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Vor der Hauptversammlung : Lufthansa-Aktionäre stellen sich quer

Jürgen Weber (links) tritt ab, Wolfgang Mayrhuber soll ihm nachfolgen. Bild: dpa

Der Machtwechsel im Aufsichtsrat provoziert Ärger. Am Dienstag wird es spannend.

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          Es sollte das feierliche Ende einer großen Ära werden - auf der Hauptversammlung der Lufthansa am Dienstag. Jürgen Weber (71) tritt ab. Seit 46 Jahren arbeitet er für die Fluggesellschaft, seit 2003 steht er an der Spitze des Aufsichtsrates. Davor führte er 12 Jahre lang die Lufthansa als ihr Vorstandsvorsitzender, rettete sie vor der Pleite und wandelte sie von einer Staatsbeteiligung in ein erfolgreiches Unternehmen um.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch über den Wachwechsel legt sich ein Schatten. Webers designierter Nachfolger Wolfgang Mayrhuber (66) an der Spitze des Aufsichtsrats ist umstritten. Der Österreicher führte die Lufthansa bis 2010. Er trug die Verantwortung für die wichtigsten Fehlgriffe und Versäumnisse, unter denen die Lufthansa heute leidet: Misslungene Übernahmen der defizitären Austrian Airlines, Brussels Airlines und British Midland. Eine teilweise veraltete und ineffiziente Flotte. Und keine strategischen Antworten auf die Konkurrenz von Billigfliegern wie Ryanair und den Gesellschaften vom Golf. Ausgerechnet dieser Mann soll nun den Lufthansa-Vorstand beaufsichtigen.

          Widerständler streiten gegen die Wahl

          Die Widerständler wagen sich aus der Deckung: Beat Kaiser, früher für die Lufthansa Technik tätig, stellte für die Hauptversammlung den Antrag, Mayrhuber nicht zu wählen. Er bekommt jetzt professionelle Unterstützung. Die Organisation ISS, die Wahlempfehlungen für Aktionäre ausspricht, lehnt die Wahl ebenfalls ab. Vor allem ausländische Aktionäre folgen oft der Meinung der ISS. Die machen bei der Lufthansa rund 36 Prozent aus. Die ISS warnt auch vor der Wahl des SAP-Finanzvorstands Werner Brandt (59) in den Aufsichtsrat - wegen der vielfältigen unternehmerischen Verflechtungen der beiden Firmen.

          Zudem kursiert ein anonymer Brief, den angeblich leitende Angestellte von Lufthansa geschrieben haben sollen. Er wiederholt die bekannten Vorwürfe an Mayrhuber.

          Allerdings hat der Ex-Chef prominente Fürsprecher. Für Weber selbst ist er der Wunschkandidat, er verlangt „einen Branchenkenner“, was Mayrhuber zweifellos ist. Auch der Vorstandsvorsitzende Christoph Franz (53) kann mit Mayrhuber leben, hat dieser ihn doch als Nachfolger aufgebaut. Ihr Verhältnis ist gut, auch wenn Franz nun deutlich schärfer auf die Kostenbremse tritt als Mayrhuber und mit der British Midland schon den ersten Defizitbringer wieder verkauft hat.

          Diese Entscheidungen hat Mayrhuber nicht hinbekommen, er dürfte sie aber mittragen. Die Gewerkschaften und Mitarbeiter, die häufiger als früher mit dem Vorstand auf Konfrontationskurs gehen, hoffen auf das Gegenteil: dass er Franz in seinem Spareifer bremst und es künftig wieder etwas kuscheliger zugeht. Das bleibt eine vage Hoffnung. Aber auch die Gewerkschaften werden sich eher für Mayrhuber aussprechen als für einen unberechenbaren Externen. So könnte Mayrhuber gewählt werden - aber ohne Traumergebnis.

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