https://www.faz.net/-gqe-8m0fw

Vizekanzler zur Deutschen Bank : „Spekulantentum als Geschäftsmodell“

  • Aktualisiert am

Sigmar Gabriel auf dem Berliner Flughafen Tegel vor dem Abflug nach Teheran Bild: Reuters

Ungewöhnlich heftig attackiert Wirtschaftsminister Gabriel die angeschlagene Deutsche Bank. Mit „verantwortungslosen Managern“ habe er wenig Mitleid, fürchtet aber Folgen für andere.

          Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat scharfe Kritik am Auftreten der Deutschen Bank angesichts der aktuellen Probleme des Geldinstituts geübt. „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer erklärt“, sagte Gabriel am Sonntagabend auf dem Flug zu einem Besuch in Teheran. Er bezog sich dabei auf Vorwürfe aus der Deutschen Bank, das Unternehmen sei Opfer von Spekulanten.

          Gabriel machte für die aktuelle Krise der Deutschen Bank dagegen frühere Fehler des Managements verantwortlich. „Das Szenario ist, dass tausende Menschen ihre Arbeit verlieren werden. Sie tragen jetzt die Verantwortung für den Wahnsinn, der betrieben wurde von verantwortungslosen Managern“, sagte der Minister. Auf die Frage nach möglichen staatlichen Finanzspritzen sagte er, seine Sorge gelte nicht so sehr der Bank wie dem Verlust von Arbeitsplätzen.

          Deutsche Bank unter Druck

          Die Folgen der Niedrigzinsen und die immer strengeren Regeln der Aufsichtsbehörden lasten schwer auf den Geschäften der Großbank. Vor allem aber steht die Deutsche Bank wegen eines Rechtsstreits in den Vereinigten Staaten unter Druck. Das amerikanische Justizministerium fordert bis zu 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren – die Bank hat für Rechtsstreitigkeiten aber nur rund 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Die Nachricht von der Forderung löste Spekulationen über mögliche Staatshilfen aus, die sowohl von der Bank als auch von der Bundesregierung zurückgewiesen wurden.

          Unter dem Eindruck der Milliardenforderung sank der Aktienkurs des Unternehmens am Freitag kurzzeitig zum ersten Mal überhaupt unter die Zehn-Euro-Marke. Später legte der Kurs allerdings kräftig zu, als die Nachrichtenagentur AFP behauptete, die Strafzahlung werde wohl auf 5,4 Milliarden Dollar herabgesetzt. Auch drei Tage später gibt es dafür allerdings noch immer keinen Beleg.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kandidatur für SPD-Vorsitz : Was will Stephan Weil?

          Noch hüllt er sich in Schweigen, aber bald wird sich Stephan Weil bekennen müssen: Tritt er für den SPD-Vorsitz an oder nicht? An der Entscheidung des Niedersachsen hängt viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.