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Citigroup & Co. : Viele Milliarden Rechtskosten für Amerikas Geldhäuser

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Manhatten: die großen Wall-Street-Banken sind in unzählige Rechtsstreits verwickelt - das kostet sie viele Milliarden Dollar. Bild: AP

2014 hätte für die größten Banken der Vereinigten Staaten ein Rekordjahr werden können. Gewaltige Kosten für Rechtsstreits haben das verhindert. Eine Bank wurde besonders getroffen.

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          2014 wäre ein gutes Jahr für die amerikanischen Banken geworden, wären da nicht die Rechtskosten in Höhe von 30 Milliarden Dollar (25,4 Milliarden Euro). Immerhin: Auf Basis der Zahlen für die ersten neun Monate und Schätzungen von Analysten dürften die Erträge der sechs größten Geldhäuser, die diese Woche mit der Veröffentlichung ihrer Jahresabschlüsse beginnen, im abgelaufenen Jahr auf 413,6 Milliarden Dollar gestiegen sein. Das wäre der zweithöchste Wert nach dem Rekordjahr 2010.

          Das vergangene Jahr stand dabei nicht nur im Zeichen von Ermittlungen, sondern auch des Wiederauflebens der gewerblichen Kreditvergabe, der Zunahme von Fusionen und Übernahmen und einer amerikanischen Wirtschaftsleistung, die wahrscheinlich um 2,3 Prozent zugelegt haben wird. Die Anleger ließen sich von den Rechtskosten offenbar nicht beirren: Die Aktien aller sechs Banken stiegen in der Erwartung von Zinsanhebungen, welche die Gewinne aus der Kreditvergabe steigern könnten. „Bei den Rechtskosten hat nun endlich die vorletzte oder letzte Spielrunde begonnen”, sagt Paul Miller, Analyst bei FBR Capital Markets. „Ich glaube nicht, dass es noch einmal Rechtskosten von 30 Milliarden Dollar geben wird. Was nicht bedeutet, dass nicht noch einmal zwei bis fünf Milliarden Dollar kommen könnten - aber das würde keinen großen Unterschied mehr machen.”

          Fast 17 Milliarden für eine einzige Bank

          Vom Finanzdienst Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen, dass die rekordhohen Rechtskosten der sechs Banken wohl zu einem Gewinnrückgang von fünf Prozent führen dürften. Dies wäre der erste Rückgang seit dem Jahr 2008. Die stärksten Einbrüche verteichneten die Bank of America und die Citigroup. Sie wendeten zusammen mehr als 25 Milliarden Dollar auf, um die größten Streitigkeiten beizulegen, darunter Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Pfandbriefen und Devisenmanipulationen. Die größten Banken, wozu auch JP Morgan, Wells Fargo  Goldman Sachs und Morgan Stanley zählen, verzeichneten 2014 höhere Erträge im Investmentbanking, weil die Zahl der Börsengänge um mehr als 50 Prozent zunahm.

          Zuwächse gab es auch in der Vermögensverwaltung, die vom freundlichen Aktienmarkt profitierte. Das steigerte auch die Kurse der Banken selbst. Anteile an Morgan Stanley gewannen 24 Prozent an Wert, an Wells Fargo 21 Prozent - der S&P 500-Index kletterte demgegenüber um elf Prozent.

          Die größte Geschäftsverbesserung dürfte Morgan Stanley geschafft haben mit einem geschätzten Ertrags-Plus von sieben Prozent und einem Gewinn, der sich wohl auf 6,3 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt haben wird. Die Bank verzeichnete in den ersten neun Monaten 2014 ein 14-Prozent-Plus in Handel und Investmentbanking. Die Bank profitierte zudem von Steuervorteilen und buchungs-technischen Gewinnen.

          Die größere Bank JP Morgan, die am 14. Januar die Berichtssaison der Branche einläutet, wird den Erwartungen zufolge als einzige unter sechs größten Banken einen Ertragsrückgang für das zurückliegende Jahr melden: In den ersten neun Monaten erlitt die Bank einen Einbruch im Hypothekenbankgeschäft. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren schrumpfte um zwölf Prozent. Analysten erwarten, dass die Bank für das vierte Quartal einen bereinigten Gewinn von knapp 5 Milliarden Dollar melden wird.

          Der Ertragszuwachs der großen Sechs von zusammen ebenfalls annähernd 5 Milliarden Dollar im gesamten Geschäftsjahr wird jedoch von den gewaltigen Rechtskosten überschattet. Die der Bank of America vervierfachten sich in den ersten neun Monaten fast auf 16,9 Milliarden Dollar, die der Citigroup für das gesamte Jahr stiegen auf 9 Milliarden Dollar und damit um mehr als das Dreifache. Die Berechnung der gesamten Rechtskosten von 30 Milliarden Dollar beruht auf den Aufwendungen, die die Banken für die ersten neun Monate gemeldet haben und den Kosten von 2,7 Milliarden Dollar, welche die Citigroup für das vierte Quartal angekündigt hat. Ohne die 30 Milliarden Dollar hätten die Banken wahrscheinlich ihren Rekordgewinn von beinahe 83 Milliarden Dollar im Jahr 2006 übertroffen.

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