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Volkswagen : „Wir haben es total verbockt“

VW-Amerika-Chef entschuldigt sich: „Wir haben es verbockt“ Bild: dpa

Der Amerika-Chef von Volkswagen gibt sich bei der Vorstellung des neuen Passat zerknirscht. Er verspricht angesichts der Abgasaffäre: „Wir werden bezahlen, was wir zu bezahlen haben.“

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          Man kann wohl davon ausgehen, dass Michael Horn am Montagabend lieber nicht auf der Bühne in New York gestanden hätte. „Wir hätten die Veranstaltung ausfallen lassen können,“ gab der Amerika-Chef des Volkswagen-Konzerns vor spektakulärer Kulisse mit Blick auf die Skyline von Manhattan selbst zu. Aber Volkswagen habe das Bedürfnis gehabt, sich zu erklären. Und schließlich habe man ja auch etwas Tolles zu zeigen, nämlich eine überarbeitete Version des Passat. Also: The show must go on! Wenn auch nicht ganz in der ursprünglichen Form. Denn VW-Markenvorstand Herbert Diess, der zunächst auch erwartet wurde, hatte seine Teilnahme abgesagt.

          VW-Amerika-Chef Michael Horn bei der Präsentation des neuen Passat in New York
          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hinter VW lag zu diesem Zeitpunkt ein turbulenter Tag. Die Affäre um Abgasmanipulationen in den Vereinigten Staaten hat den Aktienkurs des Konzerns um 19 Prozent abstürzen lassen. Und die Angelegenheit erreichte die höchsten politischen Ebenen in Amerika, was Übles für das Unternehmen erwarten lässt. Ein Sprecher des Weißen Hauses äußerte sich am Montag „ziemlich besorgt“ von der Angelegenheit. Das Justizministerium hat Medienberichten zufolge strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Und ein Ausschuss des amerikanischen Kongresses kündigte eine Anhörung zum VW-Skandal „in den kommenden Wochen“ an. „Das amerikanische Volk verdient Antworten und Zusicherungen, dass dies nicht wieder passiert.“ Es ist der gleiche Ausschuss, vor dem auch Mary Barra, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Autokonzerns General Motors, im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit einer Rückrufaffäre aussagte. Das wirft die Frage auf, ob womöglich auch Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn bald nach Washington reisen wird, um Politikern Rede und Antwort zu stehen.

          Absatzzahlen schrumpfen seit Jahren

          Michael Horn kam ohne Umschweife auf den Skandal zu sprechen, kaum dass er die Bühne betreten hatte, und er gab sich angemessen zerknirscht: „Lasst es uns deutlich sagen: Unser Unternehmen war unehrlich.“ Und dann nochmal etwas flapsiger: „We totally screwed up“ – „Wir haben es total verbockt“. Dieses Verhalten sei „völlig inkonsistent“ mit den „Kernwerten“ des Unternehmens. „Es geht total gegen das, woran wie glauben.“ Was freilich die Frage aufwirft, wie die von VW eingestandenen Manipulationen von Emissionstests per ausgefeilter Software im Konzern zugelassen werden konnten. Und auch, wie das in seinem amerikanischen Revier geschehen konnte, für das er seit Anfang vergangenen Jahres verantwortlich ist.

          Horn beteuerte, wie wichtig der amerikanische Markt für VW sei. Mit seinen 650 Händlern, 30.000 Mitarbeitern und Millionen von Kunden. Schon vor dem Skandal hatte der Konzern hier schwer zu kämpfen. Die Absatzzahlen schrumpfen seit mehreren Jahren, der Marktanteil liegt bei kaum mehr als 2 Prozent. Das Ziel, bis zum Jahr 2018 eine Absatzmenge von 800.000 Autos zu erreichen, liegt in weiter Ferne. Die Abgasaffäre lässt es fast unmöglich erscheinen.

          Seine Rede las der Amerika-Chef vom Teleprompter ab. Aber am Ende wich er dann doch einmal kurz vom Skript ab, um dem Ganzen eine persönliche Note zu geben. Er erzählte, wie er mit 18 Jahren seinen ersten Golf hatte. Dass er nach Amerika zum Studieren kam und seit 25 Jahren bei VW arbeitet. Er versprach, dass VW alles daran setzen werde, die Dinge wieder gut zu machen. Und er deutete an, dass das auch für den finanziellen Aspekt des Skandals gilt: „Wir werden bezahlen, was wir zu bezahlen haben.“

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          Ein Auto gab es auch noch zu sehen. „Und jetzt zeige ich Ihnen den VW Passat“, sagte Horn und ließ die aufgefrischte Version der VW-Limousine auf die Bühne fahren, die im amerikanischen Werk in Chattanooga hergestellt wird. „Gebaut von Amerikanern in Amerika für Amerikaner“, schwärmte der Manager. Er zählte technische Details auf, für die sich das Publikum aber kaum zu interessieren schien, denn in der Halle wurde es immer lauter.

          Am Ende seines Auftritts blieb Horn immerhin noch eine angenehme Aufgabe. Er kündigte den Rockstar Lenny Kravitz an, der für den Unterhaltungsteil des Abends engagiert war. Danach war Horn erlöst und verschwand schnell von der Bühne. Fragen wollte er nicht beantworten. Kravitz sang bezeichnenderweise seinen Hit „It ain’t over till it’s over“. In diesen Titel konnte man an diesem Tag viel hineininterpretieren.

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