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Kurz vor der WM : Hochbetrieb im Panini-Land

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter der Panini Gruppe in der Fabrik des Unternehmens in Modena, Norditalien. Bild: AFP

Italien nimmt dieses Jahr nicht an der WM teil – und ist trotzdem irgendwie dabei, denn: In Modena werden die heiß begehrten Panini-Bilder produziert. Der Betrieb läuft auf Hochtouren.

          Acht bis zehn Millionen Päckchen pro Tag – jedes davon mit fünf Sammelkarten, die vielleicht das begehrte Konterfei von Fußball-Superstars wie Messi, Neymar oder Cristiano Ronaldo enthalten: Während das WM-Fieber steigt, laufen im italienischen Modena die Maschinen auf Hochtouren.

          Hier werden die berühmten Panini-Bilder gedruckt, die auch zur Weltmeisterschaft in Russland wieder eifrig gekauft, auf Schulhöfen oder in Büros getauscht und eingeklebt in Sammelalben für die Nachwelt konserviert werden.

          Dass Italien bei der WM zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht dabei ist, tut dem Hochbetrieb bei Panini dabei keinen Abbruch. Die Einbußen durch das ungewöhnliche Qualifikations-Aus der Azzurri seien „marginal“ sagt Produktionsleiterin Simona Spiaggia.

          Fußball ist immer noch das Zugpferd

          „Wir produzieren für die ganze Welt, mit Ausnahme eines Teils von Lateinamerika, da wir in Brasilien noch eine andere Fabrik haben“, sagt Spiaggia. „Aber für den Rest der Welt wird alles hier produziert – also steht Italien nur für einen kleinen Teil.“

          Die Nachfrage nach den Stickern ist ungebrochen: Um mit dem Ansturm der Fans Schritt zu halten, wurde in Modena die Zahl der Mitarbeiter bereits im Januar von 130 auf 240 hochgeschraubt; die Maschinen, die noch aus den 60er Jahren stammen, schneiden, mischen und verpacken die Karten mit erhöhtem Tempo.

          Acht bis zehn Millionen Päckchen werden jeden Tag in Modena produziert.

          Solche Produktionsspitzen gibt es bei Panini alle zwei Jahre zu Europa- und Weltmeisterschaften. „Aber beim Weltcup sind sie noch etwas höher“, sagt Spiaggia. Obwohl die Firma mittlerweile auch Verträge mit dem amerikanischen Unterhaltungsriesen Disney hat und Sammelkarten etwa von Basketballern druckt, macht Fußball noch immer den Löwenanteil des Umsatzes aus.

          Panini im digitalen Zeitalter?

          Seit Jahrzehnten hat das 1960 von vier Brüdern der Panini-Familie gegründete Unternehmen einen Exklusivvertrag mit dem Weltfußballverband Fifa. Das Geschäftsprinzip hat sich seitdem nicht geändert. „Es ist diese Einfachheit, die sich auszahlt“, sagt Spiaggia. „Panini ist noch nie in der Krise gewesen – weil es ein einfaches Spiel ist, das Eltern und Kindern gefällt.“

          Das Unternehmen hat die Zahl der Mitarbeiter im Januar von 130 auf 240 erhöht.

          Selbst die Internet-Konkurrenz, die zahlreichen Branchen das Leben schwer macht, hat die Anziehungskraft der traditionellen Papier-Alben bislang kaum geschmälert. Trotzdem will sich auch Panini für die digitale Zeitenwende wappnen. „Online bewegen wir uns vorwärts“, sagt Spiaggia. „Aber es ist wie bei Büchern - manche bevorzugen E-Books, andere werden immer Papier bevorzugen, und das gilt auch für unsere Sammler.“

          Den immer wieder erhobenen Verdacht, Abbilder von Superstars wie Neymar oder Ronaldo seien in den Päckchen seltener zu finden, weist Panini indes zurück. „Wenn sie selten sind, liegt das daran, dass sie begehrter sind“, sagt Spiaggia. „Sie sind weniger in Umlauf, weil sie nicht eingetauscht werden – aber nicht von Anfang an.“

          Nachfrage nach den Stickern ist ungebrochen – auch wenn Italien dieses Jahr nicht bei der WM dabei ist.

          Und so liegt es an den Maschinen in der Fabrik in Modena, über Glück oder Pech beim Aufreißen der Päckchen zu entscheiden. Hierbei ist bei Panini allerdings keineswegs alles beim Alten geblieben: In den Anfangsjahren übernahmen das Mischen der Bilder noch Menschen - und warfen die Sticker mit einer Schaufel gegen eine Wand.

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