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Volkswagens Abgas-Skandal : Jetzt geht es um Winterkorns Zukunft

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Martin Winterkorn muss wieder kämpfen. Bild: dpa

In Volkswagens Abgas-Affäre richtet sich der Blick auf Konzernchef Martin Winterkorn. In ein paar Tagen soll sein Vertrag verlängert werden. Doch die Aufsichtsräte suchen einen Verantwortlichen.

          Elf Millionen Autos mit Abgas-Manipulationssoftware. 6,5 Milliarden Euro Sonderabschreibung für den Skandal. Die Aktienkurs sinkt in zwei Tagen um ein Drittel, der Konzern verliert so 25 Milliarden Euro an Wert: Das ist nur die Zwischenbilanz der Abgastest-Manipulationen bei Volkswagen.

          Wusste Volkswagen-Chef Martin Winterkorn vom manipulierten Abgas-Test in den Vereinigten Staaten, den sein Konzern am Wochenende so unmittelbar zugegeben hatte? Und ist es wirklich Zufall, dass der Skandal jetzt gerade öffentlich wird? Während in Frankfurt die Automesse IAA läuft und wenige Tage, bevor Winterkorns Vertrag als Vorstandschef bis zum Jahr 2018 vom Aufsichtsrat beschlossen werden sollte?

          Jetzt richtet sich der Blick auf die Zukunft des langjährigen und mächtigen Konzernlenkers. Aufsichtsrats-Mitglieder haben bereits personelle Konsequenzen angekündigt, auch wenn es dabei noch nicht zwangsläufig um Winterkorn geht. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) – das Land ist ein großer Anteilseigner – sagte im Radio: „Und ich bin mir sicher, daraus wird es dann am Ende auch personelle Konsequenzen geben.“

          Winterkorn ist als detailverliebt bekannt

          Er spricht also ganz offen über personelle Konsequenzen, was er nicht hätte tun müssen. Zumindest noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Denn genau weiß er eigenem Bekunden zufolge nicht, wer letztendlich den Betrug erdacht, ausgeführt und gewusst hat. „Wir werden jetzt, glaube ich, in den nächsten Tagen und Wochen ... die Details erfahren, wer, wann, wo welche Entscheidungen getroffen hat, wer dafür verantwortlich ist.“

          Der einflussreiche Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh – die Arbeitnehmerseite ist stark im Aufsichtsrat – warnte zwar vor Vorverurteilungen: „Wir gucken uns in den nächsten Tagen an, was passiert ist, wer die Verantwortung trägt.“ Und auch er nannte keinen Namen, natürlich nicht. Aber im Grunde sendet Osterloh dieselbe Botschaft: Wer die Verantwortung trägt, geht. Ob das Winterkorn ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

          Im Kopf hat jeder eines: Winterkorn ist als detailverliebt bekannt, für viele Modelle hat er die Endabnahme persönlich begleitet. Normalerweise geht nicht viel an ihm vorbei. War das auch in diesem Fall so? Noch weiß das in der Öffentlichkeit niemand. Sicher ist nur: Schon im Mai 2014 gab es Messergebnisse, die an der Echtheit des Abgastests zweifeln ließen. Im Dezember rief VW Dieselfahrzeuge in die Werkstätten zurück.

          Gerade erst den Machtkampf mit Piëch gewonnen

          Für Winterkorn ist der Skandal eine dramatische Wendung. In diesem Jahr hatte er schon einmal um seinen Platz an der Spitze des größten europäischen Automobil-Herstellers gekämpft. Ferdinand Piëch, Porsch-Enkel, Großaktionär und lange Jahre Firmenpatriarch und Aufsichtsrats-Boss, ging in einem Zeitungsinterview „auf Distanz“ zu Winterkorn. Das löste einen spektakulären Machtkampf um die Konzern-Führung aus. Winterkorn entschied ihn für sich. Piëch trat zurück. Und Winterkorn blieb nicht nur im Amt. Er bekam auch eine Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2018 versprochen. An diesem Freitag sollte der Aufsichtsrat sie festzurren. Tut er das nun angesichts der jüngsten Ereignisse?

          Es dürfte maßgeblich davon abhängen, wie Winterkorn den Skandal in den Griff bekommt. Denn in den Vereinigten Staaten droht im schlimmen Fall offenbar eine Strafe im zweistelligen Milliardenbereich. Und ein gewaltiger Image-Schaden.

          Michael Horn, der Amerika-Chef des Konzerns, sagte während der Vorstellung des neuen Passats in New York am Montagabend ganz frei heraus: „Wir haben es verbockt.“ Sogar ein Sprecher des Weißen Hauses äußerte sich „ziemlich besorgt“ über die Angelegenheit. Das zeigt, welche Dimension der Skandal schon angenommen hat. Auch eine Anhörung vor dem amerikanischen Kongress steht für die Volkswagen-Oberen in den kommenden Wochen bevor, vielleicht für Winterkorn selbst.

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