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Videospielemesse E3 : Treffen unter schwierigen Vorzeichen

John Riccitiello, Chef des Spieleherstellers Electronic Arts Bild: REUTERS

Billige und kostenlose Spiele auf Smartphones und sozialen Netzwerken machen den etablierten Unternehmen das Leben schwer. Nintendo hofft mit einem Nachfolger für die Konsole Wii auf einen großen Wurf.

          3 Min.

          Die Videospieleindustrie will ihre wichtigste Branchenmesse E3 in Los Angeles in dieser Woche nutzen, Optimismus zu verbreiten und mit Neuheiten zu glänzen - und damit von ihren gewaltigen Herausforderungen abzulenken. Die meiste Aufmerksamkeit zog am Dienstag der japanische Hersteller Nintendo mit der Vorstellung der neuen Konsole Wii U auf sich.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es ist das Nachfolgeprodukt für die Wii-Konsole, mit der Nintendo vor einigen Jahren ein großer Wurf gelungen ist, die aber zuletzt an Popularität verloren hat. Sony hat eine tragbare Konsole mit dem Namen Playstation Vita gezeigt, während Microsoft sich diesmal vor allem auf neue Spiele beschränkte, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr mit seinem Bewegungssensor Kinect für die Xbox für einen der Höhepunkte der Show gesorgt hatte.

          Die Veranstaltung, die am Dienstag offiziell begann und rund 45.000 Besucher anziehen dürfte, findet unter keinen einfachen Vorzeichen statt. Die Branche ist zwar immer noch für einzelne spektakuläre Erfolgsmeldungen gut, etwa wenn ein neues Spiel aus der Actionreihe „Call of Duty“ in kurzer Zeit einen Umsatz in Milliardenhöhe bringt und damit die Einspielergebnisse der meisten Hollywood-Filme in den Schatten stellt.

          Mit Touchscreen: Die neue Wii U

          Rückbesinnung auf die Kernzielgruppe

          Solchen Erfolgserlebnissen stehen aber große Herausforderungen gegenüber: Billige oder kostenlose Titel von „Angry Birds“ bis „Farmville“, die auf internetfähigen Handys (Smartphones) und Tabletcomputern oder in sozialen Netzwerken wie Facebook gespielt werden, machen den etablierten Unternehmen das Leben schwer. Neue Geräte werden den Anbietern nicht automatisch aus den Händen gerissen, wie der schwächer als erwartete Start der tragbaren Konsole für dreidimensionale Spiele 3DS von Nintendo zeigt.

          Nach spektakulären Hacker-Angriffen auf das Playstation-Netzwerk bei Sony muss sich die Branche zudem mit unangenehmen Fragen nach der Sicherheit ihrer Plattformen auseinandersetzen. Die diesjährige E3 wird nach Auffassung von Branchenexperten ein Stück weit eine Rückbesinnung auf die Kernzielgruppe der Industrie bringen. In den vergangenen Jahren mühte sich die Branche, neue Käuferschichten anzusprechen. Dieser Trend wurde von der 2006 auf den Markt gekommenen Wii mit angetrieben, die mit ihrem bewegungsempfindlichen Steuerungsgerät eine ganz neue Art des Spielens möglich machte, für die sich auch immer mehr Frauen oder ältere Menschen begeistern konnten.

          Wii U mit Touchscreen

          Nintendo zeigte am Dienstag bei einer Pressekonferenz die neue Konsole Wii U, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. Die Wii U hat ein Steuerungsgerät mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) und hat Ähnlichkeiten mit einem Tabletcomputer. Das Gerät ist anders als die erste Wii-Generation auch in der Lage, hochauflösende Bilder zu zeigen. Damit hofft Nintendo, einen der Nachteile der Wii gegenüber der Xbox 360 von Microsoft und der Playstation 3 von Sony wettzumachen. Nintendo hofft mit seiner Neuheit, den Erfolg der ersten Wii-Generation zu wiederholen, die nach ihrer Einführung bei vielen Händlern oft auf Wochen hinaus ausverkauft war. Bis heute hat sich die Wii rund 86 Millionen mal verkauft.

          Damit liegt das Gerät vor der Xbox 360, die seit ihrer Einführung 2005 rund 54 Millionen mal abgesetzt wurde, und auch vor der Playstation 3 von Sony, die seit 2006 auf rund 50 Millionen Stück kam. Die Zeiten des großen Ansturms auf die Wii sind freilich vorbei, und zuletzt sind die Verkaufszahlen geschrumpft. Der Druck auf den japanischen Hersteller hat sich außerdem durch den mäßigen Start der im Februar auf den Markt gekommenen Nintendo 3DS erhöht, die Videospiele mit dreidimensionalen Grafiken erlaubt, ohne dass eine Brille erforderlich wäre. Nintendo gab im April zu, dass die bisherigen Absätze von 3,6 Millionen Stück hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind.

          Sony entschuldigt sich

          Sony hat bereits am Vortag des offiziellen Messestarts eine neue mobile Konsole mit dem Namen „Playstation Vita“ vorgestellt. Das Gerät soll rechtzeitig zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen, der Startpreis soll in Amerika bei 249 Dollar und in Europa bei 249 Euro liegen. Sony begann seine Pressekonferenz mit einer offiziellen Entschuldigung für die jüngsten Sicherheitsprobleme. Die Playstation-Plattform wurde in den vergangenen Wochen zum Ziel von Hacker-Angriffen, dabei sind 100 Millionen Kundendaten gestohlen worden.

          Microsoft konnte mit seinem bei der vergangenen E3 präsentierten Bewegungssensor Kinect für die Xbox einen der größten Erfolge der Videospielebranche in den vergangenen zwölf Monaten verbuchen. Seit der Einführung im November wurde Kinect rund 10 Millionen Mal verkauft. Bei seiner diesjährigen Pressekonferenz am Montag zeigte Microsoft neue Spiele, die mit dem Sensor arbeiten können. Darunter ist ein „Star Wars“-Spiel, dessen Spieler mit Armbewegungen Laserschwertkämpfe führen können.

          Microsoft gab außerdem eine Vorschau auf „Halo 4“, den nächsten Teil in seiner erfolgreichsten Spielereihe für die Xbox, der 2012 auf den Markt kommen soll. Allgemein stehen bei der Schau in Los Angeles die Fortsetzungen von etablierten Spielereihen im Mittelpunkt, zum Beispiel „Battlefield 3“ von Electronic Arts oder ein neuer Teil aus der „Call of Duty“-Reihe von Activision. Der letzte Titel aus der Serie mit dem Namen „Call of Duty: Black Ops“ kam im November auf den Markt und hat innerhalb von sechs Wochen einen Umsatz von einer Milliarde Dollar eingebracht.

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