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Verteilung der Streaminggelder : Die Musiker stellen die Systemfrage

Helene Fischer auf dem „Schlagerboom 2019“ in Dortmund. Bild: EPA

Die Abogebühr eines Streaming-Nutzers soll nur noch unter den Künstlern verteilt werden, die er gehört hat, fordern Vertreter deutscher Pop-Stars. Was erst mal logisch klingt, birgt viel Konfliktpotential.

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          In der deutschen Musikbranche ist eine Diskussion über das Streaming entbrannt – ausgelöst durch einen einfachen Brief. 14 Manager und Anwälte von deutschen Musikstars wie Helene Fischer, Rammstein oder Sarah Connor wendeten sich in diesem an die drei weltweit größten Plattenfirmen Universal Music, Sony, Warner – „Major-Labels“ genannt – und die Bertelsmann-Musik-Sparte BMG. Ihre Hauptforderung: „die Überprüfung und gegebenenfalls Neustrukturierung des Abrechnungs- und Vergütungsmodells“. Wenige Tage nachdem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über diesen Brief berichtet hatte, ging die Gruppe mit einer Mitteilung an die Öffentlichkeit. Neben einer „fairen Verteilung“ der Streamingerlöse gehe es ihnen auch um Transparenz und kulturelle Vielfalt.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist nicht das erste Mal, dass sich innerhalb der Branche Unmut über das Streaming und seine Auswirkungen regt. Vor dem Hintergrund des schwindenden Umsatzes durch physische Tonträger und des Booms von Spotify & Co ist die Bedeutung des Streamings für den Markt für Musikaufnahmen rasant gewachsen. 2018 wurden auf diesem 19,1 Milliarden Dollar umgesetzt; 8,9 Milliarden Dollar stammten aus dem Streaming. Auch in Deutschland trägt das Streaming mittlerweile den größten Anteil bei. Neben Kritik an den vermeintlich zu geringen Auszahlungen der Streamingdienste, steht die Verteilung der Gelder zunehmend im Fokus. Von den rund 10 Euro, die etwa ein Spotify-Abonnent im Monat zahlt, verbleiben typischerweise etwa 30 Prozent bei Spotify, heißt es. An die Labels als Rechteinhaber werden nach Brancheninformationen gut drei Euro überwiesen, bei den Musikern selbst kämen dagegen häufig nur 80 Cent oder auch weniger an.

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