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Verkaufsstart des Tablet-Computers : „Seid ihr bereit für das iPad?“

Einer der ersten: Kunde mit Beute Bild: Reuters

Es war beileibe nicht der Zirkus, den das iPhone ausgelöst hatte, als es das erste Mal in die Läden kam. Trotzdem verhalf der Verkaufsstart des iPad am vergangenen Samstag Apples Aktienkursen zu neuen Höhenflügen.

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          Offenbar hält doch nicht jeder Mensch auf der Welt Steve Jobs für einen Heilsbringer. Der Vorstandschef von Apple hat am Samstag zum Verkaufsstart des Tablet-Computers iPad gerufen, und vor dem Laden an der New Yorker Fifth Avenue versammelt sich schon am frühen Morgen vor der Eröffnung eine Menge von ein paar hundert Menschen. Sie alle wollen zu den Ersten gehören, die das neue Gerät in Händen halten. Aber ein älterer Mann, der gegen sieben Uhr an der Schlange vorbeigeht, kann sich nur wundern. Mit bedrohlich klingender Weltuntergangsstimme ruft er der Menge zu: „Das iPad kann euch nicht erlösen, das iPad kann euch nicht erlösen.“

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hartgesottene Apple-Fans sind da vermutlich anderer Ansicht. Dennoch: Der Startschuss für das iPad gerät nicht annähernd zu dem Zirkus, den es vor knapp drei Jahren gab, als das Multimediahandy iPhone auf den Markt kam. Die Schlange füllt zwar einen großen Teil des Platzes vor dem berühmten Glaswürfeleingang zu dem unterirdischen Apple-Laden, aber beim iPhone zog sich die Schlange über mehrere Häuserblocks. Auch haben diesmal nicht Dutzende Menschen schon Tage vor dem Start vor dem Apple-Laden kampiert. Im Laufe des Freitags bildete sich ein kleines Grüppchen, aber der große Andrang beginnt erst in den Stunden vor der Öffnung des Ladens am Samstag um neun Uhr.

          Ähnliche Szenen werden auch aus anderen amerikanischen Städten gemeldet: Es gibt zwar zum Teil große Schlangen, aber alles spielt sich auf deutlich kleinerer Flamme ab als beim iPhone. Ein Grund dürfte darin liegen, dass man das iPad vorbestellen konnte - entweder um es im Laden abzuholen oder um es nach Hause geliefert zu bekommen.

          Einer der ersten: Kunde mit Beute Bilderstrecke
          Verkaufsstart des Tablet-Computers : „Seid ihr bereit für das iPad?“

          Selbst mancher Apple-Fan weiß nicht, wozu es gut sein soll

          Das iPad hat aber auch eine etwas schwierige Ausgangsposition: Selbst manchen Apple-Fans ist bislang nicht so ganz klar, wozu ein solcher Tablet-Computer gut sein soll und wozu man ihn braucht, wenn man schon einen Laptop und ein Smartphone wie das iPhone hat. Steve Jobs sagt, zwischen Laptop und Smartphone gebe es genug Platz für eine „dritte Kategorie“. Das iPad sei in vielen Dingen besser als die anderen Geräte, ob Internetnutzung, Videospiele, Fernsehsendungen und Filme oder digitale Bücher und Internetversionen von Zeitungen und Zeitschriften. Dan Chen gehört zu denen, die noch nicht so genau wissen, wo der Sinn des iPad liegt: „Das wird sich erst zeigen, wenn man es in der Hand hat und benutzt“, sagt der 35 Jahre alte Computerprogrammierer aus New York. Chen hat sich davon freilich nicht abhalten lassen, sich ebenfalls morgens um sieben Uhr vor dem Apple-Laden in die Schlange zu stellen. „Das Ding ist von Apple, also muss es gut sein.“

          Komiker David Letterman stellte die Sinnfrage für das iPad zwei Tage vor dem Verkaufsstart in seiner Fernsehshow auf die humoristische Art. Seine allabendliche Top-Ten-Liste bestand am Donnerstag aus Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man sich beim Apple-Laden in die Schlange für das iPad einreiht. „Was zur Hölle ist es eigentlich?“, tauchte dabei gleich zweimal auf. Letterman hatte auch selbst ein iPad zur Hand und hantierte betont ungeschickt damit herum: Vermeintlich um das Gerät zu bedienen, schlug er wiederholt auf den berührungsempfindlichen Bildschirm ein und leckte ihn sogar ein paarmal ab. Apple hat solche Albernheiten sicher einkalkuliert, denn offenbar hatte das Unternehmen Letterman vorab mit einem iPad versorgt.

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