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Volkswagen-Machtkampf : Was kann Ferdinand Piëch nun tun?

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Martin Winterkorn (r.) ist nun erst einmal oben auf: Er hat sich gegen Volkswagenpatriarch Ferdinand Piech durchgesetzt. Bild: dpa

Ferdinand Piëch hat sich und seine Frau aus dem Volkswagen-Aufsichtsrat zurückgezogen. Zwei Nichten sollen nachrücken - er will sie nicht dort haben. Aber kann er etwas dagegen unternehmen?

          VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piëch gibt auch nach seiner Schlappe gegen Konzernchef Martin Winterkorn und seinem Rückzug auf dem Aufsichtsrat nicht auf im Machtkampf um Europas größten Autobauer: Er will nach einem Zeitungsbericht eigenen Kandidaten für das oberste Kontrollgremium ins Rennen. Es sollen Brigitte Ederer, ehemals im Vorstand von Siemens und heute Aufsichtsratsvorsitzende der Österreichischen Bundesbahnen, und Wolfgang Reitzle, ein früherer BMW-Vorstand und Linde-Chef sein.

          Nicht zufrieden ist er mit seinen beiden Nichten Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch, die von einem Gericht bestellt worden sind und nun erst einmal die beiden Plätze einnehmen werden, die zuvor Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula innehatten. Doch kann er die beiden Frauen verhindern?

          Nach dem deutschen Aktienrecht kann jeder Eigentümer, der Betriebsrat und das Unternehmen selbst einen Aufsichtsrat gerichtlich bestellen lassen, wenn ein Sitz in dem Gremium freigeworden ist. Piëch ist einer der wichtigsten Volkswagen-Eigner, zusammen mit der Familie Porsche hält er die Mehrheit an dem Unternehmen. Deswegen kann er natürlich eigene Kandidaten ins Rennen schicken.

          Eine außerordentliche HV?

          Zunächst hat ein Gericht aber erst einmal ziemlich freie Hand, wen es in die Gremien beruft. Für den Fall nämlich, dass ein Aufsichtsrat überraschend ausscheidet, weil er entweder unerwartet zurücktritt oder stirbt, gilt eine sogenannte Notbestellung: Das Gremium muss schnell wieder besetzt werden, damit das Unternehmen handlungsfähig bleibt. Der Volkswagen-Vorstand hat bei Gericht beantragt, Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch zu berufen, und das hat das Gericht getan.

          Es dürfte eher unwahrscheinlich sein, dass Piëch kurzfristig rechtlich dagegen vorgehen kann. Eine Möglichkeit für ihn besteht allerdings darin, auf einer Hauptversammlung eine Stimmenmehrheit für seine Kandidaten zu organisieren. Die nächste Volkswagen-Hauptversammlung findet schon in wenigen Tagen, am 5. Mai, statt - was ein weiterer Grund dafür sein dürfte, dass das Gericht nun schnell Nachfolgerinnen bestellt hat. Dort kann das Thema aber wohl nicht mehr rechtzeitig auf die Tagesordnung gesetzt werden.

          Ferdinand Piëch verfügt darüber hinaus allerdings wegen seines großen Anteils an Volkswagen auch über die Möglichkeit, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, auf der er seine Kandidaten durchzusetzen versuchen könnte. In jedem Fall müsste er aber wohl die Porsches von seinem Ansinnen überzeugen, weil er alleine keine Stimmrechtsmehrheit besitzt.

          Als Argument kann er vermutlich mit einigem Recht anführen, dass die beiden nun benannten Nachfolgerinnen nicht über die für diese Positionen nötige Erfahrung verfügen. Louise Kiesling (57) hat nach Informationen aus Familienkreisen nach Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet. Sie ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter befindet sich die Textilmanufaktur Backhausen GmbH (Hoheneich, Österreich).

          Die erst 34 Jahre alte Julia Kuhn-Piëch wohnt wie Großteile des Familien-Clans in Salzburg und ist Immobilienkauffrau. Sie übt bereits eine Aufsichtsratsfunktion bei der Volkswagen-Tochtergesellschaft MAN aus. Sie studierte Jura und anschließend an der Technischen Universität Wien Immobilien- und Liegenschaftsmanagement. Sie ist eine Tochter von Hans Michel Piëch, der bereits im Aufsichtsrat sitzt und Ferdinand Piëchs jüngerer Bruder ist.

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