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Firmengründung : Die Krise macht unternehmerisch

Das Gründungszentrum in Berlin berät Interessenten auf dem Gebiet der Existenzgründung Bild: dpa

Vor allem in den Krisenländern in Südeuropa streben junge Menschen eine Existenzgründung an. Ganz anders in Deutschland: Hierzulande sehnt sich die junge Generation vor allem nach Sicherheit im Beruf.

          Eine Arbeitsstelle im öffentlichen Dienst ist hierzulande der Wunschtraum für viele junge Menschen – die Gründung eines eigenen Unternehmens ist es eher nicht. Gerade einmal knapp jeder fünfte Deutsche im Alter zwischen 18 und 30 Jahren kann sich gut vorstellen, selbst einmal Firmengründer zu werden. Ganz anders denken hingegen junge Menschen in Italien und Spanien. Dort halten mehr als 40 Prozent der jungen Generation eine Firmengründung für erstrebenswert. Das zeigt ein breitangelegter Trendreport des Vodafone-Instituts, dessen Ergebnisse zur Gründerkultur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorab vorliegen. Er stützt sich auf Repräsentativbefragungen von jeweils 1000 jüngeren Bürgern in insgesamt neun europäischen Ländern.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Offensichtlich fördert eine stabile Arbeitsmarktentwicklung wie zurzeit in Deutschland das Streben nach Planbarkeit und Sicherheit im Beruf. Umgekehrt fördern Wirtschaftskrisen, wie sie die Südeuropäer gerade erleben, den Unternehmergeist. Das zeigen auch die Begründungen, mit denen die jungen Menschen ihre Einstellung zum Thema Existenzgründung erklären. Unter den Deutschen, die eher keine Unternehmer werden wollen, nennen allein 46 Prozent als Hauptargument „zu viel Arbeit, zu viel Stress“. Und als zweitwichtigstes Argument gegen die Selbstständigkeit führen sie an, dass es Unternehmer schwer hätten, eine gute Balance zwischen Arbeits- und Privatleben zu finden.

          Demgegenüber sehen junge Spanier und Italiener fehlende Finanzierungsmöglichkeiten als das mit Abstand wichtigste Hindernis für eine Firmengründung an. Furcht vor zu viel Stress oder zu wenig Zeit für das Privatleben spielen dagegen für sie eine geringere Rolle, eher schon treibt sie der auch von 40 Prozent der Deutschen geäußerte Zweifel um, ob sie genügend Fähigkeiten und Geschäftserfahrung haben, um ein eigenes Unternehmen zu führen. Dass es hinreichend einfach sei, auch eine gute Arbeit in einer abhängigen Beschäftigung zu finden, führen indes nur 3 Prozent der Italiener als Begründung für ihre Skepsis gegenüber einer Firmengründung an. Umgekehrt geben 35 Prozent der potentiellen Gründer in Italien die schlechte Arbeitsmarktsituation als Motiv für ihre Haltung an. In Spanien sind das 32 Prozent, hierzulande hingegen nur 18 Prozent.

          Das Gesamtbild dieses europäischen Vergleichs scheint die Aussagen einer anderen Untersuchung zu bestätigen, mit der die Unternehmensberatung EY (vormals Ernst & Young) im Sommer einige Verblüffung ausgelöst hatte. Sie hatte mit einer Umfrage unter deutschen Studenten festgestellt, dass bei diesen derzeit der Staatsdienst sehr hoch im Kurs steht. Allein jeder Dritte der 4300 Befragten gab eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst als Wunschziel an.

          Die hierzulande recht starke Abneigung gegen unternehmerische Selbständigkeit ist umso bemerkenswerter, weil die bürokratischen Hürden auf dem Weg zur Firmengründung jedenfalls von den Skeptikern nicht als besonders großes Problem wahrgenommen werden. Gerade einmal 20 Prozent von ihnen geben an, dass sie Gründerbürokratie für zu kompliziert halten. Dieser Einwand wurde in Italien von 38 Prozent angeführt und gilt damit als das zweitwichtigste Hindernis neben fehlendem Geld. Deutlich mehr Unternehmergeist als die Deutschen zeigten in der Umfrage auch etwa Niederländer, Tschechen und Briten – auch ganz ohne große Krise.

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