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Vor dreißig Jahren : Der erste Personalcomputer

Großunternehmen zogen mit. Im gleichen Jahr brachte Digital Equipment den „PDP-8-Minicomputer“ und Hewlett-Packard den „HP 2100“ heraus; Preis: 16.000 Dollar. Das machte Schule. 1973 stellte in Frankreich André Truong Trong Thi mit seiner Firma R2E den „Micral-N-Microcomputer“ für 1750 Dollar vor. 1975 ging der Luftwaffentechniker, Unternehmer und Besitzer der Firma MITS Edward Roberts mit dem „Altair-8800“ an den Start. In zwei Jahren verkaufte er 40.000 Stück. 1976 traten Steve Jobs und Steve Wozniak mit dem ersten Apple an, 1977 mit dem zweiten. Ein Durchbruch. Tandy Radios Shacks baute den „TRS-80“, Commodore den „Pet-Computer“. 1979 gab es 500 Computermodelle in der Welt und es wurden fast eine Million Minicomputer verkauft.

Zuschlag für Microsoft

Anders als Hewlett-Packard und Digital Equipment hielt sich IBM von diesem Markt noch fern. Das Unternehmen setzte auf Großrechner, „nicht auf Spielzeug“, wie ein Ingenieur sagte. Die Rechenmonster waren so kompliziert wie lukrativ, allein das riesige Rechensystem „IBM 360“ kostete 9 Millionen Dollar. Doch die Zeiten änderten sich. Der Vorstandsvorsitzende von IBM, Frank Cary, wollte rasches Wachstum, hohe Gewinne und neue Märkte. Dafür macht er seinen Abteilungsleitern Druck - vor allem einem: William Lowe, Chef der Sparte „Einstiegssysteme“. Die war in Boca Raton im sonnigen Florida beheimatet und für den Konzernauftritt am unteren Marktsegment verantwortlich. Die Abteilung hatte lange vor sich hingedümpelt, mit dem Aufkommen der Kleincomputer stand sie im Rampenlicht. Zwar hatte IBM 1973 mit „Scamp“ binnen Monaten den Prototyp eines Minirechners entwickelt. Auch ging daraus der „5100 Portable Computer“ hervor. Doch mit einem Preis von 20.000 Dollar war er vielen Privatnutzern zu teuer. Die hielten sich an Apple, Tandy oder Commodore. Die beiden Nachfolgemodelle des „5100“ floppten. IBM-Chef Cary rief zur Krisensitzung.

Im Juli 1980 versammelte er das Corporate Management Committee. Lowe trug den Plan vor, Minicomputer von Atari unter der Marke IBM zu verkaufen. Cary sagte nur: „blöde Idee“. Stattdessen verpflichtete er Lowe dazu, binnen Monaten einen eigenen Prototyp auf den Tisch zu stellen. Lowe hatte ein Problem. Der studierte Physiker stampfte das Projekt „Schach“ aus dem Boden, rekrutierte eine schnelle Eingreiftruppe aus zwölf IBM-Ingenieuren und berief Philip Estridge an deren Spitze. Die Vorgaben waren klar: Das beste Produkt zum niedrigsten Preis in kürzester Zeit. Estridge ging an die Arbeit.

Für den neuen Computer griffen sie nicht auf Komponenten aus dem eigenen Hause zurück, sie bedienten sich in den Baukästen von Zulieferern und Wettbewerbern. Der Prozessor, das Herz eines jeden Computers, kam vom Intel. Der Chiphersteller hatte mit seinem CPU „8088“ gerade einen Baustein im Angebot, der zwar nicht der beste, aber der preiswerteste seiner Klasse war. Estridge griff zu. Darüber hinaus sah sich der Programmierer Jack Sams nach einem passenden Betriebssystem um. Dabei stieß er auf zwei Firmen: Microsoft, das führend in Programmiersprachen war und schon für Apple gearbeitet hatte, und Digital Research, dass mit CP/M das beste Betriebssystem für Kleinrechner hatte, das schon auf einer halben Million Computer lief. Während die Vertreter von IBM mit dem Gründer von Digital Research, Gary Kildall, im August 1980 keinen Vertrag abschließen konnten, griff Sams im September auf ein Angebot von Bill Gates der Firma Microsoft zurück. Gates bekam den Zuschlag. Er modifizierte bestehende, doch unvollendete Programme und übergab IBM seine PC-DOS-Software im Februar 1981.

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