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Versicherer : Versicherer wehren sich gegen Fitch

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In der Versicherungsbranche formiert sich der Widerstand gegen die Marketingstrategie der Ratingagentur Fitch. Der Kreditbewerter hat in der vergangenen Woche einige hundert Briefe an deutsche Lebens-, Kranken- und Sachversicherer versendet und damit viele Vorstände verärgert.

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          In der Versicherungsbranche formiert sich der Widerstand gegen die Marketingstrategie der Ratingagentur Fitch. Der Kreditbewerter hat in der vergangenen Woche einige hundert Briefe an die Vorstände der deutschen Lebens-, Kranken- und Sachversicherer versendet. Darin wird die Veröffentlichung sogenannter "Q-Ratings" oder quantitativer Finanzstärke-Ratings angekündigt, die allein auf öffentlichen Daten basieren.

          "Wir empfinden solche Briefe als aufdringlich", sagt Wolfgang Stertenbrink, Vorstandsvorsitzender beim Krankenversicherer Alte Leipziger. Fitch hat sich schon in den vergangenen Jahren mit der Assekuranz angelegt, als die Agentur auf den Geschäftszahlen der vergangenen Jahre basierende Streßtests veröffentlichte. Nun wird der Druck erhöht. Fitch übersetzt diese für viele Versicherer unerfreulichen Ranglisten in Ratings, die der Notation der offiziellen interaktiven Ratings ähnelt. Die Versicherungsunternehmen ärgern sich über dieses Vorgehen, weil allein aufgrund der veröffentlichten Daten zum Beispiel die wirkliche Ausstattung mit Reserven nicht zu beurteilen sei.

          "Uns geht es darum, Transparenz in den Markt zu bringen", entgegnet Jens Schmidt-Bürgel, der die deutsche Niederlassung von Fitch leitet. Dieses Streben ist allerdings auch von eigenen Interessen begleitet. Ziel von Ratingagenturen wie Fitch ist es, im Auftrag der Versicherer interaktive Ratings zu erarbeiten. Bei diesen Analysen werden auch Gespräche mit dem Management geführt und zum Beispiel die Finanzstärke von Muttergesellschaften berücksichtigt. Solche Ratings kosten rund 50 000 Euro im Jahr.

          Die Ankündigung der Q-Ratings hat einen schlechten Beigeschmack, denn nicht alle Versicherer kommen auf diese Liste. Wer schon ein interaktives Rating von Fitch hat oder in Kürze eines bekommt, ist aus dem Schneider. "Das ist ein freies Land. Jeder kann Ranglisten veröffentlichen", sagt Frans van de Veer, Vorstandsvorsitzender der Berlinischen Leben. "Aber dann sollten auch alle Marktteilnehmer draufstehen." In dem Fitch-Brief an die Vorstände räumt Schmidt-Bürgel selbst ein, daß er sich "sehr wohl der Beschränkungen bewußt" ist, "die mit einem rein quantitativen Ratingansatz einhergehen". So würden zum Beispiel die Qualität des Managements oder die Beziehungen zu Muttergesellschaften nicht berücksichtigt. Schmidt-Bürgel hat sich vom Zorn der Versicherer offenbar beeindrucken lassen. Die eigentlich für die vergangene Woche geplante Veröffentlichung der Q-Ratings wurde um drei Wochen verschoben. In dieser Zeit solle das Modell den Versicherern erläutert werden. Der Streit dürfte sich fortsetzen, da Fitch weiterhin plant, nach den Erklärungswochen die Liste zu veröffentlichen. (ruh.)

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