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Versicherer : Der Machtkampf bei Generali spitzt sich zu

Generali-Vorstand Philippe Donnet beim Aktionärstreffen in Trieste. Bild: Reuters

Der Verwaltungsrat des italienischen Versicherers ist gespalten. Hintergrund ist ein länger währender Streit zweier Großaktionäre. Die Generali-Spitze will nun mit Milliarden-Ausschüttungen die Anteilseigner überzeugen.

          3 Min.

          Der „Löwe von Triest“ brüllt nicht mehr mit einer Stimme. Der italienische Versicherer Generali, der wegen seines Wappentiers und seines Geburtsortes in Italien gern so genannt wird, hat einen neuen Dreijahresplan beschlossen – doch nicht einstimmig. Laut mancher italienischer Medien ist der Verwaltungsrat des Finanzkonzerns zum ersten Mal in seiner Geschichte gespalten. Angesichts einer Konzernhistorie von 190 Jahren ist das eine kühne These, die das Unternehmen nicht bestätigen will, doch bemerkenswert ist es allemal, dass am Mittwochabend zwei gewichtige Stimme im Verwaltungsrat offen ihre Opposition angemeldet haben: Es handelt sich um den Luxuswaren-Unternehmer Leonardo Del Vecchio, dem Großaktionär des Brillenherstellers Essilor-Luxottica, sowie um den Bauunternehmer und Verleger Francesco Gaetano Caltagirone.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Seit etlichen Monaten bekämpfen sie den französischen Generali-Vorstandsvorsitzenden Philippe Donnet. Auf der Hauptversammlung am 29. April nächsten Jahres wollen sie ihn stürzen. Sie geben dafür Meinungsverschiedenheiten über die Strategie an, doch vermuten interne Kenner auch erhebliche persönliche Animositäten. Die Generali-Führung um Donnet kann die Angriffe nicht ignorieren, denn Del Vecchio und Caltagirone sind die zweit- und drittgrößten Aktionäre des Unternehmens.

          Mehr Geld für Anteilseigner geplant

          So sieht der neue Strategieplan, den Generali am Mittwoch in Mailand präsentierte, satte Profitsteigerungen sowie Milliarden-Ausschüttungen an die Aktionäre vor. Der Nettogewinn je Aktie soll bis zum Jahr 2024 jährlich um 6 bis 8 Prozent wachsen, das Unternehmen will bis zu 5,6 Milliarden Euro an Bardividenden an die Aktionäre ausschütten sowie gleichzeitig Schulden abbauen, in die Digitalisierung investieren und unter Umständen auch bedeutende Übernahmen angehen. „Diese ehrgeizigen Ziele und Initiativen sind möglich, weil wir unseren vorherigen Strategieplan erfüllt haben“, sagte Donnet, der seit dem Jahr 2016 an der Generali-Spitze amtiert. Die Früchte des alten Planes für die Jahre 2018 bis 2021 könnten die Aktionäre nun ernten: Generali werde einen Aktienrückkauf von 500 Millionen Euro starten – den ersten seit 15 Jahren. Der Versicherer will somit bis zu 6,1 Milliarden Euro den Anteilseignern zukommen lassen; das ist rund ein Drittel mehr als in den vergangenen drei Jahren.

          Konzernchef Donnet will es den Aktionären damit schwer machen, sich von ihm abzuwenden. Der Franzose strebt im April eine dritte Amtszeit an und weiß den größten Generali-Aktionär, die italienische Bank Mediobanca, hinter sich. Doch Mediobanca hält lediglich 13 Prozent des Kapitals und aufgrund einer Wertpapieranleihe 17 Prozent der Stimmrechte, während die Rebellen Del Vecchio und Caltagirone mit einer verbündeten Stiftung schon auf gut 15 Prozent der Kapitalanteile kommen. Wie die übrigen Aktionäre im April stimmen, ist noch unklar.

          Was sind die Hintergründe des Machtkampfes?

          Am Mittwoch ist die Überzeugungskraft des Vorstandsvorsitzenden auf jeden Fall an Grenzen gestoßen: Von den 13 Mitgliedern im Verwaltungsrat blieb einer der Sitzung bewusst fern – es handelt sich um den Vertreter von Del Vecchio – während der andere Opponent, der anwesende Unternehmer Caltagirone, gegen den Plan stimmte. Die Hintergründe für den Machtkampf liegen teilweise im Dunkeln. Die Kritiker Del Vecchio und Caltagirone werfen Generali ziemlich unkonkret „mangelnden Ehrgeiz“ vor, nicht zuletzt auch bei Übernahmen. Asien sei ein unbeackertes Feld. Der Abstand zu den beiden größten Konkurrenten, Allianz aus Deutschland und Axa aus Frankreich, lasse sich so nie schließen.

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          Doch jenseits strategischer Differenzen erinnern manche Beobachter auch an einen alten Streit zwischen Del Vecchio und dem Mediobanca-Chef Alberto Nagel: Dieser hatte vor drei Jahren eine Spende Del Vecchios für ein Mailänder Krebsforschungszentrum von 500 Millionen Euro abgelehnt. Mediobanca ist der größte Finanzier des Zentrums. Del Vecchio – der als reichster Mann Italiens gilt, sich aber nie für Finanzunternehmen interessierte – stieg daher angeblich aus Verbitterung auch bei Mediobanca mit 20 Prozent ein und führe nun bei Generali eine Art Stellvertreter-Krieg.

          Die Generali-Spitze entgegnet auf die Kritik, dass sie die Ziele des einst auch von Del Vecchio und Caltagirone befürworteten Strategieplanes erfüllt habe. Akquisitionen seien eine Möglichkeit, doch nur, wenn man strategisch und kulturell zusammenpasse, betonte Donnet am Mittwoch. Größe alleine könne nicht das Ziel sein. Generali hat unter seiner Führung keine großen Zukäufe vorgenommen. Jüngstes Objekt war der italienische Versicherer Cattolica, dessen mehrheitliche Übernahme sich Generali 1,2 Milliarden Euro kosten ließ. Damit baut der Konzern seine Marktführerschaft in Italien aus.

          Generali betont, dass der Abstand zu den Konkurrenten Allianz und Axa unter Donnet geschrumpft sei und die Aktionäre in dem italienischen Unternehmen besser fahren. Seit der Franzose sein Amt antrat, hätten die Anteilseigner von Generali laut des Datenunternehmens Refinitiv eine Gesamtrendite auf ihre Aktien von 111 Prozent genossen, während es im Falle der Allianz nur 66 Prozent und bei Axa nur 45 Prozent waren.

          Daher will Generali seinen bisher eingeschlagenen Kurs fortsetzen, aber schneller werden und einige Akzentverschiebungen vornehmen. Das Geschäft in der Unfall- und Schadenversicherung sowie in der Vermögensverwaltung soll ausgebaut werden. Die Aktie notierte am Mittwoch leicht im Plus.

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