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Volks- und Raiffeisenbanken : "Keine Volksbank braucht in der Finanzkrise Hilfe"

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Uwe Fröhlich Bild: BVR

Im ersten Interview als Verbandspräsident erklärt Uwe Fröhlich, warum er anders als sein gescheiterter Vorgänger Christopher Pleister nicht Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank werden will, wie die Genossen ihre Schwächen ablegen, und warum die Volksbanken im Vergleich zu den Sparkassen die bessere Rechtsform haben.

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          Im ersten Interview als Verbandspräsident erklärt Uwe Fröhlich, warum er anders als sein gescheiterter Vorgänger Christopher Pleister nicht Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank werden will, wie die Genossen ihre Schwächen ablegen, und warum die Volksbanken im Vergleich zu den Sparkassen die bessere Rechtsform haben.

          Herr Fröhlich, waren Sie überrascht, als Sie in der vergangenen Woche zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken gewählt wurden?

          Nein, überrascht war ich nicht, aber sicher war ich mir zuvor auch nicht. Denn es war bis zuletzt ein offenes Verfahren.

          Wie erklären Sie sich, dass die Entscheidung auf Sie gefallen ist?

          Ich denke, für mich hat den Ausschlag gegeben, dass ich über den nötigen Stallgeruch in der genossenschaftlichen Bankengruppe verfüge. Damit meine ich: Ich habe Erfahrungen als Bankleiter und kenne damit die Herausforderungen, vor denen unsere Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen, genau. Dies macht mich glaubwürdig, strategische Initiativen anzustoßen, damit unsere Banken noch stärker im Vertrieb werden. Wir alle im Verbund - Verbände, Zentralinstitute und Verbundunternehmen sowie die über 1200 Volksbanken und Raiffeisenbanken - müssen enger zusammenrücken und gemeinsam unser großes Potential - 30 Millionen Kunden, 16 Millionen Bankteilhaber - besser ausschöpfen.

          Sie waren von 2001 bis 2006 im Vorstand der Berliner Volksbank. War diese Bank nicht mit einem Schaden von 1,7 Milliarden Euro der größte Sanierungsfall, den Ihre Bankengruppe je verkraften musste?

          Es stimmt, die genossenschaftliche Bankengruppe hat die Berliner Volksbank in einer großen Solidarleistung aus eigener Kraft saniert. Wir haben während meiner Zeit im Vorstand eng mit dem BVR zusammengearbeitet, um aus der Berliner Volksbank wieder ein erfolgreiches, auf Privatkunden und Firmenkunden und damit auf die genossenschaftlichen Prinzipien ausgerichtetes Institut zu machen. Das ist uns gelungen.

          Ist die Sanierung nachhaltig?

          Ja, die Berliner Volksbank hat inzwischen begonnen, nennenswert auf den Besserungsschein zurückzuzahlen. Im Übrigen hat in der Finanzkrise bislang keine einzige Bank die Hilfe unserer Sicherungseinrichtung in Anspruch nehmen müssen. Das schließt die Berliner Volksbank mit ein.

          Gibt es Dinge, die andere Volksbanken in Ballungsräumen von der Berliner Volksbank lernen können?

          Unsere Banken tun sich in den großen Städten oft schwerer als auf dem Land. Nach meiner Erfahrung aus Berlin müssen die Banken in den Ballungsräumen zur Kundenansprache und zum Verkauf besonders stark auf den Multikanalvertrieb - insbesondere das Internet - setzen. Gleichzeitig müssen sie durch ein enges Filialnetz Präsenz zeigen. Und auch der Vorstand und das Führungsteam müssen sich persönlich stark engagieren - überall dort, wo Kunden und Multiplikatoren sind, in den Industrie- und Handelskammern beispielsweise.

          Sie gelten als Verfechter der Idee, dass mehrere Volksbanken kundenferne Dienstleistungen in einer Servicegesellschaft zusammenfassen. Laufen die Banken nicht Gefahr, sich durch diese Auslagerungen ihr Image vor Ort kaputtzumachen und sich den Ruf des Lohndrückers einzuhandeln?

          Die Autonomie unserer Ortsbanken hat im Vergleich mit zentralgesteuerten Bankkonzernen große Vorteile, insbesondere wenn schnell und gut auf neue Anforderungen im Markt reagiert werden muss. Aber auf der Kostenseite gibt es mit unseren vielen selbständigen Banken naturgemäß auch Nachteile. Dagegen müssen wir etwas tun, ohne die Eigenständigkeit der Ortsbanken zu gefährden. Ich rate zu einem partnerschaftlichen Vorgehen ohne soziale Härten. Aber natürlich müssen wir hier auch Konflikte aushalten.

          Wie können sich die Volksbanken stärker von den Sparkassen absetzen?

          Das Geschäftsmodell von Sparkassen einerseits und Genossenschaftsbanken anderseits hat gewisse Ähnlichkeiten. Das Entscheidende aber ist, dass wir die bessere Rechtsform haben. Die Kunden der Volksbank oder Raiffeisenbank sind meist gleichzeitig Teilhaber dieser Genossenschaft, also Mitglied. Der primäre Geschäftszweck der Bank ist es, das Mitglied zu fördern. Damit haben unsere Banken starke Anreize, nachhaltige, beständige, ja lebenslange Kundenbeziehungen einzugehen. Ich bin überzeugt, dass dieses Geschäftsmodell nicht zuletzt aufgrund der Finanzmarktkrise künftig eine noch stärkere Anziehungskraft haben wird.

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