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Verkauf der Dresdner Bank : Angst in den Frankfurter Bankentürmen

Die Kollegen im Blick: Sicht von der Herrentoilette im Commerzbank-Turm auf das Hochhaus der Dresdner Bank Bild: dpa

Zahlreiche Mitarbeiter der Commerzbank und der Dresdner Bank bangen für den Fall einer Fusion um ihre Arbeitsplätze. Bankanalysten gehen davon aus, dass mindestens 5000 Stellen wegfallen könnten - vor allem in den Bankentürmen in Frankfurt.

          Im Frankfurter Bankenviertel können sich die Mitarbeiter von Commerzbank und Dresdner Bank praktisch Aug' in Aug' sehen: Die großen Bürotürme mit den Zentralen der beiden Großbanken liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. In beiden Zentralen herrscht derzeit einige Angst. Denn bei einer Fusion der beiden Institute dürften vor allem in den Zentralen viele Arbeitsplätze wegfallen. Am kommenden Wochenende wollen dem Vernehmen nach die Aufsichtsräte von Commerzbank und Allianz, der Muttergesellschaft der Dresdner Bank, tagen. Auf dem Tisch liegt angeblich auch ein Übernahmegebot der China Development Bank (siehe Allianz erwägt Verkauf der Dresdner an China).

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Arbeitnehmervertreter der Allianz und der Commerzbank machen nun schon im Vorfeld Front gegen einen fusionsbedingten Stellenabbau. "Es ist nicht akzeptabel, wenn in zwei vergleichsweise gesunden Banken in großem Umfang Arbeitsplätze abgebaut werden", sagte Peter Kossubek, der Konzernbetriebsratschef der Allianz-Gruppe in Deutschland, am Dienstag der F.A.Z.

          Bankanalysten rechnen mit Stellenstreichungen in den Zentralen

          Kossubek sitzt im Aufsichtsrat der Allianz und kann damit mitentscheiden. Stellenstreichungen seien bei einem Schulterschluss mit der Commerzbank zwar unvermeidlich, doch müssten "Regelungen getroffen werden, damit die Arbeitnehmer nicht wieder die Verlierer sind", forderte Kossubek. So müssten die Kürzungen zeitlich gestreckt und sozialverträglich etwa über Vorruhestandsregelungen und freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen. Als Vorbild solle das Sparprogramm dienen, das die Allianz in den vergangenen beiden Jahren in ihrem deutschen Versicherungsgeschäft vorgenommen habe. Dort fallen rund 5700 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen weg. Ähnlich hat Uwe Tschäge, der Chef des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats, gefordert, dass es bei einem Zusammenschluss keinerlei betriebsbedingte Kündigungen geben dürfe. Tschäge sitzt im Aufsichtsrat der Commerzbank.

          Bankanalysten gehen davon aus, dass vor allem in den Zentralen Mitarbeiter eingespart werden könnten. "Alle Steuerungstätigkeiten einer Bank, Bereiche wie die Informationstechnik und das Eigenanlagenmanagement (Treasury), braucht man nach einer Fusion nicht mehr zweimal, sondern nur noch einmal", sagt Matthias Dürr, Analyst der DZ Bank. Mit dem Vertrieb dürften die Bankmanager hingegen vorsichtig umgehen, meint Dürr. Filialen dürften nur dann geschlossen werden, wenn sie nahe beieinander lägen. "Man wird das Risiko vermeiden wollen, die Kunden zu verärgern."

          Mitarbeiter liebäugeln mit chinesischer Lösung

          Insgesamt beschäftigen Commerzbank und Dresdner Bank im Inland rund 48.000 Mitarbeiter. Nach Einschätzung von Joachim Müller, einem Bankanalysten des französischen Finanzhauses Cheuvreux, könnten bei einer Fusion etwa 5000 Mitarbeiter entlassen werden. Den Arbeitnehmern und ihren Vertretern wäre es deshalb nicht unlieb, wenn die Allianz die Dresdner Bank an die chinesische Bank verkaufte; denn dann wäre kein größerer Stellenabbau zu erwarten.

          Bankanalysten sind sich über die Folgen einer Fusion nicht einig. Dürr erwartet im ersten Jahr einer Fusion Kosteneinsparungen von 140 Millionen Euro, die sich bis zum Jahr 2011 auf fast 900 Millionen Euro je Jahr erweitern würden. Im ersten Jahr allerdings würden nach dem Szenario der DZ Bank "Restrukturierungsaufwendungen" von 1,5 Milliarden Euro anfallen. Andere Analysten veranschlagen die Fusionskosten nur auf rund 1,2 Milliarden Euro - und sehen schon im ersten Jahr Einsparungen von 700 Millionen Euro, die im Laufe der Zeit auf 1 Milliarde Euro jährlich steigen könnten.

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