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NRW-Finanzbehörden : Banken sollen mehr als 10 Milliarden Steuern hinterzogen haben

  • Aktualisiert am

Fahndermarke einer Mitarbeiterin der Steuerfahndung Bild: dpa

Die NRW-Finanzbehörden gehen bei mehr als 20 Banken dem Verdacht auf Steuerbetrug nach – auch Großbanken sind betroffen.

          2 Min.

          Die Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen gehen dem Verdacht nach, dass mehr als 20 ausländische Geldinstitute in betrügerische Aktiengeschäfte zu Lasten des deutschen Fiskus verwickelt sind. Betroffen sind nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR Großbanken aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, der Schweiz und Frankreich. Dabei soll der Fiskus über Jahre hinweg um mehr als zehn Milliarden Euro geschädigt worden sein – auch von deutschen Instituten.

          Nordrhein-Westfalen hatte vor einem Jahr von einem Insider eine CD gekauft, die laut Finanzminister Walter-Borjans (SPD) „wertvolle Hinweise“ auf Betrügereien enthält. Die auf der CD aufgeführten mehr als hundert Banken aus dem In- und Ausland sollten „nicht davon ausgehen, dass das Material in unseren Schubladen vergammelt“, sagte Walter-Borjans auf Anfrage von SZ, NDR und WDR.

          „Unsere Steuerfahndung geht jedem Verdacht nach – ohne Ansehen der Personen oder Geldhäuser“, sagte der Minister. Eine Reihe von Banken habe bereits Gespräche aufgenommen und kooperiere mit den Behörden. Der Finanzminister riet auch allen anderen Instituten, rasch einzulenken. Diese Banken sollten nicht darauf setzen, dass das „systematische Ausplündern der Staatskasse unentdeckt bleibt“.

          Zu Details der Steuerverfahren äußerte sich der Finanzminister nicht. Laut WDR richten sich die Ermittlungen der Steuerfahnder gegen Unbekannt. Sollte sich der Verdacht aber erhärten, könnten am Ende Strafen für die Banken selbst oder gegen einzelne Mitarbeiter herauskommen.

          Sechs Großbanken befragt

          Die Ermittler prüfen demnach, ob die ausländischen Banken oder deren Handelspartner in Deutschland Steuern hinterzogen haben, indem sie sich bei Aktiengeschäften rund um den Dividendenstichtag eine nur einmal gezahlte Kapitalertragssteuer mehrmals erstatten ließen. Bekannt geworden sind solche Tricksereien unter dem Stichwort „Cum-Ex“. Banken und Kapitalanlagefonds sollen sich so beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende über Jahre hinweg einen Milliardengewinn verschafft haben – zulasten des Staates.

          SZ, NDR und WDR haben nach eigenen Angaben sechs Großbanken zu dem Verdacht befragt, in Cum-Ex-Geschäfte zu Lasten des Fiskus verstrickt zu sein: JP Morgan und Morgan Stanley aus den Vereinigten Staaten, Barclays und HSBC aus Großbritannien, die UBS aus der Schweiz und BNP Paribas aus Frankreich. Die Großbanken äußerten sich dazu nicht, mit einer Ausnahme: Barclays wies jeden Verdacht von sich.

          Die erste ausländische Bank, die ihr Geld bereits an den Fiskus zurückgezahlt hat, ist Macquarie aus Australien. Noch ist nicht bekannt, ob auch weitere Banken kooperieren wollen. Cum-Ex-Deals gewannen ab Mitte des vergangenen Jahrzehnts an Bedeutung, erst 2012 wurden sie von der Bundesregierung gestoppt.

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