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Wohnraumportal : In Berlin vermittelt Airbnb vor allem in Friedrichshain 

Berlin-Friedrichshain: Ein Viertel, in dem Airbnb besonders stark ist. Bild: Picture-Alliance

Das Wohnraumvermittlungsportal Airbnb hat erstmals Zahlen zu seinem Deutschland-Geschäft vorgelegt. Es will den Vorwurf entkräften, für höhere Mieten mitverantwortlich zu sein.

          Das Wohnraumvermittlungsportal Airbnb verordnet sich mehr Transparenz und legt erstmals konkrete Zahlen zu seinem Deutschland-Geschäft offen. In Berlin, dem wichtigsten Airbnb-Markt hierzulande, listet das Portal 13.802 Herbergen auf, die online tageweise gebucht werden können. Das geht aus einer Studie hervor, die der F.A.Z. vorliegt. Werden nur komplette Wohnungen gezählt, die zwischen September 2013 und August 2014 für mindestens eine Nacht an Gäste vergeben wurden, kommt Airbnb auf 9467 Unterkünfte.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das zeigt, welches Gewicht das Portal in der Hauptstadt erreicht hat. Jede 200. der 1,8 Millionen Berliner Wohnungen ist mittlerweile bei Airbnb registriert. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Stadtteilen gewaltig. Während im populären Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mehr als jede 50. Wohnung zumindest zeitweise Airbnb-Nutzern offen steht, umfasst das Angebot in Spandau oder Marzahn-Hellersdorf nicht einmal jede 1000. Wohnung dort.

          Jeder dritte Eigentümer hat indes sein Angebot nicht bei den Berliner Bezirksämtern angezeigt, wie es seit Mai vorgeschrieben ist. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung meldeten Bürger 5980 Ferienwohnungen an. Obwohl die Airbnb-Zahlen höher sind, bleibt das Portal hinter Kritikerschätzungen zurück, die im Airbnb-Bestand bis zu 18.000 Adressen wähnten.

          Auswüchse wie in New York gibt es in Berlin nicht

          Größe will Airbnb auch gar nicht demonstrieren. Die neue Offenheit dient einem Ziel: Das Portal will Gegnern Paroli bieten, die das Vermittlungsgeschäft als Ursache für Wohnungsknappheit und den im Bundesvergleich schnelleren Anstieg von Mieten ausgemacht haben. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat sogar ein gesetzliches Zweckentfremdungsverbot beschlossen. Ab 2016 ist es untersagt, Privatwohnungen mehr als einmal im Jahr Urlaubern zu überlassen. Für das junge amerikanische Unternehmen, das große Expansionspläne hegt, wäre das ein herber Rückschlag. Noch ist Airbnb ein Zwerg gegenüber Hotels, deren Übernachtungsangebot an der Spree sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat. Für 2013 zählte das Statistische Bundesamt 136154 Betten in Hauptstadt-Hotels.

          „Airbnb hat keinen signifikanten Einfluss auf den Berliner Wohnungsmarkt“, ist Europa-Chef Christopher Cederskog überzeugt und führt eine bei dem Beratungsunternehmen Gewos in Auftrag gegebene Studie an. 1075 Wohnungen würden an mehr als 120 Tagen im Jahr vermittelt – 0,06 Prozent aller Berliner Wohnungen. „Unser Marktplatz ist weit davon entfernt, dass die gewerblichen Angebote überhandnehmen“, sagt Cederskog. Auswüchse wie in New York, wo Airbnb Anbieter verbannte, die Hunderte Apartments inserierten, gebe es in Berlin nicht.

          Für eine Korrektur des gesetzlichen Zweckentfremdungsverbots

          Die Gewos-Gutachter nennen „steigende Einwohner- und Haushaltszahlen bei einer bis vor kurzem noch geringen Neubautätigkeit“ als Hauptgrund für steigende Mieten. Die Bevölkerung sei 2013 durch Zuzüge von 42.000 Personen und durch einen Geburtenüberschuss um weitere 2000 gewachsen, zugleich kamen 6600 neue Wohnungen auf den Markt. Zudem monieren die Gutachter Leerstände, 7000 Sozialwohnungen seien unbewohnt. Die Senatsverwaltung bestätigt dies nicht, spricht von weniger als 5 Prozent Leerstand bei den Städtischen Wohnungsbaugesellschaften – was aber einer fünfstelligen Zahl an Wohnungen entspräche, die zweckfremd leer blieben.

          Airbnb-Manager Cederskog sieht daher Nutzer des Portals zu Unrecht am Pranger und fordert eine Korrektur des gesetzlichen Zweckentfremdungsverbots. „Berlin wollte die Zweckentfremdung von Wohnungen verbieten, nimmt nun aber Bürgern die Möglichkeit, gelegentlich Wohnungen anzubieten, die sowieso nicht auf dem Wohnungsmarkt wären“, sagt er.

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