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Volkswagen : Wer wird Piëch-Nachfolger?

Bild: dpa

Im Volkswagen-Konzern gerät das gesamte Machtgefüge in Bewegung. Die wichtigste Frage: Wer folgt Piëch als Aufsichtsratschef? Ein Name fällt, der immer genannt wird in solchen Situationen.

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          Mit dem Rücktritt von Firmenpatriarch Ferdinand Piëch kommt im Volkswagen-Konzern das gesamte Machtgefüge an der Spitze in Bewegung. Die zentrale Personalie bleibt dabei, wer Piëch als Aufsichtsratschef folgen wird und damit über die langfristigen Strategien des Unternehmens wachen wird. Denn auch nach seiner Niederlage im Machtkampf mit VW-Vorstandschef Martin Winterkorn ist Piëch im Konzern nicht ohne Einfluss. Er hält rund 13 Prozent der Stammaktien der Porsche Automobil Holding SE (PSE), die wiederum 50,7 Prozent an den Stammaktien von VW hält. Wie aus seinem Umfeld zu hören ist, wäre Piëchs Cousin Wolfgang Porsche bereit, den Vorsitz des Aufsichtsrats bei Volkswagen zu übernehmen. Er dränge sich nicht auf, würde aber für eine Übergangszeit antreten, wenn er gefragt wird, hieß es. Zu hören ist aber auch, Piëch wolle dies genauso verhindern wie die Berufung des aktuellenVolkswagen-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn in das Amt des Aufsichtsratschefs.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Carsten Knop
          Herausgeber.
          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Seit dem Rückzug Piëchs aus der Konzernspitze am Samstag leitet der frühere Vorsitzende der IG Metall Berthold Huber den Aufsichtsrat kommissarisch. „Er hat dabei die ausdrückliche Unterstützung der Anteilseigner“, hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nach dem Sturz Piëchs durch das Aufsichtsratspräsidium gesagt. Huber leitet auch die nächste Hauptversammlung des Konzerns am 5. Mai in Hannover.

          „Volkswagen steht vor einem grundlegenden Wandel - und der ist auch bitter nötig“, sagte Arndt Ellinghorst vom Analysehaus International Strategy & Investment in London. Der VW-Fachmann empfahl, der Aufsichtsrat sollte jetzt einen externen Kandidaten als Nachfolger von Piëch finden. Der frühere Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle sei ein geeigneter Kandidat, sagte er - und diese Ansicht teilten am Beginn der Woche zahlreiche Beobachter in der Branche. „Der Abgang von Piëch ist eine Chance, um endlich den frischen Wind in den Konzern zu bringen, den Piëch offensichtlich selbst für notwendig hielt.“

          Wolfgang Reitzle
          Wolfgang Reitzle : Bild: dpa

          Neben dem Aufsichtsratschef müssen die Familien Porsche und Piëch auch den Platz im Aufsichtsrat neu besetzen, der früher von Piëchs Ehefrau Ursula eingenommen wurde. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Mann ihren Rückzug erklärt. Das Vorschlagsrecht haben die Eigner und damit vor allem die beiden Familien Piëch und Porsche als Mehrheitsaktionäre. Nach dem verlorenen Machtkampf um die Führung bei VW hat Piëch als Aufsichtsrat der Porsche SE weiterhin großen Einfluss. Den würde er nur verlieren, wenn er sich jetzt von seinen Beteiligungen trennt und dem Unternehmen ganz den Rücken kehrt. Hinweise, dass er das wirklich tun wird, gibt es bislang allerdings nicht.

          Führungsstreit : Piëch gibt Ämter bei Volkswagen auf

          Die zerstrittenen Familien haben vertraglich ein gemeinsames Vorgehen im Aufsichtsrat vereinbart - sich in den vergangenen Wochen aber nicht daran gehalten. Jetzt müssten sie zunächst zwei neue Mitglieder für das Gremium benennen; es ist aber völlig offen, ob sie sich darauf auch einigen können. Gelingt das nicht, wäre es auch möglich, die beiden Namen ohne den Einfluss von Ferdinand Piëch und seiner Frau zu bestimmen. Dann könnte sogar der Vorstand um Winterkorn Ersatzmitglieder vorschlagen, die dann vom Gericht bestätigt werden müssten.

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