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Verschärfte Berichtspflichten : Die EU macht Unternehmen zu Gehilfen

  • -Aktualisiert am

Unzählige Aktenorder in Regalen Bild: Patrick Slesiona

Europa hat sich ehrgeizige Umweltziele gegeben. Um diese zu erreichen, verpflichtet die Kommission die Wirtschaft zu einer immer umfangreicheren Berichterstattung.

          7 Min.

          Die EU intensiviert die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Im anstehenden Jahr 2021 und in den darauf folgenden Jahren kommen seitens der Europäischen Union viele Neuerungen auf Unternehmen zu, die zu einer (aus Unternehmensperspektive schmerzlichen) Ausweitung der gesetzlich verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung führen werden. Dies betrifft aller Voraussicht nach (1) den Umfang der Nachhaltigkeitsberichterstattung, (2) die Form der digitalen Bereitstellung, (3) die externe Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung sowie (4) die Ausweitung des Kreises der zur Berichterstattung Verpflichteten.

          Für die Stakeholder ermöglicht das zwar eine intensivere Kontrolle der Nachhaltigkeitsaktivitäten von Unternehmen. Letztlich profitieren sie aber auch nur dann davon, wenn die Unternehmen mit der Umsetzung der Anforderungen nicht überfordert sind und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung daraus resultieren.

          Bereits nach derzeitigem Stand sind die Regelungen aber auslegungsbedürftig und unübersichtlich gestaltet. Zwar finden sich durchaus Unternehmen, denen eine rechtskonforme und zweckmäßige Nachhaltigkeitsberichterstattung zuzusprechen ist. Als Positivbeispiele lassen sich etwa die nichtfinanziellen Berichterstattungen von Unternehmen wie BMW, DPDHL (Deutsche Post), Henkel oder Volkswagen anführen. Allerdings fällt das Bild bei einer Gesamtbetrachtung deutlich negativer aus. Die Bedenken über eine Ausweitung der Nachhaltigkeitsberichterstattung sind darum nicht von der Hand zu weisen. Geäußert werden diese nicht nur von diversen Verbänden, sondern auch von den Unternehmen – darunter Siemens – selbst.

          Nichtfinanzielle Kennzahlen prägen die Kapitalbeschaffung

          Mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung werden – in Abgrenzung zur Finanzberichterstattung – nichtfinanzielle Elemente (CO2-Ausstoß oder Wasserverbrauch) in die Berichterstattung aufgenommen. Die nichtfinanziellen Leistungsindikatoren stehen allerdings nicht unabhängig von den finanziellen Größen, zum Beispiel vom Ergebnis eines Unternehmens. Die aktuellen Regulierungen untermauern die Bedeutung nichtfinanzieller Leistungsindikatoren, unter anderem indem die Kosten und Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung deutlich mehr vom Erreichen nichtfinanzieller Kennzahlen geprägt sein werden.

          So sollen Investorenentscheidungen stärker auf Basis von nichtfinanziellen Leistungsindikatoren erfolgen. Mit der Ausweitung der nichtfinanziellen Berichterstattung sind allerdings auch Kosten verbunden. Es entstehen Kosten für eine – bislang nicht verpflichtend vorgesehene – externe Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung durch Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Dazu kommt der Mehraufwand für die Erstellung der nichtfinanziellen Berichte und für die Umsetzung der damit im Unternehmen verbundenen Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung.

          Die verstärkte Anknüpfung der Kapitalkosten an der Nachhaltigkeitsberichterstattung offenbart sich bei einer Betrachtung der Anforderungen, die neuerdings an Finanzunternehmen bei der Festlegung ihrer Investitionsentscheidungen herangetragen werden. Entsprechende EU-Verlautbarungen drängen Finanzunternehmen dazu, bei Investitionsentscheidungen Nachhaltigkeitsbelange in ihre Prozesse zu integrieren und deren Kunden davon in Kenntnis zu setzen. Im Fokus steht hierbei die ökologische Nachhaltigkeit. Die beiden Nachhaltigkeitsschwerpunkte „Soziales“ und „Governance“ erlangen derzeit noch einen vergleichsweise geringen Stellenwert, sind allerdings bereits Gegenstand weiterführender (Reform-)Überlegungen.

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