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Folgen des Fachkräftemangels : Vielen Arbeitnehmern winkt 2022 mehr Geld

  • -Aktualisiert am

Aufbauend: Nicht nur Kopfarbeiter wie IT-Spezialisten sind gefragt, auch Anpacker wie Schweißer, Mechaniker oder Metallbauer. Bild: Caro

Zahlreiche Unternehmen wollen mehr Mitarbeiter einstellen als sie auf Anhieb finden können. Deshalb bieten sie oft ein sehr gutes Gehalt. Welche Fachkräfte gerade besonders gefragt sind

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          Die meisten größeren Unternehmen wollen ihren Personalbestand in der ersten Hälfte des Jahres 2022 vergrößern. Weil Personal angesichts der steigenden Nachfrage knapper wird, sind die meisten Arbeitgeber bereit, Mitarbeitern mehr Lohn oder Gehalt zu zahlen. Das ergibt eine Umfrage durch den Personaldienstleister Randstad und das Ifo-Institut unter 630 Personalverantwortlichen, die im vierten Quartal des vergangenen Jahres stattfand. „Der Fachkräftemangel entwickelt sich mehr und mehr zum Arbeitskräftemangel – und laut den Befragungsergebnissen wirkt sich das deutlich auf die Gehälter aus“, sagt Hans Christian Bauer von Randstad.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit 73 Prozent erwartet die Mehrheit der Befragten für das Jahr 2022 steigende Löhne und Gehälter und rechnet im Durchschnitt mit einem Anstieg um 4,7 Prozent. Ungelernten Arbeitskräften winkt demnach ein Lohnanstieg von 4,9 Prozent – etwas mehr als die erwarteten Gehaltssteigerungen für Führungskräfte (plus 4,7 Prozent) und für gelernte Fachkräfte ohne Leitungsfunktion (plus 4,6 Prozent).

          Nicht nur IT-Spezialisten sind begehrt

          Vor allem Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche und dem Handel wollen ihren ungelernten Arbeitnehmern mehr zahlen. Das liegt laut Randstad nicht nur am Fachkräftemangel, sondern auch an der Erhöhung des Mindestlohns. Dieser soll nach dem durch die Mindestlohnkommission bisher festgelegten Plan im Jahr 2022 in zwei Stufen auf 10,45 Euro je Arbeitsstunde steigen. Die neue Bundesregierung will sogar einen Anstieg auf 12 Euro durchsetzen.

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          Laut der Befragung wollen vor allem größere Unternehmen mit 250 bis 499 Mitarbeitern im ersten Halbjahr 2022 ihren Personalbestand vergrößern. Auch der in dieser Woche veröffentlichte Stellenradar des F.A.Z.-Archivs hat gezeigt, dass größere Unternehmen laut ihren Ankündigungen aus dem Jahr 2021 insgesamt deutlich mehr Stellen schaffen als abbauen wollen.

          Der Fachkräftemangel lässt diese Pläne allerdings als ehrgeizig erscheinen. Fast alle Unternehmen, die laut Umfrage ihr Personal aufstocken wollen, sehen sich auf dem Weg zu diesem Ziel mit Problemen konfrontiert. So rechnet jeweils ein Drittel der Dienstleistungsunternehmen und ein Drittel der kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften.

          Ein Vergleich mit den Ergebnissen der gleichen Befragung aus dem Vorjahr zeigt laut Randstad, dass sich das Problem des Fachkräftemangels verschärft habe. Für das Jahr 2022 suchen die befragten Firmen vor allem IT-Spezialisten, CNC-Fachkräfte, Steuerfachangestellte, Softwareentwickler, Ingenieure, Kraftfahrer, Mechaniker, Metallbauer, Schweißer, Schreiner, Bäcker, Fleischer, Gärtner oder Pflegehilfen. Schon im Oktober hatten 43 Prozent der 9000 vierteljährlich vom Ifo-Institut befragten Unternehmen angegeben, dass der Fachkräftemangel ihr Geschäft behindere. Damit war der Anteil der von Personalmangel betroffenen Unternehmen so hoch wie noch nie. Zum vollständigen Lagebild des Arbeitsmarkts und der Unternehmenswelt gehört aber auch, dass der Anteil der Beschäftigten in Kurzarbeit im Dezember auf 2,6 Prozent gestiegen ist. Besonders stark setzen Industrieunternehmen dieses Instrument ein.

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