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Versicherungen : Das Ende der Bewunderung

Das Hilfspaket für AIG beläuft sich mittlerweile auf fast 150 Milliarden Dollar Bild: REUTERS

Der amerikanische Versicherungsriese AIG war einst das Vorbild für die Münchner Allianz. Das hat sich nach dem Niedergang des New Yorker Konzerns geändert. Aber Schadenfreude ist nicht angebracht.

          6 Min.

          Amerika war das große Vorbild. Die Assekuranz im Rest der Welt blickte zu einem Versicherer auf mit dem stolzen Namen American International Group Inc., kurz AIG. Solide, gut geführt und konservativ – so lauteten noch vor wenigen Jahren die üblichen Attribute. Auch die Münchner Allianz, nicht minder solide und konservativ, wollte dem im New Yorker Finanzdistrikt beheimateten Konkurrenten einst nacheifern.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.
          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Geschichte. AIG, gemessen am Börsenwert lange der größte Versicherungskonzern der Welt, ist einer der größten Verlierer der Finanzkrise. Die Aktien von AIG, die bei ihrem Rekordhoch kurz nach der Jahrtausendwende noch mehr als 100 Dollar kosteten, sind zum Penny-Stock deklassiert worden: Der Kurs pendelt nur noch um 50 Cent. Noch im Jahr 2004 war der Konzern in den Dow-Jones-Index aufgenommen worden, eine Art Ritterschlag für amerikanische Unternehmen. Nach dem Beinahe-Kollaps im vorigen Jahr wurde AIG umgehend wieder aus dem elitären Klub entfernt.

          Die Abwärtsspirale hält an

          Die amerikanische Regierung musste die Versicherung, die wegen ihrer Geschäfte in Zusammenhang mit Hypothekenanleihen Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vornehmen musste, schon zwei Mal stützen, um eine Insolvenz zu verhindern. Das Hilfspaket für AIG beläuft sich mittlerweile auf fast unvorstellbare 150 Milliarden Dollar. Aber die Abwärtsspirale hält trotzdem an. AIG verhandelt mit der Regierung derzeit über Erleichterungen beim Rettungspaket. Denn AIG wird für das vierte Quartal wahrscheinlich einen gigantischen Verlust von 60 Milliarden Dollar ausweisen. Das wäre ein Rekord in der amerikanischen Unternehmensgeschichte. Die genauen Zahlen wird Konzernchef Edward Liddy am kommenden Montag präsentieren.

          Allianz-Chef Michael Diekmann hingegen hat seine niederschmetternde Bilanz schon vorgelegt. Ein Jahresverlust von 2,4 Milliarden Euro ist zwar kein Rekord in der 119 Jahre währenden Geschichte der Allianz. Aber es ist erst der zweite Verlust überhaupt. Schuld hat, daran lässt Diekmann in der Bilanzpressekonferenz keinen Zweifel, die Dresdner Bank. Das von seinem Vorgänger Henning Schulte-Noelle für 25 Milliarden Euro gekaufte Geldhaus hat Diekmann mit Hilfe des deutschen Steuerzahlers an die Commerzbank verscherbelt – für 5,1 Milliarden Euro.

          „Zur Dresdner Bank habe ich in aller Demut alles gesagt“

          Jetzt muss er sich für die Kapitalvernichtung rechtfertigen: Mürrisch lässt Diekmann das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen – bloß nicht lächeln. Zu schlecht sind die Nachrichten, die er zu verkünden hat. „Wir müssen heute eingestehen“, sagt Diekmann, „dass wir es nicht hinbekommen haben, unsere Ambitionen zu verwirklichen, mit der Dresdner Bank einen Allfinanzkonzern zu schmieden.“ Zwanzig Minuten redet er. Immer wieder wird Diekmann von Journalisten zu dem traurigen Kapitel befragt. Als nach zwei Stunden ein Reporter wissen will, ob der Kauf der Dresdner ein Fehler war, implodiert Diekmann. „Zur Dresdner Bank“, entfährt es ihm, „habe ich jetzt in aller Demut alles gesagt.“

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