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Volks- und Raiffeisenbanken : "Keine Volksbank braucht in der Finanzkrise Hilfe"

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Zurück zum Garantiefonds. Auch viele Volksbanken sind von der Insolvenz von Lehman betroffen. Müssen Sie deshalb die jährlichen Beiträge Ihrer Banken erhöhen?

Unsere Sicherungseinrichtung hat seit 2005 kontinuierlich Vermögen aufgebaut. Dies war möglich, obwohl wir Mittel für die Rettung der nichtgenossenschaftlichen IKB und später auch der Hypo Real Estate bereitgestellt haben. Das zeigt, wie solide unsere Sicherungseinrichtung dasteht. Angesichts der prekären Entwicklung auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft halten wir es aber für unsere Pflicht, mehr Vorsorge zu treffen und uns auf möglicherweise schwierigere Zeiten vorzubereiten.

Nach unseren Informationen ist eine Erhöhung des Jahresbeitragssatzes von 0,75 auf 1,25 Promille des Kreditvolumens auch wegen Lehman vorgesehen?

Da unsere Gremien noch in diesem Jahr über den künftigen Beitrag entscheiden, will ich mich dazu jetzt nicht äußern. Aber noch einmal: Keine einzige unserer Banken hat bislang wegen der Finanzmarktkrise um die Unterstützung der Sicherungseinrichtung ersuchen müssen. Die Engagements in unserer Gruppe gegenüber Lehman belaufen sich auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Alle Banken können eventuelle Verluste aus der Lehman-Insolvenz selbst bewältigen - ohne die Hilfe der Sicherungseinrichtung. Sie sehen, wir sind in der Lage, uns selbst zu helfen.

Es wird also kein Mitglied des genossenschaftlichen Finanzverbundes das Rettungspaket des Bundes annehmen?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Es sieht so aus, als ob unsere Sicherungseinrichtung alle Risiken unserer Gruppe auch künftig selbst wird abfedern können. Das tut sie seit 1934, und das wird nach heutigem menschlichen Ermessen auch so bleiben. Dies entspricht auch unserem Geschäftsmodell der Hilfe zur Selbsthilfe.

Das größte Einzelrisiko in der genossenschaftlichen Bankengruppe ist das Spitzeninstitut DZ Bank. Müssen Sie als BVR-Präsident nicht dort Aufsichtsratsvorsitzender sein, um das Risikomanagement beeinflussen zu können?

Es ist eher für mich die Frage, wie die Ortsbanken Einfluss auf die DZ Bank nehmen. Wir als BVR sehen uns dort auch nach einer Fusion mit der WGZ in den Gremien weiterhin gefordert. Es ist aber aus meiner Sicht kein Muss, dass der BVR-Präsident den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt. Im Gegenteil: Die Interessenlagen zwischen Zentralbank und Ortsbanken sind nicht immer vollständig deckungsgleich. Aktienrechtlich muss der Aufsichtsratsvorsitzende primär das Wohl der DZ Bank im Auge haben. Ich aber sehe den BVR vornehmlich als Vertreter der Ortsbanken. Es könnten daher durchaus Interessenkonflikte entstehen, wenn der BVR-Präsident gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank wäre.

Der DZ Bank-Konzern hat wegen Lehman, Island und anderer kritischer Engagements vor wenigen Tagen die Gewinnprognose deutlich zurücknehmen müssen, die Zentralbank arbeitet sogar mit Verlust. Ist das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken noch dividendenfähig?

Die DZ-Bank leidet, wie andere auf den Kapitalmärkten aktive Banken auch, besonders unter der Finanzkrise, keine Frage. Doch wir halten den weit überwiegenden Teil der Kursverluste der Wertpapiere für vorübergehend. Über die Zahlung einer Dividende und deren Höhe ist zum gegebenen Zeitpunkt durch die Organe der DZ Bank zu entscheiden.

Wofür werden Sie sich stärker im Sinne der Volks- und Raiffeisenbanken einsetzen - für gute Konditionen der Zentralbank oder für mehr Gewinn und damit Dividende?

Sie sprechen die Erlösverteilung des Vermittlungsgeschäftes in unserem Verbund an, die immer Anlass zu Diskussionen geben wird. Das liegt in der Natur eines arbeitsteiligen Verbundes. Um das Gerechtigkeitsempfinden zu fördern, muss Transparenz herrschen über anfallende Kosten und Erlöse. Ganz entscheidend ist für mich: Die Banken müssen ihre Aufgaben vor Ort dauerhaft wahrnehmen können. Deshalb müssen die zentralen Lieferanten für Verbundprodukte und Dienstleistungen so viel zahlen, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre Kosten decken und einen angemessenen Ertrag erzielen können. Ihre Gewinne, die später als Dividende an die Volksbanken und Raiffeisenbanken zurückfließen, müssen dahinter im Zweifel zurückstehen. Klar ist aber auch: Die Genossenschaftsbanken werden nie reine Vertriebsstellen sein, das entspräche auch überhaupt nicht dem genossenschaftlichen Gedanken. Sie werden immer auch Eigenbestandsgeschäfte auf der Aktiv- und Passivseite eingehen.

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