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Versicherer / Banken : Allianz steigt bei Chinas größter Bank ein

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Der Münchener Finanzkonzern schafft sich eine Basis für seine Expansion in China. Mit Goldman Sachs und American Express beteiligt sich die Allianz beim größten Bankhaus des Landes ICBC. Der Schritt kostet den Konzern eine Milliarde Dollar.

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          Die Allianz steigt im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zusammen mit Goldman Sachs und American Express bei Chinas größtem Bankhaus ICBC ein.

          Der Münchener Finanzkonzern zahle für einen Anteil in Höhe von 2,5 Prozent rund eine Milliarde Dollar (umgerechnet etwa 819 Millionen Euro), sagte eine Sprecherin von Deutschlands größtem Versicherer am Freitag. In einer Mitteilung hieß es, die Allianz werde künftig der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) unter anderem Bank- und Versicherungsprodukte für ihre Kunden zur Verfügung stellen. “China ist ein strategischer Markt für die Allianz und diese Partnerschaft betont unser langfristiges Engagement“, erklärte Allianz-Chef Michael Diekmann. Der Einstieg sei die Basis für die strategische Expansion in China.

          Die Allianz-Aktie profitierte von der Nachricht und legte im frühen Handel gut zwei Prozent zu.

          Finanzkreisen zufolge werden die drei Partner zusammen künftig mit zehn Prozent an ICBC beteiligt sein, die in China auf einen Marktanteil von etwa 20 Prozent kommt. Die chinesische Bank selbst kündigte an, neue Aktien für den Einstieg der drei Finanzkonzerne auszugeben.

          Bereits im Sommer 2005 war bekannt geworden, daß Allianz, Goldman Sachs und American Express (AmEx) für einen Anteil von rund zehn Prozent an ICBC bieten wollten. Damals hieß es, eine nicht bindende Absichtserklärung sehe einen Preis von mehr als drei Milliarden Dollar vor. Zuletzt war den chinesischen Behörden allerdings vorgeworfen worden, Anteile der China Construction Bank zu günstig verkauft zu haben.

          Die nun bezahlten 3,78 Milliarden Dollar bewerteten Experten als strategischen Preis, äußerten sich aber grundsätzlich positiv. “Die Allianz hat nur einen 2,5-prozentigen Anteil“, sagte WestLB-Analyst Carsten Zielke. “Sie schaffen sich Möglichkeiten, aber ich sehe keine Auswirkung auf das Ergebnis.“ HVB-Analyst Lucio di Geronimo sagte, es lägen noch zu wenig Daten vor, um den von der Allianz gezahlten Preis ernsthaft zu bewerten. “Es scheint eine relativ hohe Kapitalbindung für zunächst einmal wohl eher geringe Prämieneinnahmen zu sein“, sagte er. “Aber man muß das als langfristigen strategischen Schritt zur Erschließung des chinesischen Marktes sehen.“

          China ist auf der Suche nach ausländischem Kapital und Expertise, um das zum Teil angeschlagene staatliche Bankensystem zu modernisieren. Goldman Sachs etwa wird ICBC bei der Weiterentwicklung des Risiko-Managements und interner Kontrollmechanismen unter die Arme greifen. Zudem helfen die Amerikaner bei der Vermögensverwaltung, der Refinanzierung, dem Investmentbanking und dem Verkauf fauler Kredite aus. In ICBC-Kreisen hieß es, Goldman Sachs zahle 2,58 Milliarden Dollar für einen Anteil in Höhe von sieben Prozent. American Express lege hingegen lediglich 200 Millionen Dollar auf den Tisch. Der Kreditkartenanbieter will seine bereits bestehende Zusammenarbeit mit ICBC ausbauen.

          Die Allianz erschließt sich mit dem ICBC-Einstieg einen der wohl größten Märkte für Versicherungs- und Vorsorgeprodukte - auch wenn das Potential Analysten zufolge kurzfristig eher gering ist. Analyst Zielke zufolge verdient ein Chinese im Schnitt lediglich 1300 Dollar pro Jahr. “China steht bei der Altersvorsorge vor den gleichen Herausforderungen die Europa derzeit hat“, sagte eine Allianz-Sprecherin. “Wir gehen davon aus, daß die Nachfrage nach Altersvorsorge-Produkten mindestens so stark wie hier wird.“ Der ICBC-Einstieg sei deshalb ein Quantensprung bei der Erschließung Chinas.

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