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Deutsche und Commerzbank : Verdi sagt Bankenfusion den Kampf an

Die Zentralen von Deutsche Bank (l) und Commerzbank in Frankfurt Bild: dpa

Ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank droht zehntausende Arbeitsplätze zu verschlingen. Die Gewerkschaft will das nicht hinnehmen – und droht Warnstreiks an.

          Die Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank werden von Streiks der Mitarbeiter begleitet werden. Nach einem Zusammenschluss der beiden Großbanken drohen 30.000 von 140.000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu verlieren. Die Gewerkschaft Verdi, die in beiden Banken Vertreter im Aufsichtsrat hat, will deshalb in der laufenden Tarifrunde nicht nur ihre Gehaltsforderung von plus 6 Prozent durchsetzen. „Vom 28. März an werden wir die Beschäftigen der Deutschen Bank und der Commerzbank jeden Tag zu Warnstreiks aufrufen, jeden Tag in einer anderen Stadt“, kündigt Commerzbank-Aufsichtsrat Stefan Wittmann an.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. gibt sich Verdi-Vertreter Wittmann kämpferisch: „Die Mitarbeiter beider Banken sollen gemeinsam so lange streiken, bis die Fusion abgesagt ist.“ Darüber hinaus will Verdi Kunden und Aktionäre beider Banken gegen eine Fusion mobilisieren. Wittmann sagt: „Wir wissen, dass Unternehmenskunden gegenüber Commerzbank-Spartenvorstand Michael Reuther klar kommuniziert haben: ,Wir haben uns ganz bewusst für die Commerzbank entschieden, weil wir mit der Deutschen Bank enttäuschende Erfahrungen gemacht haben. Wir wollen nicht, dass ihr mit denen zusammengeht.‘“ Wittmann hat deshalb kein Verständnis für die Fusionsgespräche und greift die Commerzbank-Führung scharf an: „Mir ist völlig unverständlich, wie man als Vorstand solche klaren Ansagen der Kunden ignorieren kann.“

          Tatsächlich führen Deutsche Bank und Commerzbank ihre seit dem vergangenen Wochenende „offiziellen“, aber „ergebnisoffenen“ Fusionsgespräche anscheinend intensiv. „Da ist richtig Zug drin“, sagte ein Beteiligter am Sonntag der F.A.Z. Datenräume seien eingerichtet, um sich gegenseitig in die Bücher mit Krediten und Wertpapieren zu schauen. Ein anderer Beteiligter glaubt nicht, dass an diesen schon mehrmals geprüften Bilanzrisiken die Fusion noch scheitert. Aber in der Deutschen Bank steckten viele versteckte Risiken, wie zuletzt die Geldwäschevorwürfe zeigten, gibt er zu bedenken.

          Gemeinsame Arbeitsgruppen prüfen auch, welche Teile der Commerzbank wo an die Deutsche Bank andocken könnten. Bis Ostern soll es Richtungsentscheidungen geben. Schon vom Tisch scheint ein Holding-Modell zu sein, da es ohne steuerliche Förderung der Bundesregierung als zu kostspielig gilt. In Ansätzen gibt es das aber in der Deutschen Bank schon. Schließlich hat die Deutsche Bank zur Integration der Postbank 2018 eine eigene Tochtergesellschaft für ihr inländisches Privat- und Firmenkundengeschäft geschaffen, zu der die Commerzbank in weiten Teilen auf den ersten Blick am besten passen würde. Das bedeutete aber auch, dass die Commerzbank zerschlagen würde und ihr relativ unbedeutendes Kapitalmarktgeschäft im Investmentbanking- und Großkundengeschäft der Deutschen Bank aufgehen würde.

          Die Aufregung in der kleineren Commerzbank is daher noch größer als in der Deutschen Bank. Nachdem Commerzbank-Chef Martin Zielke am Donnerstag zum Missfallen vieler Beschäftigter einer Betriebsversammlung fern geblieben war, reagierte er zum Wochenschluss in einem Mitarbeiterbrief auf Kritik. Darin versprach Zielke, die Fusionsgespräche möglichst kurz zu halten, um für die Mitarbeiter die Phase der Unsicherheit zu begrenzen und sie künftig besser („so gut wie möglich“) über die Fusionsverhandlungen zu informieren.

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