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Volkswagen und Porsche : Und immer wieder: Ferdinand gegen Wendelin

Ferdinand gegen Wendelin: Eskaliert jetzt der Machtkampf? Bild: ddp

Die Familien Porsche und Piëch zimmern eine gigantische Automobilallianz aus Porsche, VW, Scania - und vielleicht noch MAN. Hinter den Kulissen menschelt es aber gewaltig. Böse Zungen spekulieren gar, Piëch wolle den Emporkömmling Wiedeking absägen.

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          Jetzt ist Ferdinand Piëch am Ziel, denkt man: Er hat das Porsche-VW-Imperium nach seinem Geschmack geformt, und nun könnte in Ruhe an der gewinnträchtigen Fortentwicklung gearbeitet werden. Doch es bahnt sich schon wieder etwas an - kaum merklich, aber schon bestätigt. Die Nachricht kommt wie eine nüchterne Personalie daher: Ferdinand Piëch, 70 Jahre alt, zieht sich zurück aus dem Aufsichtsratspräsidium der Porsche Automobil Holding SE; jener noch neuen Holding in Stuttgart, unter der er seine unternehmerische Vision wahr gemacht hat. Diesen Platz überlässt er seinem 66 Jahre alten Bruder Hans Michel Piëch, dem Sprecher des Piëch-Clans.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Ferdinand Piëch wird doch nicht amtsmüde sein? Dann müsste konsequenterweise bald auch der Rückzug bei den Dax-Konzernen Volkswagen und MAN folgen, wo er jeweils Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. „Warten Sie ein paar Wochen, dann werden Sie es verstehen“, orakelte Ferdinand Piëch am Dienstag auf dem Genfer Autosalon. Und Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef von Porsche, riet den Journalisten: „Nehmen Sie das für bare Münze.“

          Piëch wird irgendetwas dafür bekommen

          Das klingt nach Kuhhandel: Piëch wird irgendetwas dafür bekommen, dass er sich bei der so wichtig gewordenen Porsche Automobil Holding SE aus dem wichtigsten Aufsichtsgremium zurückzieht. Diese Logik erschließt sich aus der Beobachtung der Familienstämme Porsche und Piëch: Da schenkt sich niemand etwas; der eine Clan dem anderen nicht und die Familienmitglieder untereinander nicht, schon weil sie - mittlerweile in der vierten Generation - höchst unterschiedliche Interessen haben. Nur scheinbar hat Ferdinand Piëch eine bedeutendere Rolle als alle anderen.

          Nur weil er durch öffentlichkeitswirksame Funktionen als Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns (seit 1993) und später als Aufsichtsratsvorsitzender (seit 2002) bekannt ist, wollen sich die übrigen Familienmitglieder nicht von Ferdinand Piëch vorschreiben lassen, was sie zu denken haben; zum Beispiel über Wendelin Wiedeking, der die Familien Porsche und Piëch zu Milliardären gemacht hat. Ferdinand Piëch sieht in dem erfolgreichen Porsche-Chef Wiedeking aber auch einen ernsthaften Konkurrenten um den Titel des Superstars. Die am Dienstag veröffentlichten Halbjahreszahlen von Porsche sind wieder ein Beleg dafür: Der Umsatz stieg in der Zeit um 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, der Gewinn um 44 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro - verbunden mit traumhaften Renditen.

          Ein familienfremder Manager mit einer großen Aufgabenliste

          Wiedeking begann bei Porsche im Jahr 1983 als Assistent des Produktionsvorstands. Er erwarb sich später Meriten als Sanierer des Autozulieferers Glyco. Als er 1991 wieder zu Porsche kam, wurde er selbst Produktionsvorstand und schon 1992 an die Spitze des schwer angeschlagenen Stuttgarter Sportwagenherstellers berufen, der inzwischen um die Existenz kämpfen musste.

          Wiedekings Autorität wurde damals in Frage gestellt, weil er „nur“ zum Vorstandssprecher berufen wurde und nicht zum Vorstandsvorsitzenden. Das war kurz nachdem Ferdinand Piëch selbst als VW-Chef designiert worden war. Damals waren die Rollen klar verteilt: Ferdinand Piëch war an der Spitze des größten europäischen Autokonzerns angelangt, mit dem er sich auch familiär verbunden sah - schließlich hatte sein Großvater Ferdinand Porsche dereinst in Stuttgart den ersten Prototyp eines Volkswagens gebaut. Zugleich war Ferdinand Porsche Miteigentümer der Porsche Holding Salzburg, jenes großen VW-Händlers, den seine Mutter Louise Piëch aufgebaut hatte. Und er war beteiligt an Porsche in Stuttgart. Was war Wendelin Wiedeking dagegen? Nichts als ein familienfremder Manager mit einer großen Aufgabenliste.

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