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Vor dem Abschwung : Die Unternehmen fahren auf Sicht

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Auch im Ausland werden die Kunden zurückhaltender: Der Export geht zurück Bild: F.A.Z. / Jesco Denzel

Die Banken- und Finanzmarktkrise erreicht die Realwirtschaft. SAP berichtet von Kunden, die Bestellungen verschieben. Andere Unternehmen sitzen zwar auf vollen Auftragsbüchern, wissen aber nicht, wie es vom kommenden Frühjahr an weitergeht.

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          Europas größten Softwarehersteller SAP hat die Finanzkrise mit voller Wucht getroffen. „SAP konnte sich den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, wie sie seit der zweiten Septemberhälfte die Märkte erfasst, nicht entziehen“, hat der SAP-Vorstandsvorsitzende Henning Kagermann eingeräumt. Als Grund nannte er Finanzierungsschwierigkeiten, die durch die Kreditklemme entstanden seien: Kunden, die sich überlegt hätten, bei SAP zu bestellen, seien abgesprungen.

          Damit steht SAP nicht alleine. Die Realwirtschaft spürt die Auswirkungen der Finanzkrise immer stärker, was auch der Bundesverband der Deutschen Industrie einräumt. Es ist zwar häufig schwer zu trennen, was Folge der allgemeinen Konjunkturabschwächung und was Folge der Finanzmarktkrise ist. Aber was sich in dem Spezialchemie-Unternehmen Cognis schon zum Halbjahr abzeichnete, ein Rückgang im Auftragseingang speziell im Geschäft mit Chemikalien für Farben oder Klebstoffe, dürfte nach den Meinung von Analysten in den kommenden Wochen in vielen Quartalsberichten zu sehen sein.

          Asien wird zur Wachstumslokomotive

          Nach mehreren Jahren ungebrochenen Wachstums gehen in zahlreichen Unternehmen die Auftragseingänge zurück. Wegen der vorgeschriebenen Schweigepflicht wird von börsennotierten Gesellschaften derzeit nur unter der Hand bestätigt, was der Unternehmer Friedhelm Loh (Friedhelm-Loh-Group) aussprechen darf: „Im Objektgeschäft spüren wir eindeutig Verzögerungen.“

          Auch wenn seine Gruppe wie die gesamte Elektroindustrie noch Auftragsbestände vor sich herschiebe, die in den kommenden zwei bis drei Monaten für Vollauslastung sorgen, ist die Ungewissheit groß, was dann folgt. „Der Puls ist in Erregung übergegangen“, heißt es in dem Konzern mit einem Umsatz in Milliardenhöhe. „Das größte Problem ist, dass zur Zeit nichts planbar ist“, sagt Loh und warnt vor den psychologischen Folgen der Unsicherheit. Nicht wenige Hersteller hoffen, dass der befürchtete Nachfrageeinbruch in Nordamerika und in Europa durch weiteres Wachstum in Asien, vor allem in China, aufgefangen werden könnte. Manche sehen sogar den Zeitpunkt gekommen, zu dem Asien die Vereinigten Staaten als Wachstumslokomotive ablösen wird.

          Die Investoren werden vorsichtiger

          Bei Dornbracht, dem Hersteller hochwertiger Armaturen für Bad und Küche, sind allerdings auch die ersten Projekte im Objektgeschäft in Fernost verschoben worden. „Die Investoren werden überall vorsichtiger“, sagt Geschäftsführer Andreas Dornbracht. Zweistellige Auftragsrückgänge hat Dornbracht in jüngster Zeit in Russland, Frankreich, Großbritannien und Spanien verzeichnet. In den Vereinigten Staaten schwächelt das Geschäft schon seit Anfang des Jahres.

          Statt des geplanten zweistelligen Umsatzzuwachses erwartet das Familienunternehmen aus Iserlohn für 2008 nur noch „ein leichtes Wachstum“. Bei der Kreditaufnahme bemerkt Dornbracht keine Schwierigkeiten. „Das hängt wohl mit unserer guten Bonität zusammen“, sagt der Firmenchef selbstbewusst. Diese Aussage teilen viele deutsche Mittelständler, die in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und hohe Liquidität und eine komfortable Eigenkapitalausstattung aufgebaut haben.

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