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Verfahren gegen VW-Spitze : Anklage ohne Beispiel

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Herbert Diess (r), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswagen AG Bild: dpa

Eine Verurteilung der VW-Manager Diess und Pötsch wäre ein neuer Höhepunkt im Wirtschaftskrimi namens Diesel-Skandal. Doch dass sie tatsächlich ins Gefängnis wandern, ist eher unwahrscheinlich.

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          Die Anklage gegen die beiden höchsten Manager des Volkswagen-Konzerns ist in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ziemlich einmalig. Zwar gilt für den VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch weiter die Unschuldsvermutung. Zunächst muss die Anklage wegen Marktmanipulation erst noch zugelassen werden. Kommt es aber zu einem Prozess und in dessen Folge zu einer Verurteilung, könnten an einem Tag sowohl der Vorstandsvorsitzende als auch der Aufsichtsratsvorsitzende des absatzstärksten Autoherstellers der Welt ins Gefängnis wandern. Das Unternehmen mit seinen mehr als 600.000 Mitarbeitern wäre auf einen Schlag kopflos. Und der seit nunmehr vier Jahren wabernde Wirtschaftskrimi namens Diesel-Skandal hätte einen weiteren Höhepunkt erreicht.

          Allein die vielen Konjunktive zeigen deutlich, wie unsicher der Eintritt dieses Ereignisses ist. Sollte ein Verfahren eröffnet werden, wird es sich wohl lange hinziehen. Die Vorwürfe in der mehr als 630 Seiten umfassenden Anklageschrift bieten Raum für Angriffspunkte der Verteidigung. Und auch wenn sich das viele betrogene VW-Kunden vielleicht wünschen: Dass Diess und/oder Pötsch am Ende in Handschellen aus dem Gerichtssaal abgeführt werden, erscheint eher unwahrscheinlich. Die am Dienstag öffentlich demonstrierte Rückendeckung durch das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats deutet zumindest darauf hin, dass Volkswagen von einem glimpflichen Ausgang eines Verfahrens ausgeht. Denn das Unternehmen kennt die Vorwürfe und hat zahlreiche Juristen angeheuert, diese genau zu prüfen. Eine Gewähr bietet das freilich nicht.

          Es ist wichtig, dass dieses wie auch die anderen Verfahren gegen Volkswagen und dessen frühere und amtierende Manager ordnungsgemäß vorangetrieben werden. Gerade weil das Unternehmen lange bemüht war, den millionenfachen Abgasbetrug als Verfehlung einiger untergeordneter Ingenieure abzutun, sind weitere staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und gerichtliche Klärungen vonnöten. Volkswagen hat betrogen, das Unternehmen hat dafür Milliardenbeträge gezahlt. Nun wird ein unabhängiges Gericht klären, ob und wann auch führende Manager davon wussten. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

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