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Versandhandel : Quelle droht die „Insolvenz in der Insolvenz“

  • Aktualisiert am

Mehr als 100 Berater hat die Bundesagentur für Arbeit bei Quelle zusammengezogen Bild: dpa

Die schlechten Nachrichten über Quelle reißen auch am letzten Arbeitstag von mehr als 2000 Beschäftigten nicht ab: Die letzten Lieferanten des Versandhändlers dürften leer ausgehen. Außerdem hatte DHL zwischenzeitlich die Auslieferung der Ware gestoppt. Die soll jetzt aber wieder weiter gehen.

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          Die letzten Lieferanten des vor der Abwicklung stehenden Versandhauses Quelle drohen leer auszugehen. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg prüft, beim Amtsgericht die sogenannte Masseunzulänglichkeit für Quelle zu beantragen. „Das ist eine vom Gesetzgeber vorgesehene Maßnahme zur Liquidierung eines Unternehmens“, bestätigte Görgs Sprecher am Donnerstagabend. „Das muss auch diskutiert werden.“

          Bei der auch als „Insolvenz in der Insolvenz“ bekannten Masseunzulänglichkeit werden Lieferanten, die nach Eröffnung der Insolvenz Waren geliefert haben, mit den Gläubigern aus der Zeit vor der Zahlungsunfähigkeit gleichgestellt und nicht mehr bevorzugt.

          Die Notwendigkeit dieser Maßnahme hänge vom Verlauf des Ausverkaufs ab, der Anfang November bei Quelle beginnen soll, sagte der Sprecher. Vorsorglich seien die Lieferanten in einem Brief auf einen möglichen Liquiditätsengpass hingewiesen worden. In dem Schreiben heißt es, Quelle könne zwei Gutachten zufolge „absehbar in eine sehr kritische Liquiditätssituation geraten“. Daher werde „geprüft, ob die laufenden Bestellungen bezahlt werden können“. Wird den Lieferanten dadurch die Lage zu unsicher, können sie ihre Ware auch wieder bei Quelle abholen.

          Die Personalabteilung informiert
          Die Personalabteilung informiert : Bild: dpa

          Bankenkreisen zufolge hatte Görg kürzlich noch erklärt, Quelle habe mehr als ausreichend Geld für die Abwicklung des Ausverkaufs von 18 Millionen Waren. Insolvenzverwalter haften mit ihrem Privatvermögen für die von ihnen betreuten Firmen.

          Görgs Sprecher wies allerdings einen Zusammenhang zwischen einer möglichen Geldknappheit und der Einstellung der Vorfinanzierung von Ratenkrediten an Quelle-Kunden durch die Valovis Bank, die Commerzbank und die BayernLB am 19. Oktober zurück, von dem die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte. Davon sei in dem Brief nichts erwähnt, betonte er. Beim Ausverkauf soll ein Zahlungsziel von 14 Tagen gelten. Damit verliert das sogenannte „Factoring“ an Bedeutung. Beim Factoring gibt Quelle die Kundenforderungen gegen Provision an eine Bank weiter, die die offenen Beträge im Gegenzug vorfinanziert. Bisher konnten Quelle-Kunden die Rechnung über bis zu 18 Monate abstottern.

          DHL nimmt Versand von Quelle-Waren wieder auf

          Die Post hat unterdessen bekannt gegeben, dass ihre Tochtergesellschaft DHL die zwischenzeitlich
          eingestellte Auslieferung von Quelle-Produkten wieder aufnimmt. Post-Chef Frank Appel sagte am Freitag nach Verhandlungen mit Quelle und dem Insolvenzverwalter: „Nachdem jetzt sichergestellt ist, dass unsere Dienstleistungen bezahlt werden, fahren wir ab heute den Service wieder hoch und erbringen wie gewohnt die Leistungen.“

          DHL hatte nach Angaben eines Sprecher den Versand eingestellt, um Schaden vom eigenen Unternehmen abzuwenden. Eine Fortsetzung des Lieferstopps hätte den geplanten Ausverkauf bei Quelle gefährdet, bei dem der insolvente Versandhändler in den nächsten Wochen die noch verbliebenen 18 Millionen Artikel losschlagen will.

          Etwa 1100 Quelle-Beschäftigte sollen für den Ausverkauf der 18 Millionen Lagerartikel vorerst weiter beschäftigt werden. Welche Mitarbeiter dies seien und wo sie eingesetzt werden sollen, sei leider immer noch unklar, kritisierte der Quelle-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel: „Es ist bisher noch keine Struktur für den Abverkauf erkennbar.“

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