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Verlagsgruppe in der Krise : Das katholische Weltbild

Reinhard Kardinal Marx Bild: dpa

Das Unternehmen Weltbild sucht nach einem Sinn im stationären Buchhandel – denn die Online-Kaufhäuser sind stärker. Was haben die Bischöfe mit ihrem Verlag vor?

          2 Min.

          Wie stets im Herbst kommen die katholischen Bischöfe Deutschlands (und der Apostolische Exarch der Ukrainer) von Montag an in Fulda am Grab des heiligen Bonifatius zu ihrer viertägigen Vollversammlung zusammen. Besonders erbaulich sind die Themen nicht, die dieses Mal auf der Tagesordnung der nicht öffentlichen Beratungen stehen. Da ist die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Dann gibt es mit dem Limburger Mitbruder Franz-Peter Tebartz-van Elst das ein oder andere ernste Wort zu wechseln wegen seiner Liebe zu großzügigen Bauvorhaben (und einigen anderen Dingen). Und dann sind die Bischöfe auch noch in ihrer Eigenschaft als kapitalistische Unternehmer gefordert.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn die Verlagsgruppe „Weltbild“ (Umsatz 1,59 Milliarden Euro, 6800 Mitarbeiter), die den Bischöfen gehört, will nicht zur Ruhe kommen und wird von ihren Eigentümern nur noch wenig geliebt. Das Unternehmen, das Filiale um Filiale eröffnet hat, steckt tief in der Suche nach einem Sinn im stationären Buchhandel – die Online-Kaufhäuser sind stärker. Zuletzt musste „Weltbild“ einräumen, im vergangenen Geschäftsjahr Verluste gemacht zu haben (einen Abschluss gibt es nicht); auch für das kommende Jahr sind die Aussichten nicht gut, „dauerhaft positive Ergebnisse“ werden frühestens vom übernächsten Jahr an erwartet, teilte die Geschäftsführung mit.

          Anfang September verlautete aus dem Verlag, man ringe um weiteres Eigenkapital von den Bischöfen und Fremdkapital von den Banken (F.A.Z. vom 10. September). Dass die Banken zögerlich sind, ist kein Wunder. Denn die Eigentümerstruktur des Verlags ist kompliziert, und die Interessen sind verworren: Gesellschafter sind zwölf deutsche Diözesen, der Verband der Diözesen und die Soldatenseelsorge in Berlin. Mit 13,2 Prozent ist das von Reinhard Kardinal Marx geführte Bistum München und Freising größter Einzelaktionär; dessen Generalvikar Peter Beer stellt den Aufsichtsratschef.

          Diffuse, verfahrene Situation

          Nachdem im Sommer 2012 nach langem Hin und Her (und der ewig debattierten Frage, ob erotische Literatur in das Sortiment eines religiösen Verlages gehöre) beschlossen wurde, sich vom Unternehmen zu distanzieren und es in eine Stiftung umzuwandeln (eine Lösung, die vor allem der Münchner Kardinal will), ist jetzt zu hören, einige Bischöfe hätten die Lust verloren und favorisierten den kompletten Verkauf. Als Antipode von Marx gilt wieder einmal der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Dass als Käufer für den Verlag, wenn überhaupt, am ehesten ein Finanzinvestor (eine „Heuschrecke“) in Frage kommen dürfte, schreckt Meisner offenbar nicht, falls er sich überhaupt über die Bietersituation Gedanken gemacht haben sollte.

          Nicht nur die Banken, auch Verlagsleitung und Mitarbeiter sind beunruhigt von der diffusen und verfahrenen Situation, die Kardinal Marx feinsinnig als „organisierte Unverantwortlichkeit“ beschreibt. „Aus Sicht der Geschäftsführung ist der Fortbestand von Weltbild sicher“, ließ das Unternehmen am vergangenen Donnerstag verlauten, verschwieg aber nicht, dass die Verhandlungen zur Refinanzierung noch lange nicht abgeschlossen sind. Als Zukunftsstrategie verkauft man den Umbau von Weltbild „zu einem Online- und Digitalgeschäft“.

          Was das heißt, ist über Allgemeinplätze hinaus („Standpunkt, Inszenierung, Aktualität und Auswahl“) nicht zu erkennen. Ebenfalls unklar ist, ob die ohnehin verschnupften Kirchensteuerzahler willens sind, ungefragt sich an der Finanzierung solcher Experimente zu beteiligen. Die Gewerkschaft Verdi jedenfalls beklagt die „nebulösen“ Äußerungen der Weltbild-Manager und sucht nun Trost bei den kirchlichen Eigentümern: „Wir erwarten den klaren Auftrag der Bischöfe, den Umbau ohne Personalopfer zu bewerkstelligen.“

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