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Elektroautos : VW richtet sich immer stärker nach Ostasien aus

Volkswagen präsentierte die Plattform eines Elektroautos auf der Hannover Messe. Bild: dpa

Der größte Autohersteller der Welt prüft eine Batteriezellenfabrik mit einem koreanischem Partner. Und das ist noch nicht alles.

          3 Min.

          Volkswagen-Chef Herbert Diess richtet den Wolfsburger Autokonzern immer stärker nach Ostasien aus, um die Zukunft des Unternehmens mit der Wende zur Elektromobilität abzusichern. Wie die F.A.Z. aus Unternehmenskreisen erfuhr, will VW sich noch stärker in China engagieren und sondiere deswegen den Kauf eines größeren Anteils an seinem chinesischen Elektroauto-Partner JAC. Ziel sei es, eine wesentliche Beteiligung von den JAC-Hauptanteilseignern zu erwerben, hieß es.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Volkswagen und JAC hatten schon im Herbst 2016 eine Grundsatzvereinbarung über die gemeinsame Entwicklung rein elektrisch betriebener Autos in China unterzeichnet. JAC ist in China einer der größten Hersteller von Elektroautos.

          Allerdings sei eine mögliche Beteiligung von VW noch in einem frühen Stadium, hieß es. Nach Berichten der Agentur Reuters ist zur Prüfung der Pläne aber mittlerweile die Bank Goldman Sachs herangezogen worden. VW teilte offiziell auf Anfrage nur mit, dass mit allen Beteiligten alle möglichen Optionen untersucht würden, um den langfristigen Erfolg in China zu sichern.

          Gleichzeitig bestätigte der südkoreanische Chemiekonzern SK Innovation erstmals Gespräche mit Volkswagen über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Bau einer Batteriefabrik für Elektroautos. SK ist einer von vier Batterie-Lieferanten von VW.

          Diess drängt auf eigene Zellproduktion

          Der Wolfsburger Konzern hatte SKI neben den ebenfalls koreanischen Zulieferern LG Chem und Samsung sowie CATL aus China erst im November des vergangenen Jahres als neuen Batteriezell-Lieferanten benannt. Wenn VW-Chef Herbert Diess sein Ziel erreichen will, bis zum Jahr 2025 die Nummer eins in der Elektromobilität zu werden, brauche VW für die Ausstattung seiner E-Flotte mit Lithium-Ionen-Batterien bis 2025 eine Batteriekapazität von mehr als 150 Gigawattstunden im Jahr – das entspreche der Jahreskapazität von mindestens vier Gigafabriken für Batteriezellen, heißt es in Wolfsburg. Während sich VW und SK offenbar grundsätzlich über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens einig zu sein scheinen, soll es bei anderen koreanischen Herstellern wie LG Chem Widerstand dagegen geben – sie wollen VW offenbar langfristiger an sich binden.

          Volkswagen setzt für den Aufbau einer Produktion von Batteriezellen für Elektroautos in Europa parallel auch auf den schwedischen Batteriehersteller Northvolt. Unter Führung der beiden Unternehmen soll sich das neue Konsortium unter dem Namen European Battery Union auf die gesamte Wertschöpfungskette der Batterie konzentrieren – von Rohstoffen über die Zelltechnologie bis hin zum Recycling, hatte Volkswagen erst im März mitgeteilt.

          VW-Chef Diess drängt seit Jahren darauf, in Europa eine eigene Batteriezellproduktion aufzubauen, da die Batterie beim Elektroauto einen Großteil der Wertschöpfung ausmacht. Der Wolfsburger Konzern forciert den Einstieg in die Elektromobilität stärker als seine Wettbewerber, um die schärferen EU-Klimavorgaben vom Jahr 2020 an erfüllen zu können. Volkswagen will die Produktion batterie-getriebener Fahrzeuge bis 2025 auf drei Millionen Stück im Jahr hochfahren. Für die Lieferung der nötigen Batteriezellen hat der Konzern Vereinbarungen mit Zulieferern aus Südkorea und China geschlossen, die den Markt beherrschen.

          Ein verstärktes Engagement von VW beim chinesischen Autohersteller JAC wird in Wolfsburg geprüft, nachdem die Regierung in Peking die Beteiligungsregeln für ausländische Autounternehmen gelockert hatte, die bislang nicht die Kontrolle bei chinesischen Autokonzernen oder Gemeinschaftsunternehmen im Land ausüben durften. Diese Obergrenze wurde im vergangenen Jahr für Konzerne gestrichen, die rein elektrische sowie aufladbare Hybridfahrzeuge produzieren.

          Bisher hält VW keine Anteile an JAC Motor. Es könne angesichts der staatlichen Rückendeckung von JAC durchaus ein strategisch sinnvoller Schritt für VW sein, stärkere Bande zu einem weiteren Partner im Land zu knüpfen, kommentierte Analyst Arndt Ellinghorst vom Londoner Analysehaus Evercore ISI die Pläne.

          JAC hat derzeit einen Börsenwert von 12,7 Milliarden Yuan oder umgerechnet 1,7 Milliarden Euro. Der Aktienkurs des chinesischen Autobauers sprang am Mittwoch um zehn Prozent nach oben und erreichte damit die in China zulässige Obergrenze für Kursgewinne an einem Tag.

          Die Wolfsburger sind schon seit Jahrzehnten in der Volksrepublik tätig und lieferten vergangenes Jahr 4,21 Millionen Fahrzeuge in China und Hongkong aus – das sind rund 40 Prozent der auf der ganzen Welt ausgelieferten Autos. Die Marke VW verkauft sogar jedes zweite Fahrzeug auf dem chinesischen Markt. Außer mit JAC betreibt VW noch Gemeinschaftsunternehmen mit den beiden großen chinesischen Autoherstellern FAW und SAIC. VW hat bei seiner Elektroauto-Offensive vor allem China im Blick, weil das Land die Wende zur Elektromobilität massiv vorantreibt.

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