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Machtkampf im Konzern : VW-Präsidium soll über Vorstandschef Diess beraten

  • -Aktualisiert am

VW-Chef Herbert Diess im Sommer bei der Volkswagen-Hauptversammlung. Bild: dpa

Kann Herbert Diess bleiben oder muss er gehen? Mehrmals hat der interne Vermittlungsausschuss über den Streit zwischen dem VW-Betriebsrat und dem Top-Manager beraten. Jetzt wird das nächsthöhere Gremium eingeschaltet.

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          Im Streit um die Zukunft von Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess rückt eine Entscheidung näher. Nach Informationen der F.A.Z. kommt am morgigen Dienstag das Präsidium des Aufsichtsrats zusammen, um darüber zu beraten, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen eine weitere Zusammenarbeit mit dem Manager möglich ist. Für VW drängt die Zeit, denn am 9. Dezember will der Aufsichtsrat über Milliarden-Investitionen und die Belegung der Werke für die nächsten Jahre entscheiden. Das ist nicht möglich, ohne bis dahin die Führungsfrage im Konzern geklärt zu haben.

          Das Vertrauensverhältnis zwischen Diess und den Gewerkschaftern im Aufsichtsrat ist gestört, nachdem der VW-Chef in internen Sitzungen „viel mehr Tempo“ der Kernmarke in der Transformation gefordert und bis zu 30.000 Stellen auf den Prüfstand gestellt hatte. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte sich verärgert.

          Zuletzt waren allerdings kompromissbereitere Töne zu hören. Die Forderung „Diess muss weg“, gebe es nicht, hieß es aus dem Gewerkschaftslager, insbesondere, nachdem sich einige Fragen rund um die zukünftige Belegung des Wolfsburger Stammwerks zu klären schienen. Gleichwohl ist die Position von Diess noch nicht gesichert. Die Gewerkschaften und das Land Niedersachsen als Miteigner von VW sorgen sich, dass der Vorstandschef mit seinem teils als provozierend empfundenen Führungsstil weiter für Unruhe sorgt, und das in einer Zeit, in der Ministerpräsident Weil auf eine Landtagswahl zusteuert. Auch die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo muss sich im nächsten Jahr auf der Betriebsratswahl einem Votum der Belegschaft stellen.

          Vorentscheidung in dieser Woche

          Zuletzt hatte der interne Vermittlungsausschuss mehrmals über die Personalie Diess beraten, ohne das konkrete Ergebnisse bekannt geworden waren. Nach Informationen der F.A.Z. hat es am Freitag ein weiteres Treffen des Vermittlungsausschusses gegeben. Mit dem Präsidium wird nun ein breiter gefasstes Gremium eingeschaltet, dessen Empfehlungen der Aufsichtsrat als Ganzes in der Regel folgt. Ob es auf dem Treffen am späten Dienstagnachmittag schon eine Entscheidung gibt, ist offen. Intern heißt es, man dürfe der Sitzung nicht zu viel Bedeutung beimessen, da noch eine Reihe anderer Treffen angesetzt seien. Allgemein wird aber erwartet, dass VW noch in der laufenden Woche eine Vorentscheidung über die Zukunft von Diess trifft.

          Wissen war nie wertvoller

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          Zum Präsidium des Aufsichtsrats gehören neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch und seinem Stellvertreter, dem Chef der IG Metall, Jörg Hofmann, unter anderem die Betriebsratsvorsitzende Cavallo und die Vertreter der Aktionärsfamilien, Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche, außerdem Weil als Vertreter des Miteigners Niedersachsen.

          Wie die F.A.Z. schon am Wochenende berichtet hatte, zeichnete sich zuletzt eine Lösung ab, in der VW-Markenchef Ralf Brandstätter als großer Gewinner aus dieser neuen Runde des Wolfsburger Machtkampfs hervorgehen könnte. Demnach soll der unter den Arbeitnehmervertretern beliebte Brandstätter schon bald Mitglied des Konzernvorstands werden. Zudem wird Aufsichtsratskreisen zufolge überlegt, ihm dort die Zuständigkeit für die Volumengruppe des Konzerns zu geben - also die Verantwortung für die Volumenmarken VW, Skoda und Seat. Bislang war Diess dafür im Konzernvorstand verantwortlich.

          Andere Fragen sind ebenfalls geklärt oder stehen kurz vor einer Klärung, etwa zur künftigen Belegung des Wolfsburger Stammwerks. So soll dort eine eigene Fabrik für das neue E-Modell Trinity entstehen, das vom Jahr 2026 an als erstes teilautonom fahrendes Elektromodell vom Band rollen soll. Vorher dürfte schon eine Vormontage des Kompaktwagens ID.3 nach Wolfsburg überlaufen und dort die Auslastung verbessern, wenn am bisherigen Produktionsort Zwickau die Kapazitätsgrenze erreicht wird. Damit wäre eine wichtige Forderung Cavallos erfüllt. Ob das reicht, um die Wogen im Streit um Diess zu glätten, war am Montagnachmittag aber noch offen.

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