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Versammlung in Essen : Arcandor-Gläubiger fordern 19 Milliarden

  • -Aktualisiert am

Das größte Insolvenzverfahren der Geschichte geht in eine neue Runde Bild: dpa

Schlechte Karten für die Gläubiger des insolventen Arcandor-Konzerns: Die Ansprüche von 19 Milliarden Euro werden nur im Promille-Bereich befriedigt. Dem früheren Chef Thomas Middelhoff sei dank. Er hat vor seinem Abgang das Vermögen ausgekehrt.

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          Am vergangenen Freitagabend sorgte im selben Saal noch die Big-Band der Bundeswehr auf dem Landesmedienball für ausgelassene Stimmung. Drei Tage später ist in die Essener Grugahalle Nüchternheit eingekehrt. Von Partylaune konnte keine Rede sein. Denn am Montagnachmittag zog Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in der von dem zuständigen Amtsgericht Essen einberufenen Gläubigerversammlung eine erste Zwischenbilanz über die größte Unternehmenspleite in der Nachkriegsgeschichte - die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor mit den großen Tochtergesellschaften Karstadt und Quelle. Görg machte den Anwesenden wenig Hoffnung, dass sie viel von ihrem Geld wiedersehen werden. Die Quote der Schuldnerin werde wegen der geringen Vermögenswerte und der infolge von Ergebnisabführungsverträgen mit den Tochtergesellschaften „stark aufgeblähten Passivseite“ im unteren Promille-Bereich liegen.

          Das heißt, für je 1000 Euro Forderungen wird es am Ende wohl allenfalls wenige Euro geben. Dabei sind die Aussichten für die Gläubiger der Holding offenbar schlechter als für die Gläubiger der operativen Gesellschaften. Nach Auskunft des Amtsgerichts Essen sind für den gesamten Komplex Forderungen über 19 Milliarden Euro angemeldet, davon betreffen rund 15 Milliarden Euro die Holding, 2,6 Milliarden Euro Karstadt und rund 1,7 Milliarden Euro Quelle. Ob alle Forderungen berechtigt sind, steht dahin. Größte Gläubiger der Obergesellschaft sind wegen der körperschafts- und umsatzsteuerlichen Organschaft die Finanzbehörden. Auf sie entfällt knapp die Hälfte der Ansprüche. Zur Auftaktveranstaltung, in der es zunächst um die Holding Arcandor AG ging, waren nur wenige Dutzend Gläubiger erschienen. In dem auch für Hauptversammlungen großer Dax-Konzerne ausgelegten Saal füllten sie nicht einmal die ersten Reihen. Am Dienstag und Mittwoch, wenn es um Karstadt und Quelle geht, werden deutlich mehr Teilnehmer erwartet.

          37 einzelne Verfahren

          Görg beleuchtete die Gründe der Insolvenz und berichtete über seine Tätigkeit im bisherigen Verfahren. Das Schicksal des Konzerns sei zum Zeitpunkt der Insolvenz weniger durch die Lage bei Karstadt als vielmehr die angespannte Situation bei Quelle geprägt gewesen, blickte er zurück. Eine Liquidation des Versenders schon im Sommer 2009, als die Kassen völlig leer waren, wäre allerdings eine noch größere Katastrophe für die Gläubiger gewesen. Denn heute stünden im Gegensatz zum damaligen Zeitpunkt bei Quelle erheblichen Schulden auch Geldmittel gegenüber, machte er Gläubigern etwas Hoffnung.

          Görg kündigte an, dass wohl auch die heute noch rund 90 beschäftigten Mitarbeiter in der Konzern-Holding ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Bis die Veräußerungsprozesse der noch verbliebenen Aktivitäten wie Karstadt oder einiger verbliebener Quelle-Tochtergesellschaften abgeschlossen sind und die zentralen Funktionen der Schuldnerin für die jeweiligen Konzernbereiche auf diese übergeleitet wurden, werde ihr Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten. Die Gläubigerversammlung beschloss die Auflösung der Holding. Er versprach eine ordnungsgemäße Abwicklung. Mit 52 Millionen Euro auf den Konten gebe die Kassenlage das her.

          Insgesamt hängen an der Arcandor-Pleite 37 einzelne Verfahren, für die in den nächsten Wochen weitere Gläubigerversammlungen anberaumt sind. Die Liste der Gläubiger, die ihre Ansprüche bei Gericht angemeldet haben, ist mit rund 50.000 Anspruchsberechtigten angesichts der großen zahl der Lieferanten ungewöhnlich lang. Doch ist die Zahl erheblich geringer, als sie Görg bis zuletzt noch mit 75.000 Gläubigern beziffert hatte. Allein im Rahmen der Karstadt-Insolvenz haben sich mehr als 33.000 Gläubiger gemeldet. Auch die Bundesagentur für Arbeit, das Finanzamt, die Banken und Kreditversicherungen gehören zu den Gläubigern; ebenso viele Mitarbeiter, die noch Ansprüche auf Sonderzahlungen oder Boni haben.

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