieb die Verbreitung von Personalcomputern voran.

Verkauf an die Lenovo-Gruppe

IBM baute das Modell bis 1987. Dann folgten andere. Billigkonkurrenten schossen wie Pilze aus dem Boden. Computer wurden kleiner, handlicher, leistungsfähiger und gemessen an den Leistungen preiswerter. Keine 25 Jahre nach der Markteinführung des PC traf IBM den Entschluss, sich aus dem Geschäft mit Personalcomputern zurückzuziehen. Denn die Sparte endete, wie sie begann: mit einer Krise. Seit Ende der neunziger Jahre zählte sie zu einer der gewinnschwächsten Abteilungen des Unternehmens.

Im Dezember 2005 unterschrieb IBM einen Vertrag mit der chinesischen Lenovo-Gruppe über den Verkauf. Lenovo schwang sich dank der Übernahme zum heute drittgrößten Computerhersteller der Welt auf. Philip Estridge, der „Vater des PC“, erlebte das alles nicht mehr. Zwei Jahre nachdem er ein Angebot von Steve Jobs 1983 abgelehnt hatte, Präsident von Apple zu werden, war er im Alter von 48 Jahren mit einem Flugzeug tödlich verunglückt. Ursache: ein Fehler in den Computern der Fluglotsen.

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