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VW-Betriebsversammlung : Volkswagen kündigt Personalabbau an

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh spricht im Stammwerk Wolfsburg zu den Mitarbeitern. Bild: dpa

Der VW-Konzern steht vor einem tiefgreifenden Umbau. An Stellenstreichungen führt kein Weg mehr vorbei. Gerade in Sachen E-Mobilität fallen in Wolfsburg dennoch markige Worte.

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          Mehr als vier Stunden dauerte die Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk. Und am Ende dürfte den meisten VW-Mitarbeitern, die zu dem Belegschaftstreffen in Halle 11 gekommen waren, nicht besonders wohl gewesen sein. Zwar gaben sich Management und Betriebsrat wie in der Vergangenheit betont optimistisch und kämpferisch.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Doch zugleich wurde mehr als deutlich, dass sich in dem weltumspannenden VW-Reich vieles ändern wird. Der Dieselskandal, so viel steht inzwischen fest, zwingt Europas größten Autohersteller zum größten Umbau in seiner Geschichte.

          Spätestens nach der Rede von Personalvorstand Karlheinz Blessing blieben keine Zweifel, dass die Transformation schmerzhaft wird. „Wir haben ein hartes Fitnessprogramm vor uns“, sagte der Manager, der seit Januar im Konzernvorstand sitzt.

          Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben

          „Qualifizierung, neue Aufgaben, neue Arbeitsweisen - alles das kommt auf uns zu.“ Auch an Personalabbau, beispielsweise durch Altersteilzeit, führe kein Weg vorbei. Damit sprach Blessing zum ersten Mal klar aus, was seit langem vermutet wird: Der Zwölf-Marken-Konzern mit 610.000 Beschäftigten in aller Welt muss Stellen streichen, um die Kosten zu senken.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen
          Volkswagen-Chronik : Vom sauberen Auto zum schmutzigen Skandal Bild: AFP

          Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. VW werde die „Baby-Boomer-Jahrgänge“ für die Transformation des Unternehmens nutzen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Das bedeutet: Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre in den Ruhestand gehen, werden wohl viele Stellen nicht nachbesetzt.

          Kollegen, die noch mitten im Berufsleben stünden, bräuchten sich um ihre Arbeitsplätze nicht zu sorgen, sagte Osterloh: „Die Jobs der Stammbelegschaft sind sicher.“ Wie viele Stellen über die natürliche Fluktuation abgebaut würden, sagte er nicht.

          Ziel: Marktführerschaft in der E-Mobilität

          Eine gewisse Klarheit soll es im Herbst geben, wenn der Zukunftspakt für die wichtige Kernmarke VW steht. In dem Abkommen, das zu einem bindenden Tarifvertrag werden soll, wollen Management und Betriebsrat die zukünftigen Schwerpunkte der VW-Werke und die Pläne zur Beschäftigungssicherung festschreiben.

          „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Verhandlungen zum Zukunftspakt in den nächsten Wochen zu einem Abschluss bringen können“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Marke VW, Herbert Diess.

          Dabei gehe es nicht nur um Einsparungen, sondern auch um konkrete Vorwärtsstrategien, vor allem im Geschäft mit Elektroautos: „Unser strategisches Ziel ist nichts weniger als die Marktführerschaft in der E-Mobilität.“ Der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns, Matthias Müller, sagte, das Unternehmen mache bei der Bewältigung des Abgasskandals große Fortschritte.

          Mitarbeiter sollen kritische Themen offen ansprechen

          Lange sei VW von den Ereignissen getrieben gewesen, doch mittlerweile bekomme das Management „das Heft des Handelns immer mehr in die Hand“. Der Rückruf von manipulierten Dieselwagen, komme voran. Das Kraftfahrtbundesamt habe inzwischen für rund 60 Prozent der betroffenen Fahrzeuge in Europa die Umrüstung genehmigt.

          Zudem arbeite der Konzern intensiv daran, die Ursachen des Skandals aufzuklären. Die Ergebnisse der externen Untersuchung, die von der Kanzlei Jones Day geführt werden, könnten im Herbst vorliegen. Dann werde VW auch seine „Strategie 2025“ präsentieren, die die künftige Ausrichtung der gesamten VW-Gruppe skizzieren soll.

          Christine Hohmann-Dennhardt, seit Januar Konzernvorstand für Integrität und Recht, warb auf der Betriebsversammlung für eine neue Unternehmenskultur. Mitarbeiter sollten in Zukunft kritische Themen offen ansprechen und nicht unter den Teppich kehren.

          „Integres Handeln ist die Basis für jedes moderne, transparente und erfolgreiche Unternehmen“, sagte sie. Jeder Beschäftigte trage eine Mitverantwortung für die Neuausrichtung von VW. Um Fehlentwicklungen früh zu erkennen, will sie unter anderem die internen Systeme für anonyme Hinweisgeber (Whisteblower) verbessern.

          Gericht: Audi-Händler muss manipulierte Autos zurücknehmen

          Zwei Autokäufer dürfen im Zuge des Abgasskandals ihre beiden Audi-Modelle zurückgeben. Das hat am Mittwoch das Landgericht Krefeld entschieden (A.: 2 O 72/16 und 2 O 83/16). Die Zweite Zivilkammer unter dem Vorsitzenden Richter Elmar Streyl verurteilte einen städtischen Autohändler dazu, die Audis mit „Schummel-Software“ zurückzunehmen und im Gegenzug den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer an die Kläger zurückzuzahlen.

          Obwohl der Volkswagen-Konzern inzwischen angekündigt hat, die betroffenen Fahrzeuge erfolgreich nachrüsten zu können, bleibe ein „berechtigter Mangelverdacht“, urteilte das Gericht. Der Zweifel an einer erfolgreichen Nachrüstung gründe unter anderem darauf, dass günstige Stickoxidwerte bekanntermaßen technisch in einem „Zielkonflikt“ mit geringen Kohlendioxidwerten stünden.

          Kunden müssten nicht hinnehmen, wenn Verbesserungen der Stickoxidwerte möglicherweise durch andere Mängel wie höhere Kohlendioxidwerte erkauft werden. Das Gericht argumentierte außerdem, dass zum Zeitpunkt des Rücktritts der beiden Kunden vom Kaufvertrag Anfang 2016 noch gar nicht klar gewesen sei, ob und wann das Kraftfahrt-Bundesamt die Nachrüstungs-Software für die betroffenen Autos freigeben würde.

          Audi kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen. „Das Urteil ist in der Sache nicht zutreffend“, sagte eine Unternehmenssprecherin dieser Zeitung und verwies auf den Umstand, dass das Gericht es als „nicht erforderlich angesehen“ habe, ein technisches Gutachten einzuholen.

          In ähnlichen Fällen hatten mehrere Gerichte bisher die Rücknahmeklagen von Kunden abgewiesen. Das Landgericht Bochum hatte dies beispielsweise in einer der ersten Klagen in Deutschland damit begründet, dass der Mangel nicht „erheblich“ sei, weil die Nachbesserung unter eine Bagatellgrenze falle.

          hpe.

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