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Volkswagens Abgas-Skandal : Bösewicht Winterkorn?

  • -Aktualisiert am

Martin Winterkorn trat infolge des Abgas-Skandals zurück. Bild: AFP

Erst geht eine Juristin, die für eine bessere Unternehmensführung im Volkswagen-Reich sorgen sollte. Und jetzt wieder Winterkorn. Die Woche hätte nicht schlechter enden können.

          Jetzt also doch. Die Braunschweiger Staatsanwälte haben Dutzende von Wohnungen durchsucht, sie haben Zeugen befragt und sie arbeiten eng mit den Ermittlern des amerikanischen FBI zusammen. Die Hinweise verdichten sich, dass der frühere Volkswagen-Chef Martin Winterkorn früher als behauptet von den Betrügereien bei den Abgaswerten von rund elf Millionen Dieselautos wusste.

          Für Volkswagen könnte die Woche kaum schlechter zu Ende gehen. Gerade erst hat Christine Hohmann-Dennhardt, die als Spitzenjuristin frischen Wind, saubere Unternehmensführung und mehr Offenheit nach Wolfsburg bringen sollte, resigniert das Handtuch geworfen. In Amerika hat das fast mehr Aufmerksamkeit gefunden als in Deutschland.

          Salamitaktik macht alles schlimmer

          Und jetzt wieder Winterkorn. Der Mann, der sich bei seinem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags letzte Woche selbst als Opfer übler Machenschaften inszenierte, rutscht mit dem neuen Verdacht immer stärker in die Rolle des Bösewichts.

          Doch was wäre, wenn er wirklich früher und wenn er mehr von den Betrügereien wusste? Gegen 37 Verdächtige ermitteln die Staatsanwälte mittlerweile wegen der Manipulationen der Motorensoftware bei den Dieselautos von Volkswagen. Schon die hohe Zahl der Verdächtigten zeigt, dass der Betrug nicht allein die Tat einer kleinen, verschworenen Gruppe von Ingenieuren bei VW gewesen sein kann. Je mehr davon wussten, desto größer aber die Wahrscheinlichkeit, dass es auch im Vorstand Mitwisser gab.

          Winterkorn beteuert seine Unschuld. Das gilt, solange ihm das Gegenteil nicht nachgewiesen werden kann. Gefährlich wird der Skandal mit den neuen Ermittlungen gegen Winterkorn aber auch für Volkswagen. Seit Monaten rückt das Unternehmen nur häppchenweise mit den Einzelheiten darüber heraus, was über Ursachen und Verantwortliche des Skandals zu sagen ist. Dabei zeigt die Geschichte fast aller Skandale, dass diese Salamitaktik alles nur noch schlimmer macht und Vertrauen zerstört.

          Alles kommt auf den Tisch, hat Volkswagen versprochen. Bislang sind es vor allem die Staatsanwälte in Braunschweig, die hoffen lassen, dass die Wahrheit über einen der größten Unternehmensskandale in der deutschen Unternehmensgeschichte am Ende doch irgendwann auf den Tisch kommt.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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