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Verstoß gegen Geldwäschegesetz : Chef der Vatikanbank im Visier der Ermittler

  • Aktualisiert am

Undurchsichtig: die Bankgeschäfte der Vatikanbank Bild: AP

Die italienische Finanzpolizei ermittelt gegen den Chef der Vatikanbank sowie einen Mitarbeiter wegen möglicher Verstöße gegen das Geldwäschegesetz. Die Polizei beschlagnahmte als „Vorsichtsmaßnahme“ 23 Millionen Euro von einem Konto.

          Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag. Bei der Beschlagnahme habe es sich dem Bericht zufolge um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt. Nach Auffassung der Ermittler wurden über mehrere Finanzgeschäfte unzureichende Angaben über Herkunft und Verbleib von Geldern gemacht. Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen Verstoß gegen die Bestimmungen zur Auskunftspflicht.

          Im Zentrum der Ermittlungen steht laut Medienberichten ein Geldtransfer nach Deutschland. Ausgangspunkt sei eine Überweisung von 20 Millionen Euro an JP Morgan in Frankfurt am Main. Genauere Angaben liegen nicht vor.

          Der Vatikan zeigte sich in einer ersten Reaktion „verblüfft und überrascht“ über die Untersuchung. Der Italiener Ettore Gotti Tedeschi steht erst seit einem Jahr an der Spitze der Vatikanbank. Der Vatikan hat ihn gegen die Anschuldigungen in Schutz genommen. Man habe wiederholt den Willen zu einer vollständigen Transparenz der Geldgeschäfte bekundet und alle notwendigen Vorkehrungen zur Bekämpfung von Terrorismus und Geldwäsche getroffen, stellte der Vatikan klar. Zu diesem Zweck arbeite die Vatikanbank mit den Behörden zur Bekämpfung von Geldwäsche zusammen. Der Vatikan habe „größtes Vertrauen“ zu Tedeschi.

          Früher bei McKinsey - heute bei der Vatikanbank: Ettore Gotti Tedeschi

          Bereits vor rund einem Jahr hatte es Berichte gegeben, wonach die Polizei Bankgeschäfte des Vatikans wegen des Verdachts auf Geldwäsche überprüfte. Im Fokus der Ermittlungen standen damals Transaktionen in Millionenhöhe.

          Die Vatikanbank, offiziell Institut für die religiösen Werke genannt, war erstmals im Jahr 1982 in einen größeren Skandal verwickelt. Damals war das Geldhaus in den betrügerischen Bankrott der Banco Ambrosiano involviert.

          Im vergangenen Jahr sorgte der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi mit einem Enthüllungsbuch (“Vatikan AG“) über das Finanzgebaren der Vatikanbank in Italien für großes Aufsehen. Damals musste Tedeschis Vorgänger nach 20 Jahren an der Spitze der Vatikanbank seinen Hut nehmen.

          Ettore Gotti Tedeschi - ein früherer McKinsey-Berater, der als erzkatholisch gilt - sollte das abgeschottete Finanzinstitut danach transparenter machen. Er schreibt regelmäßig Kommentare im Vatikanorgan „Osservatore Romano“ und hat zudem den Papst bei seiner Wirtschaftsenzyklika beraten hat.

          Die Vatikanbank verfügt nur über 130 Mitarbeiter und Einlagen in Höhe von rund 5 Milliarden Euro. Sie wurde 1942 von Papst Pius XII. gegründet. Ihre Bilanzen unterliegen bis heute strikter Geheimhaltung.

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