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Volksbanken : Norisbank bringt Volksbanken gegen die DZ Bank auf

Der von der Norisbank vorgeschlagene Kundenabgleich, den die Volksbanken bezahlen sollen, bringt Volksbank-Vorstände fast auf die Barrikaden. Ob sich der Eigentümer DZ Bank an sein einst gegebenes Versprechen erinnert, daß Volksbanken Norisbank-Filialen kaufen dürfen, wird bezweifelt. Volksbank-Vorstände sehen die Norisbank vielmehr als Symbol für eine neue Konzernierungsstrategie der DZ Bank.

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          Die im Sommer durch die genossenschaftliche DZ Bank gekaufte Norisbank bringt mit ihrem Auftreten viele Aktionäre der DZ Bank, im wesentlichen Volksbanken und Raiffeisenbanken gegen sich auf. Fast einhellig teilen die Volksbank-Vorstände die Ansicht des Vorstandssprechers der Hannoverschen Volksbank, daß die 99 Zweigstellen der Norisbank ein ordnungspolitischer Sündenfall der Frankfurter DZ Bank seien. Denn mit ihnen macht die Zentralbank den Volksbanken direkte Konkurrenz und bricht mit der im Verbund vereinbarten Arbeitsteilung. Die Frage, ob eine Volksbank selbst Verbraucherkredite vergeben oder eben für die Norisbank vermitteln soll, wird differenzierter gesehen. Immerhin 550 der 1450 Volks- und Raiffeisenbanken haben inzwischen Partnerverträge mit dem Konsumentenfinanzierer Norisbank abgeschlossen. Aber mindestens vier der größten zehn Volksbanken in Deutschland, die Institute in Frankfurt, Mainz, Paderborn-Höxter und Hannover, lehnen eine Zusammenarbeit ab.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Art, wie das neue Mitglied im Finanzverbund es mit dem Kundenschutz hält, hat vor kurzem die Wellen hochschlagen lassen. So will die Norisbank Adressen kaufen, um neue Kunden zu werben. Damit sie nicht Kunden der Volksbanken anspreche und möglicherweise abwerbe, schrieb die Norisbank allen Volksbanken, sollten die Banken - selbstverständlich datenschutzrechtlich einwandfrei - ihren Kundenbestand offenlegen. Und das Abgleichen der Kundendaten für die Norisbank auch noch bezahlen. Dies sei mit dem Aufsichtsrat der DZ Bank sowie dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) abgestimmt, schrieb die Norisbank.

          Ihr Ansinnen verursachte einen Aufschrei im Finanzverbund. Die Volksbank Jever (Bilanzsumme: 600 Millionen Euro) zeigt sich in einem Brief an Christopher Pleister, den BVR-Präsidenten, entsetzt über "die rüde Art des Vorgehens". "Wir geben unsere Adressen nicht heraus. Das ist eine Frage des Vertrauens", sagt auch Hans-Werner Diehl, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank. Die drittgrößte Volksbank (Bilanzsumme: 4 Milliarden Euro) halte die für 416 Millionen Euro von der Hypo-Vereinsbank erworbene Bank für eine vernünftige Investition, will die Verbraucherkredite aber selbst vergeben.

          "Was wir gut gebrauchen könnten, wäre das Programm der Norisbank, mit dem sie das Risiko der Kunden ermittelt. Ich verstehe nicht, wenn uns Eigentümern der DZ Bank und damit der Norisbank etwas vorenthalten wird", moniert Diehl. Ulrich Bittihn, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Paderborn-Höxter (Bilanzsumme 2,8 Milliarden Euro), geht weiter. "Zur Forcierung des Konsumentenkreditgeschäftes hätte es nicht des Erwerbs eines teuren Spezialanbieters bedurft."

          Nur wenige Volksbank-Vorstände sind so radikal in der Ablehnung der Norisbank als Spezialanbieter wie Hans-Joachim Tonnellier. Der Chef der Frankfurter Volksbank (Bilanzsumme: 5,2 Milliarden Euro), der zweitgrößten in Deutschland, hält es mit den genossenschaftlichen Werten nicht für vereinbar, die Kunden zur Finanzierung von Möbeln und Autos in die Verschuldung zu treiben. Viele andere Volksbank-Vorstände sehen das pragmatischer. Die Frage, ob eine Volksbank besser fährt, wenn sie auf Provisionsbasis für die Norisbank Kredite vermittelt oder die Kredite selbst vergibt, ist aus ihrer Sicht eine klassische "Make or buy"-Entscheidung. Es kann vermutet werden, daß vor allem Institute mit der Norisbank zusammenarbeiten, die auf das schnelle Geld aus sind. Denn die Vermittlungsprovision kassieren sie sofort; behalten sie - mit allen Risiken - den Kredit in ihren eigenen Büchern, erhalten sie jährlich Zinsen, allerdings während der gesamten Laufzeit des Kredites. Berechnungen des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems kommen zu dem Ergebnis, daß sich die Kreditvermittlung aus Sicht der Volksbanken eher nicht lohnt.

          Auf große Vorbehalte stoßen bei nahezu allen Volksbanken die Zweigstellen der Norisbank und damit der DZ Bank. "Eine Norisbank, die ihre Position gegenüber der Citibank und der CC-Bank auch über den Verkauf von Verbundprodukten wie R+V-Versicherungen und Union-Fonds ausbauen will, ist fehl am Platze", sagt Bittihn und verweist auf die schon heute hohen Werbeausgaben für die Marke "Volksbank". Wie viele Marken könne und wolle sich die genossenschaftliche Bankengruppe leisten, fragt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Paderborn-Höxter. "Wir begrüßen die Norisbank als subsidiären Partner, der uns Produkte anbietet. Wir stehen ihr kritisch gegenüber, wenn sie uns mit Kontoführungskonditionen Konkurrenz macht", sagt Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Gießen-Friedberg (Bilanzsumme: 2,9 Milliarden Euro). Die zweitgrößte Volksbank in Hessen ist Partnerbank der Norisbank und will von der DZ Bank Anteile an der Norisbank kaufen. Doch was die Filialen angeht, pocht auch Hanker auf das von der Gruppe beschlossene Prinzip "Ein Markt, eine Bank": "Wir wollen die Geschäftsstelle der Norisbank in Gießen kaufen. Wir gehen davon aus, daß die Zusage auch eingehalten wird."

          Andere Volksbanker befürchten, die DZ Bank werde diese kurz nach dem Erwerb der Norisbank geäußerte Idee in der Mottenkiste verschwinden lassen. Vielmehr stehe die Norisbank als ein Symbol für die Strategie der Konzernierung, wie sie angeblich von der DZ Bank für den gesamten Verbund verfolgt wird. "Wenn die Ortsbanken ein Geschäftsfeld nicht pflegen, dann tun wir es selbst. Das ist die Denke in Frankfurt", sagt einer. Erst anderthalb Jahre sei es her, daß die Volks- und Raiffeisenbanken mit einer Kapitalerhöhung von 480 Millionen Euro das Spitzeninstitut DZ Bank in seiner Schieflage aufgefangen haben. "Wenn wir gewußt hätten, daß die Norisbank uns dauerhaft Konkurrenz macht, hätten die vier fusionswilligen Volksbanken im Raum Hannover die Kapitalerhöhung der DZ Bank nicht mitgemacht", stellt Hermann Mehrens von der Hannoverschen Volksbank fest.

          "Ich kenne keine Volksbank, die mit unserer Politik unzufrieden ist."

          Ulrich Brixner, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank

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