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Versicherungen : Lebensversicherer erhöhen Aktienquote

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Bild: F.A.Z.

Deutsche Lebensversicherer investieren wieder einen wachsenden Teil ihrer Kapitalanlagen auf den Aktienmärkten. Die Bereitschaft der Versicherer zu risikoreicheren Kapitalanlagen nimmt zu.

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          Deutsche Lebensversicherer investieren wieder einen wachsenden Teil ihrer Kapitalanlagen auf den Aktienmärkten. Eine Umfrage dieser Zeitung hat ergeben, daß die Bereitschaft der Versicherer zu risikoreicheren Kapitalanlagen zunimmt, auch unter dem Eindruck rekordniedriger Anleihezinsen.

          So hat die R+V Leben ihre Aktienquote, nach Buchwerten gerechnet, im vergangenen Jahr von 8 auf 11,1 Prozent erhöht. Seit Jahresbeginn ist ein weiterer Prozentpunkt hinzugekommen. Damit liegt die Aktienquote nach Angaben von Rainer Neumann, der im Vorstand der R+V Versicherung für Finanzen und Kapitalanlagen verantwortlich ist, bei rund 12 Prozent. „Wir werden die Quote sukzessive nach oben fahren“, sagt Neumann.

          Ein riesiges Vermögen

          Ähnliches hat auch die Alte Leipziger vor, die ihre Aktienquote bereits von 6 auf 8 Prozent erhöht hat und mehr als 10 Prozent anstrebt. Für die Aktienmärkte sind das gute Nachrichten. Denn die deutschen Lebensversicherer verwalten ein riesiges Vermögen von mehr als 600 Milliarden Euro. Die R+V hat bei Kapitalanlagen von rund 40 Milliarden Euro seit Jahresbeginn etwa 400 Millionen Euro zusätzlich in Aktien angelegt. Allerdings werde die Luft allmählich dünner, viel mehr könne man nicht mehr machen, sagt R+V-Vorstand Neumann.

          Lebensversicherer können ihre Aktienquote nicht frei wählen. Sie müssen sicherstellen, daß sie auch bei kräftigen Kursverlusten die Ansprüche der Kunden langfristig erfüllen können. Deshalb müssen sie über genügend Sicherheitsmittel - Eigenkapital, Bewertungsreserven und versicherungstechnische Rückstellungen - verfügen, damit sie auf den Aktienmärkten oder auf anderen riskanteren Märkten investieren dürfen. Dieses Sicherheitspolster ist in den drei Jahren der Baisse von 2000 bis 2003 abgeschmolzen.

          Milliarden verloren

          Die Assekuranz hatte im Rausch der steigenden Kurse ihre Aktieninvestitionen auf bis zu 30 Prozent hochgefahren. Als die Kurse dann einbrachen, verloren die Lebensversicherer Milliarden. Einige gerieten in Existenzgefahr. Die Mannheimer Leben mußte sogar von der Branche gerettet werden. Alle Gesellschaften mußten ihre Aktienrisiken drastisch verringern, so daß die durchschnittliche Aktienquote von 26 auf zeitweise auf weniger als 9 Prozent gefallen ist.

          Diese Erfahrungen dürften dazu beitragen, daß einige Lebensversicherer ihre Quoten nur vorsichtig erhöhen. Die Aachen Münchener zum Beispiel bewegt sich nach Angaben von Finanzvorstand Jochen Petin in einem Korridor zwischen 5 und 8 Prozent, obwohl sie sich mit ihren Sicherheitsmitteln mehr erlauben könnte. Derzeit liege die Quote bei 7 Prozent. „Wir sind damit derzeit zufrieden und denken nicht, daß Aktien einen so großen Sprung machen, daß wir unseren festgelegten Korridor verändern müssen“, sagt Petin.

          Attraktive Anlagealternative

          Die Aachen Münchener Lebensversicherung verwaltet Kapitalanlagen im Wert von 17 Milliarden Euro. Der Marktführer Allianz Leben legt sich nicht fest, ob die Aktienquote noch weiter erhöht werden soll. Allerdings liegt sie hier ohnehin schon weit über dem Marktdurchschnitt von 9,5 Prozent. „Unsere Aktienquote lag Ende 2004 bei 14,3 Prozent und ist durch die freundliche Aktienmarktentwicklung seit Jahresbeginn weiter gestiegen“, sagt Maximilian Zimmerer, Finanzvorstand der Allianz Leben. Aktien seien auch nach dem Kursanstieg noch günstig bewertet und nicht nur im Hinblick auf die niedrigen Zinsen eine attraktive Anlagealternative.

          Damit nennt Zimmerer einen wichtigen Beweggrund für die verstärkte Anlage auf den Aktienmärkten. Mehr als 80 Prozent der Anlagen der Lebensversicherer sind Anleihen und andere Zinsprodukte. Auslaufende Titel müssen heute bei einer zehnjährigen Bindung für 3,1 Prozent angelegt werden. Die Versicherer garantieren ihren Kunden jedoch eine deutlich höhere Verzinsung. Die Garantie beträgt je nach Datum des Vertrages 2,75 bis 4 Prozent, und der Durchschnitt liegt bei etwa 3,6 Prozent.

          Der Druck wächst

          Bleibt es für lange Zeit bei den niedrigen Anleihezinsen und diesem Mißverhältnis, wächst der Druck auf die Lebensversicherer. Das bedeutet nach Einschätzung von Wolfgang Stertenbrink, Vorstandsmitglied der Alte Leipziger Leben, aber nicht, daß die Aktienquote unbegrenzt erhöht werden sollte. „Lebensversicherungen sind wegen der Garantie in erster Linie ein Zinsprodukt“, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz seiner Gesellschaft. Deshalb sollten Aktien nur eine Beimischung sein. „Wir wollen damit das Sahnehäubchen für unsere Kunden verdienen.“

          Diese Meinung vertritt die Debeka in Reinform. Ihr Lebensversicherer hat eine Aktienquote von 0,5 Prozent und will davon auch nicht abrücken, wie Finanzvorstand Rolf Florian verspricht. Ihm kommen allenfalls Aktien mit hoher Dividendenrendite ins Portefeuille. Mit dieser Strategie hat der auf Beamte spezialisierte Versicherungsverein, der seinen Kunden gehört, die Kapitalmarktkrise gut überstanden und gilt heute als einer der finanzstärksten Lebensversicherer.

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