https://www.faz.net/-gqe-9k42e

Solide Zahlen aus Wolfsburg : Volkswagen verkauft mehr als 10 Millionen Autos

Ungeachtet all der Turbulenzen in den vergangenen Jahren ist Volkswagen der größte Autohersteller der Welt geblieben. Bild: dpa

Die Zahlen für das vergangene Jahr sind gut. Dennoch mahnt VW-Konzernchef Diess „erhebliche Anstrengungen“ an – aus mehreren Gründen.

          Für den Volkswagen-Konzern ist das Geschäftsjahr 2018 trotz des Dieselskandals und der erheblichen Probleme bei der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP besser gelaufen als erwartet. Wie das Unternehmen nach einer Sitzung des Aufsichtsrats an diesem Freitag in Wolfsburg mitteilte, legten die Umsatzerlöse 2018 mit 235,8 Milliarden Euro um 6,3 Millionen Euro zu.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Diese Entwicklung wurde getragen von steigenden Verkäufen und zeichnete sich bereits vor einigen Wochen ab, nachdem die Marken des Wolfsburger Konzerns mit insgesamt 10,83 Millionen ausgelieferter Autos trotz einer zum Jahresende schwachen Nachfrage in China eine neue Allzeit-Bestmarke erzielt hatten. VW-Chef Herbert Diess sagte, „wir haben uns 2018 ordentlich geschlagen“.

          Der Gegenwind für Volkswagen in wichtigen Märkten dürfte seiner Ansicht nach in diesem Jahr allerdings nochmals stärker werden. Diess sprach im Zusammenhang mit den massiven Problemen von Volkswagen bei der Umstellung auf die neuen WLTP-Prüfverfahren von „erheblichen Verwerfungen“ 2018 beim Absatz.

          Der Volkswagen-Chef hofft, dem andauernden Gegenwind auf einigen Automärkten mit der von VW geplanten Offensive mit neuen Elektroautos etwas entgegenzusetzen. „Insgesamt werden aber erhebliche Anstrengungen notwendig sein, um auch im neuen Geschäftsjahr unsere ambitionierten Ziele zu erreichen“, sagte Diess.

          Wie bereits im Vorjahr schlugen auch 2018 die Kosten für die Bewältigung des Abgasskandals um manipulierte Dieselmotoren mit 3,2 Milliarden Euro zu Buche. Das operative Ergebnis verharrte damit mit 13,9 Milliarden Euro etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Netto-Liquidität im Konzernbereich Automobile blieb mit 19,4 Milliarden Euro vor dem Hintergrund der massiven Investitionen in die Wende zur Elektromobilität und die Digitalisierung weiterhin sehr solide. 2017 waren es 22, 4 Milliarden Euro gewesen.

          Die Aktionäre können sich über die guten Zahlen freuen: Vorstand und Aufsichtsrat schlugen der Hauptversammlung im Frühjahr eine Erhöhung der Dividende je Stammaktie von 3,90 auf 4,80 Euro und je Vorzugsaktie von 3,96 auf 4,86 Euro vor. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 13,7 auf 15,6 Milliarden Euro, das anteilige operative Ergebnis des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens lag mit 4,6 Milliarden Euro leicht unter dem des Vorjahres.

          „Unser operatives Geschäft hat sich abermals als widerstandsfähig erwiesen“, sagte Frank Witter, der Konzernvorstand für Finanzen und IT. „Mit dem Ergebnis können wir in Summe zufrieden sein.“ Auch wenn sich die Probleme bei der Umstellung auf den  neuen Prüfzyklus WLTP, weswegen das Unternehmen im Herbst erhebliche Rückgänge bei den Auslieferungen hatte, und Währungseffekte negativ bemerkbar machten, hat Volkswagen wegen des deutlich steigenden Anteils von SUV auch positive Entwicklungen beim Umsatz gehabt.

          Zudem liefen die Geschäfte in Südamerika, Asien und auch in Europa gut. Und doch: „Der laufende Umbau des Konzerns im Zusammenhang mit der Elektrifizierung und Digitalisierung der Flotte erfordert auch in 2019 große Ausgabendisziplin“, sagte Finanzvorstand Witter.

          VW investiert Milliarden in die Wende zur Elektromobilität und will von 2020 an seine unter dem Namen I.D. angekündigte neue Modellreihe reiner Elektroautos mit massivem Druck auf den Markt bringen. Um die dafür notwendigen Investitionen stemmen zu können, hat Diess den Marken des Konzerns ein striktes Effizienz- und Sparprogramm verordnet. So soll auch die Kernmarke VW das ursprünglich für 2025 in Aussicht gestellte operative Renditeziel von mindestens 6 Prozent bereits drei Jahre früher erreichen.

          Beim Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gaben sich die Wolfsburger optimistisch. Volkswagen gehe davon aus, dass die Auslieferungen an Kunden trotz der – wie es hieß – „weiterhin herausfordernden Marktbedingungen“ die Werte von 2018 abermals leicht übertreffen werden. Bei den Umsatzerlösen erwartet VW ein Plus von bis zu 5 Prozent.

          Die operative Rendite soll wieder in einem Korridor zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen. Auch die Kosten für die Bewältigung des Dieselskandals dürften das Ergebnis in diesem Jahr das Ergebnis trüben. „Liquiditätsabflüsse infolge der Dieselkrise werden den Cash-Flow auch in 2019 belasten“, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Sie würden „aber nach dem derzeitigen Stand deutlich geringer ausfallen“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahlen in den Niederlanden : Das Potential der Rechtspopulisten

          Zwei sehr unterschiedliche Politiker versprechen den Niederländern ein Ende der Einwanderung und einen Austritt aus der EU. Baudet und Wilders sind Konkurrenten. Aber sie schöpfen aus einem großen Wählerreservoir.
          In den vergangenen Jahren erreichten immer mehr Menschen unterschiedlicher Schichten höhere Bildungsabschlüsse. Wird sich dies ändern? (Symbolbild)

          Modernisierung : Das absehbare Ende des Aufstiegs

          Gesellschaftliche Modernisierung und die Zunahme der höheren Bildung gehen Hand in Hand. Für die unteren Schichten ging es jahrzehntelang nach oben. Damit könnte irgendwann Schluss sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.