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Volkswagen-Kommentar : VW wie in alten Zeiten

  • -Aktualisiert am

Herbert Diess übernimmt das Ruder – was hat er dafür dem mächtigen Betriebsrat angeboten? Bild: dpa

Volkswagen setzt den Vorstandsvorsitzenden Müller ohne Vorwarnung vor die Tür. Die spannende Frage lautet nun: Womit lockte der neue Chef die Arbeitnehmervertreter auf seine Seite? Ein Verdacht erhebt sich.

          Der nächste Paukenschlag bei Volkswagen: Der Vorstandsvorsitzende Müller wird ohne Vorwarnung vor die Tür gesetzt. Neuer Konzernchef wird Herbert Diess, der seit Monaten auf jede erdenkliche Weise an Müllers Stuhl sägt.

          Auch das sagt viel über die Zustände beim größten Autohersteller der Welt, über den neben den beiden Eigentümerfamilien Porsche und Piëch maßgeblich Politiker und Betriebsräte bestimmen. Die Manager sind in dem oft undurchsichtigen Spiel der Wolfsburger Mächte in aller Regel weniger Treiber als Getriebene.

          Diess erfüllt dem traditionell besonders mächtigen VW-Betriebsratsvorsitzenden Osterloh offenbar den Wunsch, die Strukturen aus vergangen geglaubten Zeiten wieder einzuführen, als die Unternehmensleitung und die Markenführung von VW in den Händen eines Mannes lagen, dem früheren Konzernchef Winterkorn. Der stürzte über den Abgasbetrug und genießt heute eine VW-Rente in Höhe von mehr als 3000 Euro am Tag.

          Was bekommt der Betriebsrat dafür?

          Man muss Müller keine Träne nachweinen, für dessen Altersabsicherung ebenfalls gesorgt ist und der im Dieselskandal oft ungeschickt agierte. Er verärgerte die gesamte Branche mit einer Kehrtwende, als er die niedrigere Steuer auf Diesel in Subventionen für Elektroautos umlenken wollte. Und er brachte die Öffentlichkeit und wahrscheinlich auch die Kapitalseite im VW-Aufsichtsrat gegen sich auf, als er sein Gehaltslimit in Höhe von zehn Millionen Euro im Jahr mit den Zuständen in der DDR verglich.

          Aber man kann Müller nicht absprechen, den wankenden Konzern gradlinig auf die Erfolgsspur zurückgeführt zu haben. Das Unternehmen steht wieder glänzend da, die Marke VW hat den Dieselskandal verdaut und vermeldet Gewinnrekorde, was auch ein Verdienst von Diess ist.

          Womit aber hat der neue Chef die Arbeitnehmervertreter auf seine Seite gelockt? Vom besonders effizienten Autobauer BMW nach Wolfsburg gewechselt, galt Diess unter VW-Arbeitern vor allem als Kostensenker. Mit welchem Deal hat er nun den Betriebsrat von sich überzeugt?

          Raunend ist in Wolfsburg von faulen Kompromissen und weiteren Personalien die Rede, die allerdings erst am Freitag spruchreif sein sollen. Das lädt zur Spekulation ein, und man erinnert sich an das letzte Interview mit Winterkorn, als er dieser Zeitung sagte, er wolle Osterloh zum Personalvorstand machen.

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