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Ferdinand Piëchs Bruder : Hans Michel Piëch wird starker Mann bei VW

Wolfgang Porsche (links) und Hans Michel Piëch Bild: Marc Haader

Der jüngere Bruder von Ferdinand Piëch übernimmt den Großteil von dessen Anteilen. So sichert er seiner Familie die Sperrminorität. Wer ist der neue starke Mann im Konzern?

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          Der Volkswagen-Konzern hat einen neuen starken Mann: Hans Michel Piëch, der jüngere Bruder des einstigen Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch, wird nach dessen Rückzug eine wichtigere Rolle in der Familie und im größten Autokonzern der Welt spielen. Der 75 Jahre alte Jurist hat den größten Teil der 14,7 Prozent seines Bruders an der Porsche SE übernommen und verfügt damit künftig über die Sperrminorität von 25,1 Prozent an der Porsche SE. Diese Holding ist mit rund 52 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien Mehrheitseigentümer des Konzerns. „Das war eine gemeinsame Entscheidung der Familien Porsche und Piëch“, sagte Hans Michel Piëch der F.A.Z.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Bei den Gesprächen in der Eigentümerfamilie über die Ära nach Ferdinand Piëch ist es demnach darum gegangen, die Struktur zu erhalten, die keinem Familienstamm ein dominierendes Übergewicht gibt. Bislang hielten Ferdinand und Hans Michel mit je 14,7 Prozent, insgesamt also 29,4 Prozent, gemeinsam diese Sperrminorität. Die Aktien, die künftig nicht für die Sperrminorität von Hans Michel Piëch notwendig sind, also rund 4,3 Prozent, sind innerhalb der Familie weitergereicht worden. Der Wert der von Ferdinand Piëch gehaltenen Anteile wird auf 1,15 Milliarden Euro geschätzt, auf den er entsprechend eines Konsortialvertrages 20 Prozent Preisabschlag hinnehmen muss.

          Hans Michel Piëch, der bislang in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend aufgetreten ist, wird damit jetzt an der Seite Wolfgang Porsches bei Volkswagen stärker ins Rampenlicht rücken. Beide gehören für die Eigentümerfamilien auch dem Aufsichtsrat von Volkswagen an und galten bisher schon als Sprecher der jeweiligen Familienstämme. Wolfgang Porsche räumte im Gespräch mit dieser Zeitung ein, dass die Familien „in früherer Zeit manchmal kritisch miteinander umgegangen sind.“ Vor allem seit dem Machtkampf Ferdinand Piëchs mit dem damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn im April 2015 galt das Verhältnis der beiden Cousins als zerrüttet. Der neue Porsche-Großaktionär Hans Michel Piëch, der eine Anwaltskanzlei in Wien betreibt, hat in der Familie immer wieder die Rolle des Vermittlers eingenommen.

          „In wichtigen Fragen haben wir immer klare Entscheidungen getroffen“

          Porsche sagte im Gespräch mit der F.A.Z.: „In wichtigen Fragen haben wir immer klare Entscheidungen getroffen. Gemeinsam – das ist wichtig.“ Auch ihm war daran gelegen, dass die Eigentümer- und damit die Machtstruktur in der Porsche SE nach dem Ausstieg Ferdinand Piëchs erhalten bleibt. Eine einheitliche Linie der Familien zu finden, dürfte den Porsches und den Piëchs nach dem Ausscheiden von Ferdinand Piëch, der als Vorstands- und später als Ausichtsratsvorsitzender bis zu seinem erzwungenen Rücktritt 2015 die Geschicke von Volkswagen bestimmte, nicht mehr so schwer fallen. Ferdinand Piëch hatte sich nach monatelangem Streit Anfang der Woche mit den anderen Mitgliedern des Eigentümerclans geeinigt, „den wesentlichen Anteil“ seiner Anteile an der Porsche SE an seinen Bruder zu übertragen.

          Die Mitglieder des Porsche-Stamms haben ihre Anteile an der Porsche SE bereits länger schon in einer Ferdinand Porsche Familien-Privat-Stiftung gebündelt, die 51,7 Prozent der Anteile hält. Auch Ferdinand Piëchs Nichte Louise Kiesling, die nach dem Rückzug des Firmenpatriarchen aus dem Aufsichtsrat von Volkswagen im April 2015 als dessen Nachfolgerin in das oberste Kontrollgremium des Automobilunternehmens aufrückte, hat ihre Anteile in diese Stiftung eingebracht. Auch deswegen war es jetzt offensichtlich so wichtig, dass Hans Michel Piëch mit seiner Familie die Sperrminorität von 25,1 Prozent an der Porsche SE hält.

          Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche bleiben damit als Sprecher ihrer Familienstämme und als Aufsichtsräte in der dritten Generation auch in Zukunft das Gesicht der Porsche-Dynastie in der Öffentlichkeit. Interessant dürfte sein, wer Ferdinand Piëch im Herbst im Aufsichtsrat der Porsche SE folgen wird. Piëch tritt zwar auf der Hauptversammlung der Porsche SE am 30. Mai noch einmal an, will sich dem Vernehmen nach aber zurückziehen, wenn die Übertragung seiner Anteile juristisch abgeschlossen ist. Die notwendige kartellrechtliche Prüfung dürfte bei einem Verkauf unter Geschwistern unproblematisch sein. Hans Michel Piëchs Tochter Julia Kuhn- Piëch dürfte zu denen gehören, die in der Familie und damit bei Volkswagen künftig eine größere Rolle spielen. Die 1981 geborene Immobilienkauffrau aus Salzburg war von ihrem Onkel Ferdinand bereits 2014 in den Aufsichtsrat der Sparte Truck & Bus der Volkswagen-Beteiligung MAN geholt worden und sich dort auch wegen ihres sozialen Engagements Anerkennung erworben. 2015 wurde sie an der Seite von Louise Kiesling in den Aufsichtsrat von Volkswagen gewählt, schied aber bald wieder aus, um Platz für den früheren VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zu machen, den die Eigentümerfamilien in den schweren Zeiten des Abgasskandals als neuen Aufsichtsratschef bei VW wollten.

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