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Streik : Verhärtete Fronten im Arbeitskampf um General Motors

Mitglieder der Gewerkschaft UAW Bild: AFP

Der Tarifstreit zwischen dem amerikanischen Autohersteller und der Gewerkschaft UAW geht nun schon in die vierte Woche. GM kostet das zwischen 50 und 100 Millionen Dollar am Tag, schätzen Analysten.

          2 Min.

          Der Tarifstreit zwischen dem amerikanischen Autohersteller General Motors (GM) und der Gewerkschaft UAW hat sich zugespitzt und ein Ende des mittlerweile seit mehr als drei Wochen andauernden Streiks in weitere Ferne rücken lassen. Die UAW schrieb ihren Mitgliedern jetzt in einem Brief, die Verhandlungen mit GM hätten „eine Wendung zum Schlechteren“ genommen. Der Autohersteller sei auf die jüngsten Vorschläge der Gewerkschaft für einen neuen Tarifvertrag kaum eingegangen, und sein Gegenangebot gewährleiste keine Arbeitsplatzsicherheit. „Wir in dieser Gewerkschaft könnten nicht enttäuschter von GM sein“, hieß es in dem Brief. Dass sich die Fronten verhärtet haben, überrascht insofern, weil noch Ende vergangener Woche eine Einigung näher zu rücken schien. Am Freitag hatte die Gewerkschaft mitgeteilt, sie mache in den Verhandlungen „gute Fortschritte“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Streik begann Mitte September, nachdem sich die UAW mit GM nicht auf einen neuen Vier-Jahres-Tarifvertrag einigen konnte. Es ist der erste Streik bei dem Autohersteller seit 2007 und mittlerweile schon der längste seit 1970, als Beschäftigte mehr als zwei Monate lang nicht arbeiteten. Der Arbeitskampf kostet das Unternehmen nach Schätzung von Analysten zwischen 50 Millionen und 100 Millionen Dollar am Tag, die Bank JP Morgan bezifferte den finanziellen Schaden allein bis Ende September auf mehr als eine Milliarde Dollar. Weil auch Werke bestreikt werden, in denen Komponenten für Autos entstehen, hat der Arbeitskampf auch über die Vereinigten Staaten hinaus Auswirkungen. Mangels Bauteilen sah sich GM gezwungen, Tausende von Mitarbeitern in kanadischen und mexikanischen Werken freizustellen. Die Gewerkschaft fordert bessere Bezahlung und Sozialleistungen sowie Arbeitsplatzgarantien.

          Ein zentraler Punkt ist offenbar das Schicksal von Werken, deren Schließung das Unternehmen im vorigen Jahr angekündigt hat. Für einige dieser Standorte hat GM „Lösungen“ versprochen. Beispielsweise solle ein Werk im Bundesstaat Michigan erhalten werden, und hier solle künftig ein elektrischer Pick-Up-Transporter entstehen. Zum Ausgleich für die Aufgabe einer Fertigungsstätte in Ohio solle in der Gegend eine Batterieproduktion aufgebaut werden. Insgesamt hat GM in Aussicht gestellt, 7 Milliarden Dollar in amerikanische Werke zu investieren und 5400 Arbeitsplätze zu schaffen. Der Gewerkschaft scheint das aber nicht zu reichen. Laut „New York Times“ versucht sie, das Unternehmen dazu zu bringen, Produktionskapazitäten von Mexiko in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Nach Veröffentlichung des UAW-Schreibens sagte der Autohersteller, er arbeite „rund um die Uhr“ an einer Lösung.

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