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Boehringer-Chef von Baumbach : „Nein, wir spielen nicht mit der Sicherheit der Menschen“

  • -Aktualisiert am

Im Labor des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Bild: Boehringer Ingelheim/Boehringer Ingelheim/obs

Der Pharmakonzern unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung von Medikamenten. Im Interview spricht Firmenchef von Baumbach über Antikörper, Vertrauensverlust in der Bevölkerung – und warum sich die Preisfrage für Impfungen erst als letzte stellt.

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          Herr von Baumbach, mit Ihrem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim sind Sie Teil der globalen Initiative ACT (Access to COVID-19 Tools), zu der 16 Pharmaunternehmen und Organisationen wie die Bill- und-Melinda-Gates-Stiftung gehören, und haben heute ein gemeinsames Abkommen unterschrieben, das an diesem Mittwoch im Rahmen der UN-Vollversammlung veröffentlicht wird.  Worum geht es dabei genau?

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ich würde es eher als Willensbekundung bezeichnen. Die Teilnehmer setzen sich intensiv damit auseinander, wie sie die Corona-Pandemie einerseits effektiv bekämpfen können und andererseits, wie man diese Lösungen, also Impfungen, Medikamente oder Tests, möglichst schnell zur Verfügung stellen kann.

          Wie engagiert sich Boehringer gegen Corona? Woran forschen Sie?

          Boehringer engagiert sich in mehreren solcher Plattformen, die sehr wichtig sind, weil wir alle an einem Strang ziehen und wir es nur auf diesem Weg schaffen, die Entwicklung zu beschleunigen. Wir forschen an keinem Impfstoff, das ist nicht unsere Kernkompetenz. Aber wir haben zum einen unsere Wirkstoff-Datenbank anderen Firmen für die eigene Forschung zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit den Forscherteams vom Universitätsklinikum Köln, der Universität Marburg und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) arbeiten wir zum anderen seit Monaten an virusneutralisierenden Antikörpern, wobei ein Kandidat schon weit fortgeschritten ist.

          Was genau macht der?

          Das ist ein sehr konkreter therapeutischer Ansatz. Der Antikörper könnte zum Beispiel für bestimmte Risikogruppen, also Menschen mit Vorerkrankungen, Ältere, Mitarbeiter in medizinischen Berufen, eingesetzt werden. Die Idee ist, den Antikörper zu geben, sodass er als Waffe schon im Körper vorhanden ist, sollten sich diese Menschen mit dem Virus infizieren. Dadurch ließe sich potentiell der Krankheitsverlauf verkürzen und mindern. Nur um eins klarzustellen: Solch ein Antikörper ersetzt nicht den hohen Bedarf einer Impfung, aber wäre in der momentanen Situation eine perfekte Ergänzung. Bisher sind wir aber noch nicht in der klinischen Entwicklung.

          Wann rechnen Sie damit?

          Dazu können wir im ersten Quartal noch einmal sprechen.

          Hubertus von Baumbach, Chef des familiengeführten Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim.
          Hubertus von Baumbach, Chef des familiengeführten Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. : Bild: dpa

          Entwicklungen von Medikamenten und Impfstoffen sind immens teuer. Wie viel hat Boehringer schon investiert?

          Etwa einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Wenn wir erst einmal in die klinische Entwicklung gehen, wird das noch wesentlich mehr. Aber darum geht es jetzt nicht, sondern gemeinsam einen Prozess zu beschleunigen, der sonst mitunter zehn Jahre dauert.

          Boehringer Ingelheim ist als reines Familienunternehmen allerdings auch keinen Aktionären verpflichtet, die Gewinne sehen möchten. Wie sehen Sie die Preis-Debatte um Impfstoffe und Medikamente?

          Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein in der Verantwortung der Industrie liegen kann. Länder mit einer höheren Kaufkraft müssen einen höheren Preis zahlen. Dann wird man auch in der Lage sein, die Länder mit geringerer Kaufkraft versorgen zu können. Unabhängig davon nehme ich auch bei den börsennotierten Wettbewerbern ein enormes Engagement wahr. Aber jetzt geht darum, erst mal eine Lösung zu finden. Wenn es eine Lösung, also einen Impfstoff oder ein Medikament gibt, vertraue ich darauf, eine offene und faire Diskussion zum Preis zu führen.

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