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Expansion auf den Finanzmarkt : Mobilfunkanbieter drängen ins Bankgeschäft

Das Firmenlogo von Vodafone vor der Deutschlandzentrale in Düsseldorf Bild: dpa

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen stoßen die beiden großen Mobilfunkanbieter Vodafone und O2 ins Finanzgeschäft vor. Wie werden die etablierten Banken reagieren?

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          Die Banken bekommen weitere Konkurrenz in ihrem Kerngeschäft. Mit der O2-Muttergesellschaft Telefónica hat nun erstmals ein großer Mobilfunkkonzern angekündigt, seinen deutschen Kunden ein vollständiges Bankkonto für ihr Smartphone anzubieten. Für das O2-Banking will das Unternehmen mit der Münchener Fidor Bank kooperieren, die auch schon vielen kleinen Fintechs durch die Mitnutzung ihrer Vollbanklizenz ermöglicht, mit ihren Kunden Einlagen- und Kreditgeschäfte zu machen. Anders als die kleinen Start-ups, die mit cleveren technischen Ideen in das Stammgeschäft der Banken vorstoßen, verfügt Telefónica allerdings über die kritische Kundenmasse, um den traditionellen Kreditinstituten wirklich gefährlich zu werden. Nach dem Zusammenschluss der Marken O2 und E-Plus ist Telefónica mit 43 Millionen Mobilfunkanschlüssen inzwischen die Nummer eins in Deutschland vor der Deutschen Telekom und Vodafone. Weitere Marken des Konzerns sind Base, Simyo und Fonic.Was genau sich hinter dem angekündigten O2-Banking verbirgt, dazu wollen sich die beiden Partner noch nicht äußern. In der nächsten Woche ist allerdings eine Pressekonferenz zu dem Thema angesetzt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass die Mobilfunkanbieter das Telefon aber immer stärker zur Geldbörse ausbauen wollen, ist ein offenes Geheimnis. Schon im Februar hat der Telefónica-Konkurrent Vodafone die Banken aufgeschreckt mit seiner Ankündigung, noch in diesem Jahr eine Kooperation mit dem Online-Zahldienst Paypal zu starten. Die 16 Millionen registrierten Kunden in Deutschland könnten dann von ihrem Paypal-Konto aus ganz einfach mit dem Handy im Laden bezahlen. Nachdem der amerikanische Emporkömmling den etablierten Banken schon einmal beim Bezahlen im Internet vorgemacht hat, wie es geht, fürchtet manch einer in der Branche nun, dass er ihnen auch beim mobilen Bezahlen den Schneid abkaufen könnte.

          Banken schauen nicht tatenlos zu

          Dass sich nahezu alle wichtigen Bankdienstleistungen innerhalb einer App abbilden lassen, zeigt das junge Berliner Unternehmen Number26. Das Fintech ist erst vor eineinhalb Jahren mit einer Kombination aus Handykonto und Bezahlkarte an den Markt gegangen und hat bis Ende März 160.000 Kunden gewonnen.

          Die etablierten Banken sehen dem Treiben aber auch nicht mehr tatenlos zu. In der vorigen Woche hat die Deutsche Bank ihre neue Banking-App auf den Markt gebracht. Auch sie soll es den Kunden ermöglichen, alle ihre Bankgeschäfte über das Smartphone zu erledigen. Schließlich erfolge inzwischen jeder zweite Zugriff auf das Online-Banking schon von einem Mobilgerät wie Handy oder Tablet, sagte Privatkundenvorstand Christian Sewing anlässlich der Vorstellung der neuen App – solche Zahlen dürften die Mobilfunkkonzerne auf den Plan gerufen haben.

          Messung von Bewegungsströmen der Kunden

          Das Interesse von Handyunternehmen am Finanzsektor geht einher mit einem breiten Interesse der Branche an Geschäften jenseits des eigentlichen Kerngeschäfts. Mit DSL- oder Handyverträgen alleine lässt sich in einem scharfen Wettbewerb und gesättigten Märkten immer schwieriger Geld verdienen. Deshalb sind die Unternehmen ständig auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Zumal sie auf einem Schatz sitzen, der in Zeiten von zunehmender Digitalisierung und Big Data laufend interessanter wird: Millionen von Kundendaten.

          Wenn Telefónica seine Strategie verkündet, das „führende digitale Telekommunikationsunternehmen“ in Deutschland zu werden, dann steckt dahinter auch die Idee, genau diese Kundendaten auszunutzen. Neben dem Trendthema Internet der Dinge gehört der Bereich „Advanced Data Analytics“ zu den neuen Geschäftsfeldern, die sich damit beschäftigen. So basiert etwa das Produkt „Mobility Insights“ auf einer umfangreichen Datenanalyse. Mit ihr lassen sich, so verspricht es Telefónica, Bewegungsströme vor Geschäften und in Innenstadtlagen erstmals exakt messen. „Der Einzelhandel kann damit Immobilien viel besser bewerten und Werbemaßnahmen zielgerichteter steuern“, sagt Bereichsleiterin Pia von Houwald. Grundlage für die Messung dieser Bewegungsströme sind die Signale der Millionen Mobilfunkkunden des Unternehmens. Wenn ein Handy sich von einem Ort zum nächsten bewegt, bucht es sich automatisch in die Funkzellen entlang der Strecke ein. Täglich entstünden auf diese Weise mehr als vier Milliarden Datenpunkte, heißt es bei Telefónica – wo man im gleichen Atemzug versichert, dass dank einer umfangreichen Anonymisierung Rückschlüsse auf individuelle Kunden nicht möglich seien.

          Wenn der Konzern demnächst auch noch weiß, was der jeweilige Kunde in welchem Geschäft bezahlt hat, würde der Datenschatz dadurch noch einmal um einiges wertvoller.

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