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Verdacht auf Untreue : Strafprozess gegen Middelhoff wird eingestellt

Thomas Middelhoff Bild: EPA

Eigentlich hatte sich einer der bekanntesten Häftlinge Deutschlands auf einen langen Prozess eingestellt. Doch ein Gericht hält die Vorwürfe für nicht tragbar.

          2 Min.

          Vor wenigen Wochen erschien Thomas Middelhoff zum Auftakt im Untreueprozess gegen ihn und frühere Aufsichtsräte des Handelskonzerns Arcandor als letzter im Gerichtssaal. Es war der 64. Geburtstag des einstigen Top-Managers, doch weder die Staatsanwaltschaft noch die Richter am Landgericht Essen waren für ein Ständchen zu haben. Laut Anklage soll Middelhoff in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von Arcandor den damaligen Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen zum Jahresende 2008 zu einer Sonderbonizahlung von rund 2,3 Millionen Euro ermuntert haben.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anstiftung zur Untreue, so der Vorwurf, denn um Arcandor stand es wirtschaftlich schlecht. Im Spätsommer 2009 musste Karl-Gerhard Eick, der Middelhoff an der Arcandor-Spitze nachfolgte, die Insolvenz des Konzerns verkünden. Eigentlich hatten sich Middelhoff, Janssen und fünf weitere Angeklagte auf einen langen Prozess eingestellt. Für die aufwändige Beweisaufnahme hatte Richter Loch bis Ende des Jahres 34 Verhandlungstage angesetzt.

          Dazu kommt es jetzt nicht mehr, die Richter sind der Auffassung, dass die Vorwürfe nicht haltbar sind, und Middelhoff darf – aller Anzeichen nach – den Gerichtssaal als Erster wieder verlassen. Wie ein Gerichtssprecher der F.A.Z. bestätigte, haben sich Strafkammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung über die Einstellung des Verfahrens geneigt. Am Mittwoch endet der Strafprozess gegen Middelhoff: Das Verfahren soll im Hinblick auf seine derzeitige Haftstrafe nach § 154 Strafprozessordnung eingestellt werden.

          Weitere Schlappe für die Staatsanwaltschaft

          Eine weitere Strafe im aktuellen Verfahren würde demgegenüber nicht mehr ins Gewicht fallen, heißt es seitens der Justiz. Auflagen oder Geld müsste der frühere Chef von Arcandor, der im März 2015 Privatinsolvenz anmeldete, demnach nicht leisten. Es gebe keine Aussage darüber, ob sich Middelhoff tatsächlich der Anstiftung zur Untreue strafbar gemacht habe, erklärte ein Gerichtssprecher auf Nachfrage.

          Middelhoffs Verteidigung sieht sich durch die Einstellung zumindest teilweise bestätigt. Zum Prozessauftakt hatte Anwältin Anne Wehnert alle Vorwürfe gegen ihren Mandanten entschieden zurückgewiesen. Obgleich man eine „glasklare Freispruchstrategie“ gefahren habe, sei die aktuelle Entwicklung, angesichts der kurzen Prozessdauer der Sache und ohne Eintritt in eine sehr komplexe Beweisaufnahme zu begrüßen, sagte die Düsseldorfer Strafverteidigerin der F.A.Z. Ein Freispruch sei zu diesem frühen Prozesszeitpunkt nicht möglich gewesen, meinte sie, allerdings wäre eine lange Verhandlung zur Belastung für ihren Mandaten geworden. Middelhoff leidet an einer Autoimmunerkrankung.

          Der gesamte Strafprozess fällt in den kommenden Wochen in sich zusammen. Auch gegen zwei mitangeklagte Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium soll das Verfahren schon Ende Juni wegen „geringer Schuld“ ohne Geldauflage eingestellt werden. Auf Janssen, den ehemaligen Rewe-Chef Hans Reischl, Leo Herl, Ehemann der früheren Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz und einen weiteren Vertreter der Kapitalseite wartet dagegen eine Einstellung gegen Geldauflagen in unbekannter Höhe. Das rasche Ende, das eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bochum unkommentiert lassen wollte, ist für die Behörde eine weitere Schlappe. Ursprünglich sollten sich 15 Personen vor Gericht verantworten müssen, die Strafkammer ließ allerdings weite Teile der Anklage in ihrem Eröffnungsbeschluss nicht zu.

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