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Verkehr : Pariser sollen sich Elektroautos teilen

Der ewige Stau täuscht: Nur 42 Prozent der Pariser sind motorisiert. Bild: Reuters

Nach dem Fahrradverleih hält nun die subventionierte Autovermietung in der Metropole Einzug. Der Industrielle Vincent Bolloré erhält den Zuschlag für das ökologische Auto-Teilen.

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          chs. PARIS, 16. Dezember. Nach "Vélib'" kommt "Autolib'". Dreieinhalb Jahre lang schon kombinieren die Pariser das Fahrradfahren ("Vélo") mit ihrer Sehnsucht nach Freiheit ("liberté"). Sie nutzen ein Netzwerk von Fahrradstationen, die im Abstand von rund 300 Metern voneinander jedermann das Ausleihen eines Drahtesels ermöglichen. Die erste halbe Stunde ist kostenlos.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Nun soll das System "Vélib'" auf Elektroautos übertragen werden. Bis zum Ende kommenden Jahres will der französische Unternehmer Vincent Bolloré mit Unterstützung der Stadt und umliegender Gemeinden ein Netzwerk von rund 1000 Autostationen aufbauen, an denen insgesamt 3000 Elektroautos ausgeliehen werden können. Bolloré, der sich ansonsten unter anderem im Geschäft mit Medien, Werbung und dem Meerestransport engagiert, erhielt am Donnerstag den Zuschlag der Stadt Paris. Der sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë setzt darauf, dass die meisten der rund 2,2 Millionen Stadtbewohner ein Auto nur gelegentlich brauchen. 58 Prozent sind nicht motorisiert. Im weiteren Großraum, wo das öffentliche Transportnetz weniger dicht ist, sind die knapp zehn Millionen Einwohner zwar öfter auf den eigenen Wagen angewiesen; dennoch wollen 37 Kommunen an dem Projekt teilnehmen.

          An der Einsparung von Schadstoffausstoß zweifelt niemand. Ein geteiltes "öffentliches" Auto ersetze vier bis acht private Fahrzeuge, schätzen Fachleute. Doch wie teuer kommt es die Stadt und den Betreiber? An einen rentablen Betrieb glaubt nur eine Minderheit, schon wegen der teuren Elektroautos. Der Pariser Vorort Montreuil verzichtet deshalb auf eine Teilnahme. La Rochelle im Südwesten Frankreichs dagegen praktiziert das Auto-Teilen seit mehreren Jahren. 50 Autos an sieben Stationen bringen dort jährlich Einnahmen von 130.000 Euro. Die Kosten lägen aber bei 300.000 Euro, berichtet die Stadt. "In zehn Jahren haben wir allerdings den Ausstoß von 20 Tonnen Kohlendioxid vermieden", sagt ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Nizza wird im nächsten Jahr ein ähnliches Projekt aufziehen.

          Will rund 1000 Autostationen aufbauen: Vincent Bolloré
          Will rund 1000 Autostationen aufbauen: Vincent Bolloré : Bild: AFP

          Lyon dagegen bietet seit sieben Jahren das Auto-Teilen mit benzinbetriebenen Fahrzeugen an - so wie zwei Dutzend weitere französische Städte. Der Jahresverlust von 200.000 Euro für das Betreiberkonsortium aus Kommune und einem Parkplatzanbieter soll in zwei Jahren verschwunden sein, heißt es in Lyon. Dort müssen die Autos freilich immer wieder zum Ausgangspunkt zurückgebracht werden, was die Betreiberkosten senkt. In Paris dagegen soll das nicht der Fall sein.

          Die benötigten Investitionen in der französischen Hauptstadt werden auf rund 200 Millionen Euro geschätzt, wovon 60 Millionen Euro von Bolloré kommen sollen. Paris will 35 Millionen Euro zuschießen, und die übrigen Kommunen wollen jede Parkstation mit 50.000 Euro subventionieren. Die Benutzergebühren, die noch nicht offiziell bestätigt sind, sollen recht niedrig ausfallen: Abonnementkosten von 12 Euro im Monat und dann etwa 5 Euro jeweils für die ersten drei halben Stunden Benutzung. Für längere Fahrten ist eine Tagesgebühr vorgesehen. F

          ragezeichen stehen noch hinter dem Elektroauto der Bolloré-Gruppe. Bisher ist ihr "Blue-Car" nicht erprobt, und die Allianz mit dem italienischen Konstrukteur Pininfarina steckt in Schwierigkeiten. Die Karosserie soll aus Italien, die Batterie aus der Bretagne kommen. Schließlich muss Autolib' auch ein Problem bewältigen, das dem Fahrradverleih Vélib' zu schaffen macht: der Vandalismus. Immer mehr Fahrräder werden mutwillig beschädigt und müssen ausgetauscht werden.

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