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Volksbanken : DZ und WGZ Bank besiegeln Fusion

Der Hauptsitz der DZ Bank in Frankfurt Bild: Manz, Florian

Die Spitzeninstitute der Volksbanken unterzeichnen Verschmelzungsvertrag. Die WGZ-Eigentümer erhalten gut ein Viertel an dem neuen Institut. Auch Gegner der Fusion spielen nun mit.

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          Die Vorstände der DZ und WGZ Bank haben für ihren Zusammenschluss zum drittgrößten Kreditinstitut in Deutschland wichtige Weichen gestellt. Am Dienstag unterzeichneten sie in Frankfurt den Fusionsvertrag. Demnach werden die Anteilseigner der WGZ Bank, die 182 Volks- und Raiffeisenbanken aus Nordrhein-Westfalen, an der neuen DZ Bank 25,6 Prozent erhalten. Damit entfällt auf sie ein etwas größerer Anteil als noch beim gescheiterten Fusionsversuch 2009, als 25 Prozent vorgesehen waren. Darüber hinaus haben die beiden Spitzeninstitute mit den Arbeitnehmervertretern eine Grundsatzvereinbarung geschlossen, so dass auch hier eine wichtige Weiche für den Zusammenschluss gestellt wurde.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Auf dem Weg zu unserer vereinigten genossenschaftlichen Zentralbank liegen wir voll im Plan“, erklärte Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank. Das rasch erzielte Einvernehmen in Transaktions- und Bewertungsfragen untermauert seiner Ansicht nach den engen Schulterschluss zwischen den beiden genossenschaftlichen Zentralbanken. Ähnlich zuversichtlich zeigte sich Hans-Bernd Wolberg, Vorstandsvorsitzender der WGZ Bank: „Wir sind davon überzeugt, die Transaktion wie angestrebt zum 1. August abschließen zu können.“

          Der um den Standort Düsseldorf kämpfende Betriebsrat der WGZ Bank hat mit dem Vorstand einen Kündigungsschutz vereinbart, wonach in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt 950 Stellen bis Ende 2020 erhalten bleiben. Derzeit zählt die WGZ Bank 1300 Arbeitsplätze. Davon sollen 150 abgebaut werden, die restlichen 200 Arbeitsplätze werden nach Frankfurt zur DZ Bank abwandern. Hier werden zentrale Funktionen wie Finanzierung und Anlage (Treasury) oder Kommunikation und Marketing angesiedelt sein. Bei der mit einer Bilanzsumme von 408 Milliarden Euro gut vier Mal so großen DZ Bank fallen 550 der 4200 Stellen weg.

          Bis zum 1. August soll die WGZ auf die DZ Bank verschmolzen werden, dann wird das neue Spitzeninstitut für die gut 1000 Volks- und Raiffeisenbanken an den Start gehen. Am 27. April wird der Aufsichtsrat der DZ Bank über den Zusammenschluss beraten, am 4. Mai das Kontrollgremium der WGZ Bank. Am 21. Juni werden die Aktionäre der DZ Bank auf der Hauptversammlung über das Vorhaben abstimmen, einen Tag später die Anteilseigner der WGZ Bank. Die bislang unternommenen Fusionsversuche der beiden genossenschaftlichen Zentralbanken waren oftmals am Widerstand der WGZ-Aktionäre gescheitert. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Kirsch und Wolberg haben aber in den vergangenen Wochen vor den Volks- und Raiffeisenbanken an Rhein und Ruhr für die Fusion geworben. Dabei hätten diese ihre Unterstützung signalisiert, berichteten Vertreter der WGZ Bank. Bedenken gebe es nur vereinzelt, zeigen sie sich zuversichtlich.

          Die Wirtschaftsprüfer von KPMG erstellten das Bewertungsgutachten, wonach auf die DZ Bank 74,4 Prozent und auf die WGZ Bank 25,6 Prozent an der neuen Bank entfallen werden. Die Aktionäre der WGZ Bank werden im Rahmen einer Kapitalerhöhung Aktien der DZ Bank erhalten. Dabei wird es für eine WGZ-Aktie im Nennwert von 100 Euro 67,6 DZ-Titel im Nennwert von 2,60 Euro geben. Nach dem KPMG-Gutachten hat eine DZ-Aktie einen aktuellen Wert von 9,48 Euro. Für einen WGZ-Anteilschein ermittelten die Wirtschaftsprüfer einen Kurs von 640,92 Euro.

          Größter Aktionär der DZ Bank, an der 844 Volksbanken beteiligt sind, ist die WGZ Bank mit einem Anteil von 6,2 Prozent. Die beiden Zentralbanken werden künftig unter einer Holding eine Einheit bilden, die gleichberechtigt auf einer Stufe mit Verbundunternehmen wie Bausparkasse Schwäbisch Hall, der Fondsgesellschaft Union Investment oder der R+V Versicherung stehen wird. Die neue Bank wird mehr als 30 000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Zusammenschluss der beiden letzten verbliebenen Zentralbanken stellt für die genossenschaftliche Finanzgruppe eine Zäsur dar. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch mehr als 50 genossenschaftliche Zentralbanken. Diese Zahl ging bis 2001 auf zwei zurück.

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