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Nach ihrem Rücktritt : Die Beichte der Verena Bahlsen

Verena und Werner Michael Bahlsen Bild: Markus Nass

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Bahlsen-Erbin aus dem Tagesgeschäft des Keksherstellers ausscheidet. Nun offenbart sie in einem Linkedin-Post ihr Innerstes und berichtet unter anderem von einer Panikattacke.

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          Das mit dem Spannungsaufbau klappt schon mal sehr gut. „Some sad news today“. Mit diesem kurzen Satz beginnt Verena Bahlsen ihren Linkedin-Post am Montag, und sofort fragt man sich, was es denn noch Bedeutungsschwangeres, Trauriges geben mag. Schließlich hat ja alle Welt schon am Freitag erfahren, dass Bahlsen mit Alexander Kühnen einen neuen Chef gefunden hat und die 29 Jahre alte Urenkelin des Gründers Hermann Bahlsen sich von ihrer aktiven Rolle in dem Keksunternehmen verabschiedet. Was folgt, ist ein sehr persönliches Abschiednehmen, durchaus mit verblüffenden Geständnissen. „Ich schämte mich oft, wenn ihr mich sehen konntet, wie ich ängstlich war, überwältigt oder unsicher.“

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Den langen Post, der bestimmt zwei Schreibmaschinenseiten umfassen würde, und das Foto haben bis Dienstagnachmittag rund 3000 Menschen mit Symbolen für Applaus und Zustimmung bedacht, mehr als 200 Menschen haben die Beichte der Verena Bahlsen kommentiert. „Ich hatte Gänsehaut beim Lesen“, schreibt einer und fängt selbst an, von seinem Scheitern als Unternehmer zu erzählen. „Respekt“ ist ein häufig verwendetes Wort in den Kommentaren.

          Offener als man es sonst liest, wenn sich Manager oder gar Familienmitglieder aus verantwortungsvollen Positionen verabschieden, berichtet Verena Bahlsen ausführlich von ihrer Überforderung. „Ich stand in einem Weizenfeld mit unserem Chef und hatte eine Panikattacke“, schreibt sie wörtlich und zählt weiter auf, dass sie in Meetings geweint habe, dass sie unfreundlich oder ungeduldig war und in falschen Situationen kalt und hart. All das, „those shitty moments“, habe aber möglicherweise eine intensivere Beziehung zu den Kollegen hergestellt, überlegt sie und bedankt sich dafür, wie sie getragen wurde, in ihrem Ringen darum, richtig in ihre Rolle zu finden: „Ihr habt mich so viel gelehrt.“

          Augenzwinkernd erklärt die Keks-Erbin dann, dass dieser Schritt für die Menschheit ein kleiner sei, aber eine Bewegung tektonischer Maße für sie selbst: „Meine Identität ist untrennbar verwoben mit Bahlsen, der Tradition und den Marken.“ Und dann nutzt die junge Ex-Unternehmerin das Karriereportal genau für den Zweck, für den es so viele nutzen war: die beste Start-Position in die Zukunft zu finden.

          Ihre offenbar intensive praktische Erfahrung seit 2015 fußt auf ansehnlicher Theorie: Am King’s College in London hat sie Business Management studiert und anschließend „Medien, Kultur und Kommunikation“ an der New York University. Allzu schnell sollten die Angebote aber bitte nicht kommen, schreibt Bahlsen noch. Sie brauche erst einmal ein paar Wochen, um Surfen zu gehen, am Strand zu sitzen und höchst unproduktiv zu sein.

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