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Volkswagen-Zulieferer : Mit wem hat VW da eigentlich Streit?

Worum sich der Streit zwischen dem Zulieferer Prevent nahe Wolfsburg und Volkswagen dreht, ist weiter eine große Unbekannte. Bild: dpa

VW liegt im Clinch mit zwei Zulieferern. Diese gehören zu der bislang der Öffentlichkeit unbekannten Prevent-Gruppe. Wer steckt hinter dieser Firma? Eine Spurensuche.

          Vor dem Firmensitz der Prevent DEV GmbH in Wolfsburg sind in diesen Tagen Fernsehkameras aufgebaut. Journalisten warten auf Erklärungen der Zulieferergruppe. Doch die Unternehmensgruppe, die mit ihrem Lieferstopp in der kommenden Woche zehntausende VW-Arbeiter in den Zwangsurlaub zwingt und bereits in der kommenden Woche die Montagebänder für den VW-Golf und den Sportsvan im Stammwerk von VW in Wolfsburg zum Stehen bringt, schweigt eisern zum Konflikt mit Volkswagen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Sie sei mit den beiden Zulieferern Car Trim in Plauen und der ES Automobilguss im sächsischen Schönheide nicht juristisch verbunden, heißt es in einer knappen Pressemitteilung. „Wir haben auch keinen Durchgriff auf die betroffenen Gesellschaften.“

          Das überrascht. Erst im Januar 2016 hatte Rolf Hünermann, der als Berater der Prevent-Gruppe firmiert, erläutert, dass die Prevent-Gruppe hinter einer Familie namens Hastor steht, die die Gießerei übernommen hat, zu der sie jetzt nach eigenen Angaben keine juristischen Beziehungen mehr hat.

          Wer steckt hinter dieser Gruppe, die versucht, den weltgrößten Automobilhersteller in die Knie zu zwingen?

          Bald 20 Jahren ohne Konflikte mit VW zusammengearbeitet

          Prevent hat die alteingesessenen deutschen Zulieferer wie den ES Automobilguss über ihre erst im Juni 2014 gegründete, in den Niederlanden registrierte Beteiligungsgesellschaft „Eastern Horizon“ gekauft. Beide Unternehmen gehören erst seit wenigen Monaten zu der Gruppe.

          Bei der Übernahme des Schönheidener Unternehmens wies die Prevent-Gruppe ausdrücklich auf ihre Geschäftsidee hin, damit ihre Beteiligungen „um eine Schlüsselkomponente für Getriebe“ erweitert zu haben. Als Zulieferer für „Schlüsselinstrumente“ hat „Eastern Horizon“ eine starke Position gegenüber den Konzernen aufgebaut, die von seinen Zulieferern abhängig sind.

          Warum kommt der Konflikt mit beiden Zulieferern gerade jetzt? Das fragen sich in Schönheide, aber auch in Plauen viele, nachdem sie – wie die ES Automobilguss – seit bald 20 Jahren ohne Konflikte mit VW zusammengearbeitet haben und es nach Angaben von VW nicht um Preise geht und auch die Zulieferer dem öffentlich nicht widersprechen.

          Zum Lieferstopp gezwungen gesehen

          Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen aus Schönweide auch bis zuletzt LKW mit den Bauteilen für VW die Werkhallen verlassen haben. In Kassel bei VW sind sie offenbar aber nicht angekommen. Alexander Gerstung, einer der Geschäftsführer der ES Automobilguss sagt, die beiden Zulieferer hätten Forderungen in „einem mittleren zweistelligen Euro-Millionenbetrag.“

          Sie hätten sich zum Lieferstopp gezwungen gesehen, weil VW „eine Kompensation“ abgelehnt habe. Vor Gericht sind die beiden Unternehmen damit allerdings nicht durchgedrungen.

          Das wirft Fragen auf. Zumal der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Zusammenhang mit dem Lieferstopp durch den Sitzbezugshersteller Car Trim, die die Passat-Produktion in Emden zum Erliegen gebracht hat, sagte, „was dort passiert, ist Erpressung“.

          Spuren nach Brasilien und nach Bosnien ?

          Für einen Preiskonflikt zwischen einem Zulieferer und einem Autokonzern ist das eine in der Wortwahl erstaunlich deutliche Feststellung. Zumal beide Zulieferer per einstweiliger Verfügung vom Gericht verpflichtet worden sind, an Volkswagen zu liefern, dem aber – ohne jede Begründung – nicht nachkommen.

          Wenn die Prevent-Gruppe jetzt behauptet, juristisch nichts mit den beiden Zulieferern zu tun zu haben – und tatsächlich haben sich im Handelsregister die eingetragenen Beteiligungen seit Beginn des Konflikts verändert – führt die Spur zu Eastern Horizon. Wer daran neben der Prevent-Gruppe noch beteiligt ist, ist nur schwer zu ermitteln.

          Es soll Spuren nach Brasilien und nach Bosnien geben, bestätigen lässt sich das allerdings nicht. Die Eastern Horizon hat ihren Sitz in Amsterdam und firmiert offiziell als Finanzholding. In den wenigen Monaten ihres Bestehens hat sie mehrere strategisch wichtige Zulieferer aufgekauft.

          Erst die Übernahme, dann die Probleme

          Gerstung wies in seiner Erklärung darauf hin, dass Prevent am Konflikt nicht beteiligt sei. „Car Trim GmbH und ES Automobilguss GmbH sind eigenständige Unternehmen“, sagte er. Damit könnte VW eventuelle Milliarden-Schadensersatzforderungen nicht gegenüber der Gruppe, sondern nur gegenüber den beiden Zulieferern geltend machen.

          Es deutet manches darauf hin, dass der Konflikt seine Wurzeln dennoch nicht bei den sächsischen Zulieferern hat. Für Volkswagen ist der Ärger mit Prevent – oder mit deren Beteiligungsgesellschaft Eastern Horizon – nicht neu.

          Bereits im Mai 2016 mussten Fiat-Chrysler und VW in Brasilien vorübergehend die Produktion stoppen, nachdem der Sitzhersteller Keiper seine Lieferungen eingestellt hatte. Ford und Hyundai sollen ebenfalls betroffen gewesen sein. Keiper gehört ebenfalls zur Prevent-Gruppe.

          Wie bei den deutschen Unternehmen war Keiper erst im Januar 2015 von der Gruppe übernommen worden – und kurz darauf begannen die Probleme. Die brasilianische Presse hat darüber damals groß berichtet. Prevent-Mitgesellschafter Kenan Hastor ist auch Geschäftsführer Tahoe Investors GmbH, die in diesem Jahr in den Küchenhersteller Alno investiert hat.

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